BKT will zweistelligen Marktanteil bei Reifen

KIEL, 28.08.2019 – BKT will seine Position im weltweiten Off-Highway-Reifenmarkt weiter ausbauen. Mit einer Reihe von Maßnahmen in der Produktion und Forschung zielt die multinationale Gruppe aus Indien auf einen zweistelligen Marktanteil bis 2025.

von Hendrik Stellmach

BKT-Reifenwerk in Bhuj, Indien
Am indischen Produktionsstandort Bhuj ist auch eine hochmoderne Produktionsanlage für den Füllstoff „Carbon Black“ entstanden. | Fotos: BKT

BKT hat sich die Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit und eine deutliche Erhöhung seiner Marktanteile im Off-Highway-Reifensegment von sechs auf zehn Prozent auf globaler Ebene bis 2025 auf die Fahnen geschrieben. Erreicht werden soll dieses ambitionierte Ziel durch eine neue Produktionsstätte in den USA, die unabhängige Erzeugung von Carbon Black sowie neuartiger Rohmaterialen und die Aufnahme sogenannter Giant-Größen auch in das Landwirtschaftssortiment.

Reifen-Werk in den USA

Anfang 2019 startete das 100-Millionen-US-Dollar-Projekt zum Bau einer neuen Produktionsanlage in den USA. Das Werk mit einer geplanten Produktionskapazität von 20.000 t/Jahr ist BKTs erste Produktionsanlage außerhalb von Indien und weltweit die sechste. Reifen für alle von BKT belieferten Industriezweige werden dort produziert werden: Landwirtschaft, Industrie, Erdbewegung, Minen, Hafen, Gartenbau und sogenannte ATV, in Deutschland gemeinhin bekannt als Quads. Die Arbeiten an dem Werk sollen bis März 2021 beendet sein.

BKT Earthmax-Reifen für Radlader
Am indischen Produktionsstandort Bhuj ist auch eine hochmoderne Produktionsanlage für den Füllstoff „Carbon Black“ entstanden.

Unabhängige Carbon-Black-Produktion

Am Produktionsstandort in Bhuj (Indien) hat BKT eine 23-Millionen-Dollar-Anlage für die Herstellung von sogenanntem „Carbon Black“, zu Deutsch: Industrieruß, errichtet. Sie soll dem Unternehmen ermöglichen, mehr Varianten dieses hochwertigen Rohstoffs für spezielle Formulierungen während der Compoundierungsphase und somit zu größerer Kundenanpassung einzusetzen. Für die sogenannten „Giant tires“ werden beispielsweise große Mengen einer speziellen Carbon-Black-Variante bzw. -Formel zur Verbesserung der Performance benötigt. Bis zum Ende des zweiten Quartals 2019 erreichte die Anlage eine Produktionskapazität von 80.000 Tonnen. 50 Prozent davon verwendet BKT in der Reifenherstellung, die andere Hälfte wird auf dem Markt verkauft.

BKT Earthmax-Reifen SR 46
Auf der Bauma 2019 zeigte BKT den EM-Reifen Earthmax SR 46
für starre Muldenkipper zum ersten Mal in der Größe 33.00 R 51
– stattliche 3.075 Zentimeter hoch und 975 Zentimeter breit.

Rohmaterialen: Löwenzahn statt Naturkautschuk

Gleichzeitig verstärkt das Unternehmen seine Bemühungen um eine nachhaltige Reifenherstellung. Auf der Grundlage eines gemeinsamen Forschungsabkommen mit der US-amerikanischen Biotechnologiefirma Kultevat Inc. hat BKT neue Compoundierungsmethoden entwickelt, um schrittweise Naturkautschuk durch TKS-Gummi zu ersetzen.

Kultevat, das auf den Anbau und die Verarbeitung von TKS-Löwenzahn durch nachhaltige Verfahren spezialisiert ist, beliefert BKT bis Oktober 2019 mit einer Tonne stabilisiertem TKS-Gummi. Gegenwärtig werden Analysen und Versuche durchgeführt, um die Leistungsmerkmale des Materials besser zu verstehen und geeignete Compoundierungsverfahren vor allem im OTR-Segment zu entwickeln. TKS-Löwenzahn ergibt ein ähnliches Material wie Naturkautschuk. Während jedoch der Gummibaum für die Naturkautschuk-Gewinnung ein spezielles Gebiet und Klima benötigt, wächst TKS-Löwenzahn überall.

Darüber hinaus testet BKT die Möglichkeiten, Pflanzenfasern den Materialien zur Gummimischung hinzuzufügen, z.B. Nanozellulose und Nanotonerde. Durch den Einsatz dieser Materialien können die Eigenschaften der Bestandteile verstärkt werden. Der Gebrauch natürlicher Zellulose, die in der Natur reichlich vorhanden ist, befindet sich im Teststadium.

Noch größere EM-Reifen

In den letzten zehn Jahren entwickelte BKT OTR-Radialreifen in unterschiedlichen Mustern und Größen für verschiedene Anwendungen und klimatische Bedingungen. Es begann mit kleineren Reifengrößen für Rad- und Kompaktlader, gefolgt von Reifen für starre Muldenkipper, um schließlich das Großreifensegment zu betreten: Ausgehend von der EM-Reifen-Baureihe Earthmax SR 46 entwickelte BKT die neuen 51- und 57-Zoll-Größen. Die Markteinführung dieser Reifenmuster ist, begleitet von beträchtlichen Investitionen in neue Maschinen, für dieses und das kommende Jahr geplant.