Entscheidungshilfen: Die passende Staudenwahl

WEIHENSTEPHAN, 19.09.2019 – Die wachsende Vielfalt an Staudenzüchtungen macht eine unabhängige und fundierte Staudensichtung immer wichtiger. Welche Stauden eignen sich für welche Standorte? Diese und viele weitere Fragen wurden in Weihenstephan ausführlich diskutiert.

Von Sonja Bauer

Prof. Dr. Bernd Hertle (r.) leitete die Führung durch den Sichtungsgarten Weihenstephan.
Prof. Dr. Bernd Hertle (r.) leitete die Führung durch den Sichtungsgarten Weihenstephan.

Am 25. Juli hatten der Bund deutscher Staudengärtner (BdS) und der Arbeitskreis Staudensichtung in die Weihenstephaner Gärten eingeladen, wo die Thematik der Pflanzentestung sowie der Staudenverwendung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit auf dem Programm stand.

Der Vortrag von Prof. Dr. Bernd Hertle (Leiter der Weihenstephaner Gärten und Vorsitzender des BdS-Arbeitskreises Staudensichtung) zur „Staudensichtung in Theorie und Praxis“ vermittelte den Teilnehmern sowohl einen Einblick in die mittlerweile fast 70jährige Geschichte der planmäßigen Staudensichtung, als auch eine Einführung in die Sichtungsmethodik. Ein Hauptziel der heutigen Staudensichtung ist es, aus den immer größer werdenden Pflanzensortimenten Sorten herauszufiltern, die in Norddeutschland ebenso verlässlich gedeihen wie in Süddeutschland, Österreich oder der Schweiz. Daher werden die vom Arbeitskreis (AK) Staudensichtung zu prüfenden Sortimente stets an mehreren der insgesamt 18 Sichtungsstandorte aufgepflanzt und über drei Jahre hinweg begutachtet.

Die zentrale Auswertung der Ergebnisse erfolgt an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Bei entsprechend guten Bewertungen spricht der AK-Staudensichtung Empfehlungen aus. Drei Sterne erhalten die ausgezeichneten Sorten, zwei die sehr guten und einen Stern die guten Sorten. Die empfehlenswerten Sorten zeichnen sich vor allem durch vitalen Gesamteindruck, Winterhärte, Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen aus. Dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) geht das allerdings noch nicht weit genug. Magnus Wessel (Leiter Naturschutzpolitik und -koordination beim BUND) regte an, zumindest die Eignung der Pflanzen als Nahrungsspender und Lebensraum für Wildbienen und andere Bestäuber als Kriterium zu integrieren.

Ulrike Leyhe ermöglichte den Teilnehmern eine Pflanzenbonitur an Phlox und Hakonechloa.
Ulrike Leyhe ermöglichte den Teilnehmern eine Pflanzenbonitur an Phlox und Hakonechloa.

Vorsichtung zur Überprüfung der Sortenechtheit

Seit 1998 wird vor Beginn der Sortenprüfung auch die Sortenechtheit der Pflanzen geprüft. Diese sogenannte Vorsichtung wird in der Regel in Weihenstephan durchgeführt. Dabei werden Sorten aus mehreren Herkunftsquellen miteinander verglichen und die Beobachtungen mit den Pflanzenbeschreibungen in der Natur abgeglichen. Bei der anschließenden Sortimentsbegehung durch Staudenexperten wird dann festgelegt, welche Pflanzen sortenecht sind. Diese werden dann vermehrt und an die Sichtungsgärten verteilt, so dass alle dasselbe Ausgangsmaterial zur Bewertung erhalten. Zudem verzichten alle Sichtungsquartiere auf Pflanzenschutzmaßnahmen bis auf Schneckenbekämpfung.

Im praktischen Teil der Veranstaltung hatten die Teilnehmer Gelegenheit eine Sortimentssichtung mitzuerleben. Dipl.-Ing. Ulrike Leyhe (technische Leiterin der Weihenstephaner Gärtner) erläuterte die Pflanzenbonitur an Phlox und Hakonechloa. Jeder Anwesende erhielt zwei Boniturbogen, welche die Kriterien enthalten, die für die Beurteilung der jeweiligen Sorte festgelegt wurden. Dieses Jahr werden vom BdS die Sichtungsergebnisse für Hakonechloa und Miscanthus veröffentlicht, nachzulesen unter www.staudensichtung.de und www.staudensterne.de

Die 11 Hakonechloa-Sorten vermitteln ein sehr ausgeglichenes Bild. Für sie, ebenso wie für die Miscanthus-Sorten werden dieses Jahr die Sichtungsergebnisse veröffentlicht.
Die 11 Hakonechloa-Sorten vermitteln ein sehr ausgeglichenes Bild. Für sie, ebenso wie für die Miscanthus-Sorten werden dieses Jahr die Sichtungsergebnisse veröffentlicht.

Staudengärtner sind mehr als Pflanzenproduzenten

„2.500 Arten und Sorten haben Staudengärtner durchschnittlich im Sortiment“, erklärte Michael Moll (BdS-Vorsitzender und Geschäftsführer der Moll Stauden GbR, Leinfelden-Echterdingen) in seinem Vortrag in den Weihenstephaner Gärten. Dabei könne der Kunde sicher sein, dass sich die jeweilige Pflanze erfolgreich für seine Zwecke einsetzen lasse. Erreicht werde das durch die gesicherte Qualität der langlebigen Pflanzen, die Beratung vor dem Verkauf und den After-Sales-Service. Stauden aus Staudengärtnereien würden Ressourcen schonend produziert, vermarktet und gepflanzt. Für Landschaftsgärtner bietet Moll Schulungen an und berät in allen Pflanzenfragen. Teilweise kommen GaLaBau-Auszubildende für einige Monate als Praktikanten in seinen Betrieb.

Till Hofmann (Mitinhaber von Die Staudengärtnerei Till Hofmann & Fine Molz GbR Rödelsee) machte in seinem Vortrag besonders darauf aufmerksam, dass sich mit der Entwicklung der Menschen auch die Anforderungen an die Pflanzen geändert haben. Pflanzen seien immer gewandert und hätten freie oder gestörte Biotope umgehend besetzt. „Pflanzenbewegungen sind Symptome einer anderen Nutzung der Landschaft – und aktuell sind diese extrem dynamisch“, stellte der Pflanzenexperte fest. Das Mitglied im BdS-AK-Staudenverwendung verdeutlichte, dass Staudengärtner ein breites Sortiment brauchen, um auf Veränderungen reagieren zu können. Im Spätsommer stünden bspw. nur wenige heimische Arten als Bienenweide zur Verfügung, zudem seien heimische Pflanzen dem Stadtklima oft nicht gewachsen

Größer ist nicht immer automatisch besser. Bei Stauden anscheinend schon. Lesen Sie unseren Artikel.