Hebetechnik: Start-up entwickelt elektronisch veredelten Kranhaken

KIEL, 26.08.2019 – Die Digitalisierung des Bauwesens macht vor keinem Problem halt. Selbst ein Kranhaken kann intelligent werden. Die neueste Entwicklung ist ein Kranhaken, der sich per Fernbedienung öffnen lässt. Entwickelt hat ihn das Start-up 8tronix für den österreichischen Kettenhersteller Pewag.

von Benno Stahn

intelligenter Kranhaken von 8tronix
Im Gehäuse des Kranhakens ist die empfindliche Sensorik untergebracht.
Ein Kranhaken kann heute nicht nur schwere Lasten bewegen, sondern auch gleichzeitig Lastgewicht, Temperatur, Ladezyklen und sonstige gewünschte Parameter dokumentieren. Schließlich, und das ist das Besondere daran, soll der Kranhaken per Fernbedienung seine Last ablegen, ohne dass eine weitere Person den Haken löst.
Das alles haben junge Tüftler aus Kiel entwickelt.

Sascha Meyer vom Start-up 8tronix mit dem intelligenten Kranhaken
Sascha Meyer, Geschäftsführer von 8tronix, hat den Kranhaken
für Pewag „intelligent“ gemacht. | Fotos: B_I/B. Stahn
Das Start-up 8tronix hat sich darauf spezialisiert, mechanische Vorgänge zu automatisieren. In diesem Fall wird das Öffnen des Kranhakens nun automatisiert. „Das hat viel mit Mechatronik zu tun. Wir als Mechatroniker beschäftigen uns mit elektronischen Systemen, das heißt wir haben einerseits die Mechanik und andererseits die Elektronik und die Informatik“, sagt Sascha Meyer, einer der beiden Geschäftsführer. Bis zur Baureife vergingen zwei Jahre, in denen viele Dinge simuliert wurden: „Man baut eine Simulationsumgebung auf und dann wird getestet. Und dann sieht man, ob das Steuergerät richtig funktioniert.“ Denn ein Versagen der Elektronik – etwa ein unbeabsichtigtes Öffnen – muss bei tonnenschweren Lasten unter allen Umständen vermieden werden. Das sei der Bereich, wo Software zuverlässig funktionieren müsse. Selbst eine defekte Fernbedienung kann die Sensorik erkennen und das Öffnen des Hakens verweigern. Eine Überlastsicherung verweigert ebenfalls das Öffnen des Hakens.

Der Kranhaken selbst ist ein Produkt des Auftraggebers Pewag, der wiederum als typisches Maschinenbauunternehmen mit Elektronik nicht viel zu tun hat. Aber im Zeichen der Digitalisierung wollte sich Pewag weiterentwickeln und ein elektronisch veredeltes Produkt anbieten. Neben dem fernbedienbaren Lasthaken entwickelten die Jungunternehmer auch eine Klemme zum Heben von Betonteilen.

Wie schafft man es, eine empfindliche Sensorik in ein robustes Produkt wie einen Kranhaken unterzubringen? „Die Elektronik wird so eingebaut, dass sie weder durch Hitze, noch durch Feuchtigkeit Schaden nimmt“, versichert Meyer. Die Daten werden auf ein Display im Kranführerhaus übertragen und dokumentiert. Soviel intelligente Technik hat natürlich ihren Preis, der für einen Fünf-Tonnen-Haken bei rund 6.000 Euro liegt, wie aus dem Hause Pewag zu erfahren war.