Wie die Zeit vergeht: 10 Jahre bi-BauFahrzeuge

KIEL, 24.04.2014 – Als die erste Ausgabe unserer bi-BauFahrzeuge erschien, fuhren Lkw noch rustikaler und rauchten gar gelegentlich. Und die Transporter ließen den Feinschliff vermissen, den wir heute so schätzen. Wir haben in den ersten Ausgaben geblättert.

Wolfgang Tschakert, Planegg

Anfangs war es noch ein zartes Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden wollte. bi-Chefredakteur Rudi Grimm gab 2004 vorsichtig optimistisch den Startschuss zur Sonderbeilage Nutzfahrzeuge, die von da an regelmäßig zu den Frühjahrs- und Herbst-Ausgaben des bi-BauMagazins, der bi-GalaBau und der bi-UmweltBau gereicht wurde. Von da an haben wir uns auf dem Markt für Nutzfahrzeuge umgesehen, was neu und natürlich relevant für die Bauwirtschaft ist. Die Fahrzeugindustrie hat uns von Anfang an ernst genommen und uns mit Testfahrzeugen in allen Formaten versorgt.

MAN L2000
MAN L2000 als 7,5-Tonner: Schwefelgelber Kipper-Klassiker, 2005 mit guten Noten

„Baustarke Typen“

So titelten wir in Ausgabe eins, strenge Tests und keine Gefälligkeitsgeschichten wollten wir in die Baubranchen tragen. Das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, der Grundsatz gilt auch heute noch. Der richtige Zeitpunkt, mit uns noch einmal in den Rückspiegel zu schauen, welches Fahrzeug und welche Entwicklung wann und wie zu beeindrucken wusste.
Jüngeren bi-Lesern dürfte der L2000 von MAN kaum noch ein Begriff sein. Ein braves und zuverlässiges Arbeitstier für Gartenbauer und Bauunternehmen, der eher unscheinbare 7,5-Tonner stand auch immer Schatten seiner großen Markenkollegen. Kurz vor seiner Ablösung haben wir ihn noch zum Test gebeten, mit seiner schwefelgelben Lackierung sah er elf Jahren Bauzeit noch immer frisch und fast jugendlich aus. Der Klassiker hatte sich über die Jahre gut behauptet, 1998 gewann der kleine MAN-Kipper sogar den „Deutschen Nutzfahrzeugpreis“ der Handwerkszeitung. Auch wenn das Design recht schlicht ausfiel (unser Kommentar: „…hier haben die Designer noch mit dem Lineal gearbeitet“), die technischen Qualitäten des L2000 sind auch heute noch aktuell.

Ford Transit
Ford Transit Kombi Baujahr 2005: Günstiges Gewicht und druckvoller Antrieb mit 137 PS

„Bruder Leichtfuß“

So nannten wir 2005 den Ford Transit. Sein neuer 137 PS starker Diesel wuchtete bärenstarke 375 Newtonmeter Drehmoment auf die Welle. Die 2,4-Liter-Maschine war in anderen Anwendungen gar für 200 PS und hohe Fahrleistungen gut. Der Transit-Hecktriebler war mit heute moderaten 137 PS auf der Autobahn ein Kandidat für die Überholspur, er beschleunigte locker bis zum 160 km/h-Begrenzer. Der Rest war Ford – viel Auto fürs Geld, dafür etwas rau und ungehobelt.

23 Tonnen Split musste unser Actros-Kipperzug schleppen, wir wollen wissen: „Zu fein für die Grube?“ Das Fahrerhaus bot dem Fahrer Langstreckenkomfort für den Bau, darunter werkte ein 435 PS starker V6-Diesel in Euro 3-Ausführung. Die goldene Mitte des Motorenangebots, mit maximal 2.100 Newtonmetern Drehmoment kommt der 40-Tonner gut vom Fleck. Die Telligent-Schaltautomatik wechselt die Gänge fließend, auch ohne Ladung zählt der Bau-Actros nicht zu den Harten im Lande. Dafür zu den sichersten Fahrzeugen der Branche, seine leistungsfähige Dekompressionsbremse und die EBS-Bremsanlage haben den schweren Zug jederzeit in Griff.
Mercedes Actros
2005 hieß er nur Actros: Parabelgefederter Mercedes-Dreiachser mit Schaltautomatik, Aluminiumbordwände für mehr Nutzlast.

30 Tonnen Nutzlast

Auch das gab’s schon: Mit 3.600 Kilogramm Leergewicht machte 2005 ein Kippsattel-Auflieger aus Kohlefaser-Werkstoff von sich reden. Natürlich überwog die Skepsis, doch mit der verheißenen Nutzlast von 30 Tonnen könnte man sich auch heute noch anfreunden. Kohlefaser statt Aluminium hieß die Botschaft des Entwicklungsteams TTT (The Team Technology) aus Hamburg. Zusammen mit dem Kunststoffspezialisten Wethje wurde ein Verfahren entwickelt, um sehr große Carbonfaser-Teile mit relativ geringem Aufwand herzustellen. Letztlich wurde das Konzept nicht marktreif, es verschwand wieder in der Versenkung.

CFK-Kippsattel
Auf der IAA 2004 zu sehen, wir berichteten 2005 über den Leichtbau-Kipsattel mit CFK-Komponenten.
„Alles auf eine Karte“ schrieben wir 2005 zum Startschuss von Fahrerkarte digitalem Tachograf, sie gehören heute zur Lkw-Normalität wie die Wurstsemmel zur Pause. Das Chipkartensystem für Fahrer, Werkstatt und Fuhrpark hat anfangs für reichlich Kopfzerbrechen gesorgt. Damals fuhr man noch zweigleisig, Diagrammscheiben wurden archiviert. Nur Neufahrzeuge waren mit dem elektronischen Überwachungssystem ausgestattet.
digitaler Tachograf
Großer Umbruch ab 2005: Der digitale Tachograf erforderte tiefe Eingriffe in die Fuhrparkorganisation.

„Traumhaus aus Schweden“

Der neueste Hit 2005 waren Euro 4-Motoren. Während bei anderen Herstellern noch entwickelt wurde, schickten die Schweden bereits ihren ersten Kipper mit Euro 4-Diesel ins Rennen. Der Vierachser ist von gröberer Natur, ohne den Fahrer mit ungebührlicher Ruppigkeit zu belästigen. Wir nennen ihn „Gentleman im Overall“, sein Traumhaus im G-Format lässt die Fahrerherzen höher schlagen. Seine Maschine, ein 11,7-Liter-Sechszylinder mit gekühlter Abgasrückführung, macht seine Sache mehr als gut. Eine zweite Turbine (Turbocompound) nutzt die Restenergie im Auspufftrakt, der Scania-Kipper legt sich selbst bei niedrigsten Drehzahlen ins Zeug. Bei Scania hat man die Turbocompound-Technologie später wieder zu den Akten gelegt. Heute findet sie bei Mercedes-Benz im Spitzenmotor OM 473 Verwendung – wir vermerken: herausragende technische Lösungen tauchen immer wieder aus der Versenkung auf.

Scania R420
Der erste Euro 4-Kipper im Test: Scania R 420 mit geräumigem Fahrerhaus und guten Nutzlastwerten.
Der komplette Beitrag ist zuerst erschienen in der bi-BauFahrzeuge 1/2015.