Umfrage zu Qualitätsstandards im Kanalbau

BAD HONNEF, 2.7.2019 – Eine dauerhafte Bewirtschaftung unserer Kanalnetze zu Lasten der Netzsubstanz würde nachfolgende Generationen zweifellos vor unlösbare Probleme stellen. Deshalb muss vorausschauend in die Netze investiert werden. Eine Umfrage zu Qualitätsstandards im Kanalbau zeigt die wirtschaftliche Bedeutung von Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Prüfingenieur besucht Baustelle
Abb. 1: Der Prüfingenieur besucht die Baustelle: Hohe Ausführungsqualität und damit langfristig wirtschaftliche Investitionen werden dort erreicht, wo qualitätsbewusste und kompetente Auftraggeber sich hierfür einsetzen. | Foto: Güteschutz Kanalbau

Gerade bei Bau und Sanierung unserer Abwassernetze hat das Thema Qualität herausragende Bedeutung, da entsprechende Investitionen üblicherweise auf eine sehr lange Nutzungsdauer ausgelegt sind. Auftraggebern und Netzbetreibern ist bewusst, dass von einer fachgerechten Ausführung nicht nur die Umwelt, sondern auch Stadtkasse und Bürger profitieren – insbesondere bei mittel- bis langfristiger Betrachtung der Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsaspekte.

Qualität als sinnvolle Investition

Vor diesem Hintergrund ist die Umfrage zu Qualitätsstandards im Kanalbau zu sehen, welche die Technische Universität Dortmund, Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen, 2018 gemeinsam mit der Gütegemeinschaft Kanalbau durchgeführt hat. Netzbetreiber, Auftraggeber und Planer beantworteten Fragen aus den Themenbereichen Planung, Ausschreibung, Bauüberwachung und Bauausführung. Was sind die Folgen, wenn die geforderte Qualität nicht erreicht wird? Welche Maßnahmen haben maßgeblichen Einfluss auf die Qualität?
Von 789 angeschriebenen Personen haben 263 an der Umfrage teilgenommen. Die meisten Teilnehmer der Umfrage betreiben ein Abwassernetz, an das 20.000 bis 100.000 Einwohner angeschlossen sind (45 %). Ein nahezu gleicher Anteil der Teilnehmer betreibt ein Abwassernetz mit über 100.000 angeschlossenen Einwohnern (25 %) bzw. bis zu 20.000 angeschlossenen Einwohnern (27 %).

Gewünschte Häufigkeit der Bauüberwachung
Abb. 2: Gewünschte Häufigkeit der Bauüberwachung bei speziellen Maßnahmen. | Abbildung: Forschungsprojekt Gütegemeinschaft Kanalbau e.V. / TU Dortmund 2018, Seite 9 (Auszug)

Ausschreibung und Bauüberwachung

Wie häufig müsste Ihrer Erfahrung nach die Bauüberwachung durchschnittlich vor Ort sein, damit die geforderte Ausführungsqualität erreicht wird? Die Antworten der Teilnehmer auf diese Frage machen die Erwartungen an die Bauüberwachung deutlich. Abhängig vom Arbeitsabschnitt oder von der Komplexität der Maßnahme (einfache oder spezielle bzw. für die Qualität des Bauwerks wesentliche Arbeiten) haben die Teilnehmer folgende Einschätzung: Bei einfachen Maßnahmen und Arbeitsschritten halten 40 % der Teilnehmer eine Präsenz der Bauüberwachung auf der Baustelle alle zwei Tage für geboten. Bei speziellen Maßnahmen und Arbeitsschritten halten dagegen sogar 60 % der Teilnehmer eine tägliche Bauüberwachung für sinnvoll (Abb. 2).
Auffällig ist, dass Netzbetreiber, die Bauüberwachungsleistungen selbst durchführen, eine deutlich häufigere Bauüberwachung zur Einhaltung der Ausführungsqualität wünschen als Netzbetreiber, die diese Leistungen an ein Ingenieurbüro vergeben. Mehr als ein Drittel dieser Netzbetreiber hält sogar bei für die Qualität eines Bauwerks wesentlichen Arbeiten eine Bauüberwachung, die mehrmals täglich stattfindet, für erforderlich. Ebenfalls deutlich überdurchschnittlich wird der Bedarf an Bauüberwachung von Netzbetreibern mit mehr als 100.000 Einwohnern eingeschätzt.

Darüber hinaus wurden die Teilnehmer in Bezug auf die Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung gefragt, welche Folgen sie für die wesentlichen halten, wenn die Qualität der Ingenieurleistungen nicht erreicht wird. Neben den Folgen wurde auch danach gefragt, welche Maßnahmen die Auftraggeber für wirksam halten, um die Qualität dieser Leistungen zu sichern. Die häufigsten Nennungen sind in Abbildung 3 dargestellt.

Abb. 3: Detaillierte Anforderungen verbessern die Qualität von Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung. | Abbildung: Forschungsprojekt Gütegemeinschaft Kanalbau e.V. / TU Dortmund 2018, Seite 12/14 (Auszug)

Bauausführung

Wie in Bezug auf die Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung wurden die Teilnehmer der Umfrage auch in Bezug auf die Bauausführung gefragt, welche wesentlichen Folgen es hat, wenn die geforderte Qualität nicht erreicht wird bzw. welche Maßnahmen maßgeblichen Einfluss auf die Qualität haben (Abb. 4).
Aus den meistgenannten Antworten der Teilnehmer der Umfrage ist erkennbar, dass eine unzureichende Ausführungsqualität eine Erhöhung sowohl der Baukosten als auch der Betriebskosten zur Folge hat. Dabei wurde die Vergabe an Unternehmen mit qualifizierten und regelmäßig geschulten Mitarbeitern von Netzbetreibern mit bis zu 20.000 angeschlossenen Einwohnern häufiger genannt als von Netzbetreibern mit mehr als 100.000 angeschlossenen Einwohnern.

Abb. 4: Einer erhöhten Anzahl von Mängeln vor und während der Abnahme würden viele Netzbetreiber insbesondere mit einer Intensivierung der örtlichen Bauüberwachung begegnen. | Abbildung: Forschungsprojekt Gütegemeinschaft Kanalbau e.V. / TU Dortmund 2018, Seite 16/18 (Auszug)

Qualität rechnet sich

Qualität rechnet sich, denn entsprechende Maßnahmen zu deren Sicherung sind besonders langfristig gesehen wirtschaftlich – das ist sicher ein übergeordnetes Fazit der Umfrage. Fachgerechte und auf einem hohen Standard durchgeführte Planung, Ausschreibung, Bauüberwachung und Ausführung schonen Umwelt und Geldbeutel und tragen damit zu Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bei.