„Im Hochbau ist erst mal noch nicht mit Rückgängen bei den Bauinvestitionen zu rechnen.“ Erich Gluch vom ifo-Institut, München, bei den BAU-Infogesprächen im Oktober 2014. | Foto: Messe München

ifo-Prognose:

Bauwirtschaft bleibt in guter Verfassung

MÜNCHEN, 07.01.2015 – Der Bauwirtschaft in Deutschland geht es gut, die Perspektiven für die nächsten zwei Jahre sind gar nicht schlecht. Und Europa hat die Wende geschafft. Das sind zusammengefasst die Ergebnisse des aktuellen ifo-Konjunkturtests. Die Zahlen stellte Erich Gluch vom Institut für Wirtschaftsforschung, München, auf den Infogesprächen zur BAU vor.

Seit rund drei Jahren schon befindet sich die deutsche Bauwirtschaft in einer guten Verfassung. Das signalisieren die Daten zum Geschäftsklima aus dem ifo-Konjunkturtest. Im Hochbau ist das Klima mittlerweile wieder so gut wie beim „Wiedervereinigungsboom“ Anfang der 90er Jahre. „Leicht rückläufige Auftragsbestände zeigen jedoch seit einigen Monaten unmissverständlich auf, dass sich auch dieses Hoch einmal einem Ende nähert“, so Gluch. „Die Eintrübung ist jedoch bislang so gering, dass zumindest bis 2015 noch nicht mit Rückgängen bei den Bauinvestitionen zu rechnen ist.“

Zwar setzten die Forschungsinstitute in ihrer Herbstprognose die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts für 2014 auf 1,3% und für 2015 auf 1,2% herab. Die Beschäftigungssituation sowie die Einkommensperspektiven dürften aber bis 2016 günstig bleiben. Auch die Arbeitnehmerentgelte dürften sich weiter positiv entwickeln, so Gluch.

Weiterhin werde den Wohnungserwerbern das niedrige Zinsniveau helfen, das noch einige Jahre anhalten dürfte. Auch die Angst vor einer Immobilienpreisblase sei in Deutschland völlig unbegründet. Ganz im Gegenteil: Die lediglich in einigen Großstädten kräftiger angestiegenen Preise für Wohnimmobilien motivierten immer mehr potentielle Käufer oder Bauherren, in eine eigene Immobilie zu investieren. Hinzu komme, dass sich große Teile der Bevölkerung um die Zukunft des Euro sorgten bzw. kaum andere Anlagealternativen sähen.

Im Jahr 2014 dürften rund 215.000 Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden fertiggestellt worden sein. Bis 2016 wird mit einer Steigerung auf rund 250.000 Einheiten gerechnet. Mit 3,1 Fertigstellungen je 1.000 Einwohner dürfte dann laut ifo auch wieder der Durchschnittswert für alle europäischen Länder übertroffen werden.

Bevölkerung nimmt zu

Die Nachfrage im Wohnungsbau wird seit 2010 von umfangreichen Zuzügen getrieben. 2012 kamen bereits rund 370.000 Personen mehr nach Deutschland als gleichzeitig Deutsche ins Ausland zogen. Im Jahr 2014 dürfte der Wanderungssaldo sogar einer halben Million Personen erreichen, 2015 und 2016 nicht unter jeweils 400.000 liegen. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass – trotz einer weiterhin rückläufigen inländischen Bevölkerung – seit 2011 die Bevölkerungszahl insgesamt wieder zunimmt. Aufgrund der anhaltend starken Zuzüge wird sich die Bevölkerungszunahme bis 2016 fortsetzen, konzentriert vornehmlich auf die wachstumsstarken Regionen und die Großstädte.

Nachfrage im gewerblichen Hochbau noch positiv

Im gewerblichen Hochbau stagnieren seit rund eineinhalb Jahren die Auftragseingänge auf einem erhöhten Niveau. In einigen Branchen zeigen sich Produktionseinbußen sowie Gewinnrückgänge aufgrund der über Russland verhängten Sanktionen. Etliche Firmen klagen auch über die – aus ihrer Sicht – zu hohen Tarifabschlüsse. Dank der überdurchschnittlichen Qualifikation der Mitarbeiter dürfte die hohe Wettbewerbsfähigkeit jedoch im Großen und Ganzen erhalten bleiben, so dass sich die Nachfrage im Wirtschaftsbau in diesem sowie im nächsten Jahr noch positiv entwickeln wird.

Die öffentlichen Bauinvestitionen waren wegen der milden Wintermonate bereits im 1. Halbjahr 2014 um 8,5% größer als im Vorjahreszeitraum. Deutlich erhöhte Steuereinnahmen sowie erste Mitteleinsätze aus dem 5-Milliarden-Euro-Programm des Bundes würden dazu führen, so Gluch, dass der öffentliche Bau in diesem Jahr merklich zulegt.

Jedoch weisen die Frühindikatoren auf einen eher schleppenden Verlauf der öffentlichen Baunachfrage in den nächsten ein bis zwei Jahren hin. Impulse kommen laut ifo lediglich von der verbesserten finanziellen Situation einiger Kommunen, den zusätzlichen Mitteln des Bundes sowie der Notwendigkeit, etliche Bestandsmaßnahmen nicht noch weiter aufschieben zu können.

Bauwirtschaft in Europa wächst

2014 war in der europäischen Bauwirtschaft das Jahr der „Wende“ nach sechs Jahren Rückgang. Im Durchschnitt der nächsten zwei Jahre wird ein Wachstum von rund 5,5 % pro Jahr prognostiziert. Als Gründe nennt das ifo Bevölkerungsanstieg und -wanderungen um insgesamt knapp 1%, Einkommenszuwächse und sinkende Arbeitslosigkeit sowie anhaltend niedrige Zinsen.

Nur in Spanien, Portugal und Ungarn werde es zu Bevölkerungsrückgängen kommen. Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Bevölkerungszuwächse in allen skandinavischen Ländern sowie in der Schweiz. In Spanien und Portugal sind die Arbeitslosenquoten am höchsten, während wiederum alle vier skandinavischen Länder in der unteren Hälfte zu finden sind. Dabei weist die Schweiz, neben Norwegen, die niedrigste Quote auf. Es überrasche nicht, so Gluch, dass gerade diese Länder für die nächsten Jahre eine recht stabile Zuwachsrate bei den Bauinvestitionen von durchschnittlich 2-3% pro Jahr aufwiesen.

Das höchste Wachstum bis 2016 werde, nach einem Einbruch der Wohnungsbauaktivitäten um 80% innerhalb von sieben Jahren bis 2013, Irland aufweisen. Großbritannien sei – unterstützt von staatlicher Seite – auf dem Weg zu einer weiteren spekulativen Immobilienblase.

Im Nichtwohnhochbau wird zumindest für 2015/2016 in allen Ländern ein moderates Wachstum erwartet. Im Tiefbau wird die zukünftige Entwicklung bis 2016 vor allem in Tschechien und Frankreich recht zurückhaltend eingeschätzt. In Polen und der Slowakei dürfte jedoch – nach deutlichen Einbrüchen 2012 und 2013 – ein erhebliches Erholungspotential vorliegen. bi