Bundeskartellamt beschließt: Sakret-Gruppe muss sich neu aufstellen

BERLIN, 25.9.2019 – Das Bundeskartellamt hat die Sakret Trockenbaustoffe Europa GmbH & Co. KG am 13. September per Beschluss dazu aufgefordert, die Vertriebsstruktur der Sakret Europa in Deutschland zu modifizieren.

Das bis dato anerkannte „Mittelstandskartell“ ist laut Bundeskartellamt insbesondere durch den Einstieg des Großunternehmens Knauf in den Sakret-Verbund nicht mehr kartellrechtskonform. Bis zur endgültigen Klärung bzw. Neuaufstellung darf Sakret keine Vertriebsaufgaben beim Absatz von Trockenbaustoffen an Baumärkte und den Baustoffhandel für ihre Gesellschafter und Unterlizenznehmer übernehmen.
Wie die Neuaufstellung aussehen könnte und wann sie voraussichtlich erfolgt, dazu wollte sich das Unternehmen auf Nachfrage der B_I galabau jetzt noch nicht äußern. Sakret eruiere gerade die momentane Situation und prüfe einen Einspruch.

Mittelstandskartell

Sakret Europa war 1982 vom Bundeskartellamt als sogenanntes Mittelstandskartell anerkannt worden. Die US-amerikanische Inhaberin der Marke Sakret hat weltweit Lizenzen zur Nutzung der Marke an Unternehmen erteilt. Lizenznehmerin für Deutschland und das übrige Europa ist Sakret Europa, die einem Großteil ihrer Kommanditisten sowie weiteren Unternehmen jeweils regionale Unterlizenzen erteilt hat. Kommanditisten sind u.a. vier mittelständische Baustoffhersteller sowie – über eine Tochtergesellschaft – das Großunternehmen Gebr. Knauf KG.
Im Vertrieb an Baumärkte verhandelt die Sakret Europa zentral die Preise und Konditionen für ihre Gesellschafter. Im Verhältnis zum Baustofffachhandel verhandelt sie nur Rahmenkonditionen, während die Preise dezentral von den Unterlizenznehmern bestimmt werden. Im Rahmen ihrer Tätigkeit vereinheitliche Sakret Europa damit das Marktverhalten ihrer Gesellschafter und Unterlizenznehmer, was laut Bundeskartellamt zu einer Wettbewerbsbeschränkung führt.

Zu hohe Marktanteile

In Deutschland arbeiten unter dem Dach der Sakret Europa fünf rechtlich selbständige Unternehmen zusammen, deren Zusammenspiel die Behörde zwar kritisch sieht, gleichzeitig aber die Fortführung des Sakret-Vertriebssystems nach Umgestaltung begrüßt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Kleineren und mittleren Unternehmen eröffnet das deutsche Kartellrecht die Möglichkeit, im Rahmen eines Mittelstandskartells größenbedingte Nachteile gegenüber Großkonzernen auszugleichen. Im Falle von Sakret Europa erfolgte dies etwa durch einen gemeinsamen Markenauftritt und die Zentralisierung bestimmter Vertriebsfunktionen. Durch den Einstieg des Großkonzerns Knauf durch Übernahme mehrerer beteiligter Mittelständler hat der Verbund dann aber im Laufe der Zeit so hohe Marktanteile erreicht, dass eine weitere Duldung der bestehenden Strukturen durch das Bundeskartellamt nicht mehr möglich war. Eine kartellrechtskonforme Umgestaltung und Fortführung des deutschen Sakret Vertriebssystems ist aus unserer Sicht aber möglich und wäre auch zu begrüßen, um kleine und mittlere Anbieter weiterhin zu stärken.“

Peter Aping Sakret Europa
Peter Aping, Geschäftsführer der Sakret Europa. | Foto: Sakret

Neuaufstellung in den nächsten Wochen

Sakret plant nun mit einer Neuaufstellung nicht nur kartellrechtlich konform zu arbeiten, sondern auch die Stärken der Marke weiter zu unterstützen. Seit mehr als 60 Jahren stehe die Marke Sakret in Europa für qualitativ hochwertige Lösungen bei Trockenbaustoffen und sei ein verlässlicher Partner des Handels geworden. Das soll auch so bleiben, wie Peter Aping, Geschäftsführer der Sakret Europa, deutlich macht: „Wir kooperieren seit vielen Jahren mit den Kartellbehörden in Deutschland, um eine geeignete Lösung für die Zusammenarbeit in der Sakret-Gruppe zu finden. Wir unterstützen seit jeher den Wettbewerb, denn in diesem Wettbewerb können wir mit der Qualität unserer Produkte überzeugen. Um aber die Sakret-Gruppe in die Zukunft zu führen, wollen wir uns in den kommenden Wochen organisatorisch neu aufstellen.“