TBM im Zielschacht in Istanbul
Das Schneidrad der 13,66 m großen Tunnelbohrmaschine kurz nach dem Durchstich im Zielschacht auf der europäischen Seite des Bosporus. | Foto: Herrenknecht

Durchstich am Bosporus: Härtetest für die Vortriebstechnik

SCHWANAU, 31.08.2015 – Nach 16 Monaten Vortrieb hat jetzt eine Tunnelbohrmaschine von Herrenknecht den Bosporus unterquert. Der Bau der 3,34 Kilometer langen Röhre für den Eurasia-Tunnel zählt zu den weltweit anspruchsvollsten Tunnelbauprojekten.

Am 22. August erlebte ein hochkarätiges Publikum den Durchbruch einer der kühnsten Tunnelmissionen überhaupt. Am Nachmittag durchstach vor den Augen des türkischen Premierministers Ahmet Davutoğlu ein Herrenknecht-Mixschild mit einem Bohrdurchmesser von 13,7 Metern plangenau die Zielschachtwand auf der europäischen Seite Istanbuls. Nach 16 Monaten Vortrieb unter der Meerenge des Bosporus war das Auftauchen des Bohrriesen ein ingenieurtechnischer und emotionaler Triumph für das bauausführende, türkisch-südkoreanische Joint Venture unter der Führung von Yapı Merkezi und SK Engineering & Construction. Die 3,34 Kilometer lange Unterfahrung für den zweistöckigen Eurasia-Autotunnel, gestartet von der asiatischen Landseite, war bei Wasserdrücken bis zu 11 Bar ein gewaltiger Härtetest für hochmoderne Tunnelvortriebstechnik. Der erfolgreich abgeschlossene Vortrieb markiert neue Machbarkeits-Standards im Tunnelbau.
Gestartet war die Mission mit der in Schwanau speziell designten, 3.300 Tonnen schweren Unikat-Maschine im April 2014. Sie legte in einem gigantischen Startbauwerk auf der asiatischen Seite am süd-östlichen Ende des Bosporus los. Bei einem Gefälle von fünf Prozent tunnelte sich der großformatige Mixschild bis zum tiefsten Punkt 106 Meter unter dem Bosporus. Bis zu 92 Metern erreichte die TBM pro Woche.

In 15 Minuten von Europa nach Asien

In Istanbul sorgt der neue Autotunnel für eine gravierende Verkehrsentlastung beim Passieren der Meeresenge. Ab Ende 2016 sollen im Eurasia-Tunnel täglich rund 100.000 Fahrzeuge auf zwei übereinanderliegenden Fahrbahnen zwischen den Kontinenten wechseln. Der neue Tunnel ist die erste direkte Verbindung zwischen dem historischen Golden Horn auf der europäischen Seite und dem Hafengebiet auf der asiatischen Seite. Er wird die Fahrtzeit von heute 100 auf nur noch 15 Minuten reduzieren. bi