Konjunktur:

Bauhauptgewerbe erwartet 2 % Umsatzwachstum

BERLIN, 20.05.2015 – Die Stimmung der Bauunternehmen zu Beginn des zweiten Quartals war noch verhalten optimistisch, mit Blick auf das kommende Sommerhalbjahr überwiegt aber die Zuversicht. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie geht von nominal 2 % Umsatzwachstum für das Jahr 2015 aus.

Wind und Wetter hätten den deutschen Unternehmen im 1. Quartal 2015 zu schaffen gemacht: Entsprechend seien die Umsätze um 3,0 % hinter dem Vorjahresergebnis zurückgeblieben, teilte Verbandspräsident Thomas Bauer heute auf der Jahrespressekonferenz zum „Tag der Deutschen Bauindustrie“ in Berlin mit. Der verhaltene Optimismus gehe mit einer Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen einher, erläuterte Bauer. Die Konjunktur im Euroraum habe sich etwas erholt. Der Wertverlust des Euros erleichtere die Exporte in die Märkte außerhalb des Euroraums. Darüber hinaus habe durch den Rückgang vieler Rohstoffpreise die drohende Verteuerung der Importe im Zaum gehalten werden können.

Das Bauhauptgewerbe erwartet für das Jahr 2015 ein Umsatzwachstum von 2 Prozent.
Das Bauhauptgewerbe erwartet für das Jahr 2015 ein Umsatzwachstum von 2 Prozent.

Wohnungsbau bleibt Wachstumstreiber

Die verhältnismäßig gute Stimmung zu Beginn der Bausaison werde aber auch von der Auftragslage gestützt: Die Unternehmen verfügten zu Jahresbeginn über Rekordauftragsbestände – und das im dritten Jahr in Folge. Steigende Auftragseingänge im 1. Quartal von schätzungsweise 3,0 % hätten die Auftragsbücher der Unternehmen sogar noch weiter gefüllt. Entsprechend liege die Reichweite der Auftragsbestände im April mit knapp drei Monaten deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 2,6 Monaten.
Treiber der Baukonjunktur im Bauhauptgewerbe bleibe auch 2015 mit einem Umsatzwachstum von nominal 3 % der Wohnungsbau, prognostizierte Bauer. Für die deutsche Wirtschaft zeichne sich zwar inzwischen ein Stimmungsumschwung ab; für einen deutlichen Nachfrageschub im Wirtschaftsbau reichten diese Impulse jedoch noch nicht aus. Der Hauptverband erwarte deshalb in dieser Sparte weiterhin ein nominales Umsatzwachstum von 1,5 %.

Thomas Bauer, Präsident Hauptverband der Deutschen Bauindustrie
Der Hauptverband hat seine Umsatzerwartungen für 2015 mit nominal + 1,5 % leicht nach oben revidiert – Thomas Bauer, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Öffentliche Hand investiert wieder mehr

Die stetige Kritik am Zustand der Infrastruktur und an der öffentlichen Investitionszurückhaltung habe offenbar Früchte getragen, stellte Bauer fest. Mit seinem 10 Mrd. Euro-Programm für Bundesinvestitionen, dem Sondervermögen „Kommunalinvestitionsförderungsfonds“ für finanzschwache Kommunen sowie einer neuen Generation von ÖPP-Projekten habe der Bund die Grundlagen für die längst überfällige öffentliche Investitionswende gelegt. Bis zum Ende der Legislaturperiode sei mit einer Aufstockung der Investitionslinie Verkehr von derzeit etwa 11 Mrd. auf knapp 13 Mrd. Euro im Jahr 2017 zu rechnen. Darüber hinaus flössen 1,1 Mrd. Euro in den Ausbau der Breitbandnetze. Gleichzeitig würden 10 ÖPP-Verkehrsprojekte mit einem Investitionsvolumen von 7 Mrd. Euro an den Markt gebracht. Weitere etwa 500 Mio. Euro stünden für die energetische Sanierung im Gebäudebestand, den altersgerechten Umbau von Wohnungen und den Bau von Studentenheimen zur Verfügung.
Mit diesen Maßnahmen habe der Bund viel zur Aufhellung der Stimmung im öffentlichen Bau beigetragen, sagte Bauer. Trotzdem werde die deutsche Bauwirtschaft auch in diesem Jahr noch mit negativen öffentlichen Nettoinvestitionen leben müssen. Viele der angekündigten Maßnahmen würden wohl erst in den Jahren 2016 und 2017 wirksam. Der Hauptverband habe deshalb seine Umsatzerwartungen für 2015 auch nur leicht nach oben revidiert – und zwar auf nominal + 1,5 %.

Bau-Arbeitslosigkeit auf historischem Tief

Dank der weiter moderat steigenden Bauproduktion werde sich der Beschäftigungsaufbau auch 2015 fortsetzen, erwartet Bauer. Im Jahresdurchschnitt würden voraussichtlich knapp 760.000 Menschen eine Beschäftigung im deutschen Bauhauptgewerbe finden; das seien 3.000 mehr als 2014 und 55.000 mehr als zum Beschäftigungstiefpunkt der Branche im Jahr 2009. Inzwischen stoße der Beschäftigungsaufbau jedoch an Grenzen. Die Arbeitskräftereserven auf dem deutschen Baumarkt seien weitgehend ausgeschöpft. 16.000 gewerblichen Fachkräften, die 2014 in den Ruhestand gegangen seien, stünden nur noch 10.600 neue Ausbildungsverträge gegenüber. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter habe im Jahresdurchschnitt 2014 mit 36.500 einen historischen Tiefstand erreicht.
bi