Demnächst zu haben: Der neue VW-Transporter

HANNOVER, 12.05.2015 – Numerisch geht er als T6 an den Start, an seiner neuen Frontpartie ist er zu erkennen. Rundum wurde der VW-Bestseller behutsam retuschiert und mit vielen Feinheiten aktualisiert.

Der neue VW-Transporter T6
Der neue VW Transporter T6: Gleiches Format und bewährte Technik, die steilere Motorhaube und der breite Kühlergrill sind primäre Identifikationsmerkmale.

Von Wolfgang Tschakert, Planegg

Die Erwartungen an die Neuauflage des wichtigsten VW-Nutzfahrzeugs waren ja riesengroß. Schließlich verkaufte sich der Vorgänger mit der Bezeichnung T5 innerhalb von 13 Jahren knapp zwei Millionen Mal. Noch immer überzeugt der T5 Markt und Kunden mit limousinenhaften Fahreigenschaften und beispielhafter Qualität – und hält die Konkurrenz damit auf Respektabstand. Wie will man das noch toppen?
Man muss schon genau hinsehen, um den neuen Transporter von einem T5-Fahrzeug zu unterscheiden. Das VW-Marketing spricht von stilvoller Geradlinigkeit und klar definierten Linien, die der neuen Generation ein modernes Gesicht geben. Die Generation 6 des Transporters erhält eine stärker profilierte Front, der abgesenkte Bug soll die Aerodynamik verbessern. Auch am Heck legten die Designer Hand an, waagrechte Sicke betonen jetzt die Breite des T6. Auch die tiefer angesetzten Außenspiegel finden im Pressetext Erwähnung, fest steht nur: Sie sind für den VW-Transporter wieder recht klein ausgefallen.

Neuer Euro 6-Diesel

Und doch überrascht die sehr zurückhaltende Modifikation nur wenig. Radstand und Rohbau bleiben erhalten, so spart sich der Hersteller teure Werkzeugkosten. Das Geld wurde vielmehr in neue Aggregate und elektronische Helferlein investiert. So bekommt der Transporter einen neuen zukunftsfähigen Dieselvierzylinder mit der internen Bezeichnung „EA288 Nutz“, der den schweren Anforderungen an Nutzfahrzeugmotoren Genüge leistet und die Euro 6-Abgaslimit erfüllt. Wie bisher sitzt der Zweiliter-Diesel vorn quer montiert und treibt über 5- oder 6-Gang-Getriebe oder eine automatisierte 7-Gang-DSG-Box die Vorderräder oder alle Viere an. Die besondere Aufmerksamkeit erfährt natürlich die 204 PS starke Topversion, das maximale Drehmoment wird mit stolzen 450 Newtonmetern beziffert. Damit wird der T6 erstmals schneller als 200 km/h. Und wer nicht so schnell sein möchte, bekommt Motorleistung nach Maß. Der Einheitsdiesel kann auch anders, er entwickelt auf Wunsch 84, 102, 150 oder eben 204 PS. Natürlich soll der neue Diesel auch Sprit sparen, für die obligatorischen BlueMotion-Varianten verspricht Volkswagen minimale 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Start-Stopp-Systeme, die im Vorgänger noch Aufpreis kosteten, sind bei allen Euro 6-Fahrzeugen jetzt Standard. Die Euro 6-Abgasgrenzwerte werden mit einem SCR-Katalysator (SCR = Selective Catalytic Reduction) erzielt. Das dafür nötige Additiv Adblue wird in einem 13-l-Zusatztank mitgeführt, der für etwa 7.000 Kilometer Fahrstrecke reicht. Wer das Prozedere nicht möchte, kann auf einen gleichgroßen Fremdzünder zurückgreifen. Dieser TSI-Vierzylinder (EA888) leistet wahlweise 150 oder 204 PS, seine Nockenwellen und Ausgleichswellen werden über einen Kettentrieb angetrieben.

Gleiches Fahrwerk-Layout

Nicht so neu ist das T6-Fahrwerk, wie der Blick unters Fahrwerk verrät. Rundum Einzelradführung, vorn ein McPherson-Achse und hinten eine Schräglenkerachse, dieses Layout kennt man schon aus dem T5-Vorgänger. Jetzt kann man es mit adaptiver Fahrwerksregelung noch toppen. Damit kann der Kunde sogar eine sportliche Gangart pflegen, dazu passend liefert VW ab Werk und gegen Aufpreis breite 18-Zoll-Leichtmetallräder.
Mehr Neuheiten gibt es im Innenraum zu entdecken. Die Pkw-Varianten und die gewerblichen Modelle erhalten neue hochwertige Armaturenträger. Beim Kastenwagen fallen sie weniger üppig aus, um in der Kabine Platz für drei Sitze zu schaffen. Zentral im Blick wie bisher die Ergonomie, beim T6 bekommt der Kunde mehr und bessere Ablagen. Neue Sitze sollen mehr Seitenhalt gewähren, die Einstellmöglichkeiten wurden nochmals verbessert. Und wer´s bezahlt, kann sich an einem gekühlten Flaschenhalter erfreuen.
In Sachen Format bleiben die VW-Strategen ihrer erfolgreichen T-Linie treu. Die Radstände und Varianten des Vorgängermodells soll es weiter geben, bis zu 3.200 kg Gesamtgewicht sind für den T6 Programm. Mit kurzem Radstand packt der T6 bis zu 5,8 Kubikmeter Ladung und geringfügig mehr Nutzlast als der T5.

VW-Transporter T6 in zwei Varianten
Wie es dem Kunden gefällt: Auf Wunsch edel verchromt, sonst mit profan unlackierten Stoßfängern

Das ganze VW-Sicherheitssortiment

Vielfahrer werden die neuen Sicherheitssysteme schätzen. Die VW-Techniker haben sich hier im großen Konzernbaukasten bedient. ABS und ESP sind Serie, der teure Multivan Business erhält serienmäßig das „Front Assist-System“, das per Radar die Abstände zum Vorausfahrenden überwacht. Gegen Aufpreis ist ein Abstandsregeltempomat (ACC = Adaptive Cruise Control) zu haben, ebenfalls die Fernlichtregelung oder eine Müdigkeitserkennung. Nicht separat zu bezahlen ist die Multikollisionsbremse, die jeden T6 bei Auslösung eines Airbags automatisch zum Stillstand bringt.
Natürlich darf das Thema Connectivity nicht fehlen. Vor allem in den üppig ausgestatteten Multivan-Fahrzeugen halten hochwertige Multimedia-Systeme Einzug. Man kennt sie aus dem neuen Passat oder aus dem Golf. Beim großen Display setzt VW-Nutzfahrzeuge erstmals auf eine Technik, die mit einer Annäherungssensorik arbeitet. Die höchste Ausbaustufe heißt Discover Media Plus - all inklusive, was das Herz begehrt. Auf der anderen Seite das Einsteiger-Radio für Puristen: Es wird nach alter Väter Sitte geregelt und muss ohne Touchscreen auskommen.