Vertikaler Garten(t)raum


HANNOVER, 26.08.2015 – Aus einem Garten-Hinterhof in der Hannoveraner Nordstadt entstand durch die Zusammenarbeit von Gartendesigner, GaLaBauer, Installateur und einem Experten für Bewässerungstechnik ein grüner Gartentraum. Statt grüner Wiese strahlt eine lebendige grüne Tapete im Garten.

Von Karsten Köber, Karlsruhe

fertig bepflanzter vertikaler Garten
Fertig bepflanzter vertikaler Garten im
Frühjahr 2014, insgesamt wurden 36
Pflanzmodulen mit vorgezogenen
Pflanzen verwendet.
Der Gartenhof von Peter Endebrock hat gerade einmal die Größe von 65 Quadratmetern. Wovon der überwiegende Teil durch eine Terrassenfläche als Fugengarten und von zwei Großbäumen eingenommen wird. So blieb kaum mehr Platz für üppige Pflanzflächen. Doch der 72jährige wollte sich trotzdem gemeinsam mit seiner Frau ein grünes Refugium schaffen. Die Idee des Gartendesigners, einen vertikalen Garten anzulegen, begeisterte den pensionierten Diplom-Mathematiker sofort.
Der Vorschlag für den vertikalen Garten kam von Jörma Biernath, der in seinem Büro in Neustadt nordwestlich von Hannover Gartendesignideen entwickelt. In Gesprächen mit Peter Endebrock und seiner Frau wurde ein Raumkonzept erarbeitet, in dem die „lebendige Tapete“ die zentrale Rolle spielt.
Bewuchs am vertikalen Garten ein Jahr nach der Errichtung
Kräftiger Bewuchs am vertikalen Garten im Mai 2015. In der Wand befinden sich insgesamt drei querliegende Tropfschläuche und versorgen die Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen.
die Technikzentrale mit Bewässerungscomputer
Die Technikzentrale inklusive
Bewässerungscomputer befindet
sich im Keller des Wohnhauses
von Peter Endebrock.

Vorgezogene Pflanzmodule

Jörma Biernath wählte einen ungewöhnlichen Gestaltungsansatz: Er verzichtete auf die sonst übliche bodengebundene Bauweise für die Begrünung der Hauptwand. Ihm und den Bauherren genügte die Auswahl an möglichen Rankpflanzen für dieses Projekt nicht, zumal viele Ranker im Laufe der Zeit von unten aufkahlen. Stattdessen entschied man sich für ein standardisiertes System des Herstellers Optigrün, bei dem vorgezogene Pflanzmodule in eine Haltekonstruktion eingesetzt werden. Allerdings veränderte der Gartendesigner die durch das Hersteller-System festgelegte  Pflanzenauswahl in Teilen so, dass die besonderen Anforderungen hinsichtlich Gestaltung und Pflanzstandort optimal erfüllt wurden. Er nahm Pflanzen wie Storchschnabel und weiße Taubnessel hinzu, die heute den Anblick der begrünten Wand bereichern. Aus den Modulen entfernt wurden Buchsbaum und Zwergmispel. Wichtig war Jörma Biernath auch, dass die Pflanzenzusammenstellung des vertikalen und horizontalen Gartenteils miteinander korrespondiert, vor allem was die Farbigkeit der Blätter und Blüten angeht.
Start der Baumaßnahme war im Herbst 2013. Mit dem GaLaBau-Betrieb Meißner Gartengestaltung aus Garbsen am nordwestlichen Stadtrand von Hannover konnte ein kompetenter Partner gewonnen werden, der sich gern den besonderen Herausforderungen dieses Hausgartenprojektes stellte. Die Landschaftsgärtner begannen zunächst mit der Montage der Wandgrundkonstruktion aus verzinkten Metallprofilen. Bemerkenswert dabei ist die Ausdehnung der vertikalen Begrünung über eine Wandbreite von 9 Meter und eine Gesamthöhe von 2,60 Meter. Die gesamte Konstruktion hat eine Tiefe von 30 Zentimeter. Parallel zu den Arbeiten an der Wandbegrünung legten die GaLaBauer auch die Terrasse sowie die angrenzenden Pflanzflächen an. Im Frühjahr 2014 wurde es dann spannend, Optigrün lieferte die insgesamt 36 vorkultivierten Pflanzmodule. Vor Ort wurden die Kästen hinsichtlich der Pflanzenauswahl überarbeitet und dann in die vormontierte Unterkonstruktion eingehängt. Im gleichen Zeitraum erfolgte auch der Einbau der automatischen Bewässerungsanlage.
Kompressor, mit dem bei Frostgefahr die Leitungen der Bewässerungsanlage automatisch von Wasser freigeblasen werden, rechts daneben der Behälter für die Düngeflüssigkeit.

Kompressor, mit dem bei Frostgefahr die Leitungen der Bewässerungsanlage automatisch von Wasser freigeblasen werden
Kompressor, mit dem bei Frostgefahr
die Leitungen der Bewässerungsanlage
automatisch von Wasser freigeblasen
werden, rechts daneben der Behälter
für die Düngeflüssigkeit.

Eine lohnende Investition in mehr Grün

Insgesamt rund 24.000 Euro hat Peter Endebrock für seinen außergewöhnlichen Traumgarten investiert und davon zirka 7.400 Euro für das ausgeklügelte Bewässerungssystem ausgegeben. Lediglich 150 Euro sind im Jahr 2014 an Pflegekosten angefallen. Zusätzlich konnte der Bauherr   Kosten senken, indem er für seine Bewässerungsanlage eine spezielle Wasseruhr installieren ließ. Die Abwassergebühr für das im Garten verwendete Frischwasser ist damit vollständig entfallen.
Mit seinem neu geschaffenen grünen Refugium ist Peter Endebrock absolut zufrieden. Durch den vertikalen Garten hat der Außenraum seines Wohnhauses bedeutend an Lebensqualität gewonnen.

Ein überzeugendes Beispiel dafür, dass aus der professionellen Zusammenarbeit von Gartendesigner, GaLaBauer, Installateur und Bewässerungsexperten ein sehenswerter Garten entsteht. Besonders stolz macht die Beteiligten, dass alle Termine eingehalten wurden. Der Bauherr und die Fachfirmen arbeiten stetig daran, das System weiter zu perfektionieren und die Wasserversorgung für die Pflanzen zu jeder Jahreszeit optimal zu justieren.
 Ein Feuchtefühler gibt das Signal zur Unterbrechung der Bewässerung
Ein Feuchtefühler gibt das Signal zur Unterbrechung der Bewässerung immer dann, wenn kein Wasserbedarf bei den Pflanzen besteht. |  Foto: Aqua-Technik