Schlauchlining unter Trainingsgelände

KREFELD, 24.10.2019 – Der Niedersächsische Fußballverband e.V. (NFV) hat auf seinem Trainingsgelände die Freigefällekanäle DN 800 durch Schlauchlining und Reparatur langfristig stabilisiert. Ausgeführt wurde die Sanierung von Pipefocus Bezela zusammen mit Arkil Inpipe.

Von Werner Bezela


Das Trainingsgelände des NFV liegt malerisch im schönen Fuchsbachtal in Barsinghausen. Neben mehreren Naturrasenplätzen erfreut sich ein Kunstrasenplatz großer Beliebtheit, da dieser witterungsunabhängig bespielbar ist. Weiterhin sind auf dem Gelände eine Trainingshalle, ein Fitnesscenter und ein großes Hotel angelegt.
Ein Highlight in der Historie des Trainingsgeländes war sicherlich die Fußballweltmeisterschaft 1974, als verschiedene Nationalmannschaften hier Quartier bezogen, und sich auf das Turnier vorbereiteten. In heutiger Zeit kommen die DFB-Nationalmannschaften – Damen und Herren aller Altersklassen – gern zu Lehrgängen oder vor Spielen in Hannover hierher, um die Ruhe und Abgeschiedenheit zur Vorbereitung zu nutzen.

Kanalsanierungsfahrzeuge auf dem Kunstrasenplatz
Kanalsanierungsfahrzeuge auf dem Kunstrasenplatz

Verrohrung unter dem Rasen

In den letzten Jahren haben die Mitarbeiter des NFV wiederholt feststellen müssen, dass die Trainingsplätze an mehreren Stellen absacken und immer wieder nachgebessert werden mussten. Dabei war dies gerade im Bereich des Kunstrasenplatzes sehr aufwändig, da die Kunststoffbahnen nur von Spezialfirmen geöffnet und wieder verklebt werden dürfen.
Auf der Suche nach den Ursachen der Absackungen wurde schnell eine Kanaltrasse DN 800 aus Beton aufgespürt, die unter den Trainingsplätzen verläuft. Hintergrund ist der in den 70er Jahren verrohrte Fuchsbach, der aus dem Höhenzug Deister kommend oberhalb der Sportanlage in eine Verrohrung mündet. Ab dort unterquert die Verrohrung die Sportanlage auf einer Länge von 800 m. Es sind im Bereich der Trainingsplätze mehrere große Schachtbauwerke vorhanden, die allerdings komplett mit Rasen überdeckt waren, und deren Lage nicht eindeutig feststand.
Auf der Auslaufseite gab es mehrere Abstürze und Bauwerke, die in Plänen nicht oder ungenau dargestellt waren. So gab es im Vorfeld der Sanierung einige Überraschungen, die in guter Zusammenarbeit zwischen dem NFV, dem Planer von der Pipefocus Bezela GmbH (Krefeld) und einer lokalen Tiefbaufirma kurzfristig gelöst wurden.

Öffnen der Kunstrasenbahn im Schachtbereich
Öffnen der Kunstrasenbahn im Schachtbereich

Priorität 1: Schutz aller Trainingsplätze

Wegen eines sehr engen Zeitfensters und der Notwendigkeit, die unklaren Trassenverläufe und Lage der Schächte zu klären, machte sich das beauftragte Ingenieurbüro Pipefocus Bezela umgehend an die Arbeit. Als Grundlage für die Bestandsaufnahme der Kanalisation diente eine TV-Befahrung aus den Jahren 2017 und 2018. Es wurde festgestellt, dass der Kanal DN 800 auf einer Länge von 260 m Risse aufweist. Allerdings waren nicht alle Teilstrecken befahren worden, und der Zustand und die Lage der Schächte waren unklar.
Nach einer ersten Einschätzung wurde festgestellt, dass fünf Schächte unter den Trainingsflächen des Verbandes liegen. Da die Zugänglichkeit erst durch Freilegen hergestellt werden musste, war vorab nicht klar, wie die Basis für die Sanierungsplanung aussah. Dennoch musste die Planung weiter vorangebracht werden, um das Zeitfenster zur Sanierung im Mai 2019 nicht zu gefährden.
Es bestand von Seiten des NFV die unbedingte Vorgabe, die Trainingsplätze zu schützen. Daher mussten für alle Arbeiten im Zuge der Voruntersuchung und der Sanierung die notwendigen Zuwegungen mit Stahl- und Kunststoffplatten ausgelegt werden. Hierfür waren die maximalen Lasten eines Spül-Saugwagens ausschlaggebend, die auf 40 Tonnen Gesamtgewicht festgelegt wurden.

Das Sanierungskonzept

Für die Sanierung wurden Regenwasserkanalhaltungen, vornehmlich der Zustandsklassen 1 und 2 nach ISYBAU zugrunde gelegt. Dabei wurden im Rahmen der Planung verschiedene Verfahren der Reparatur und Renovierung nicht nur technisch geprüft, sondern auch wirtschaftlich untersucht. Eine Erneuerung war wegen der zu erwartenden Schäden an den Trainingsplätzen von Anfang an ausgeschlossen. Zudem wären die Kosten in diesem schwer zugänglichen Bachtal sicherlich im siebenstelligen Bereich gewesen. Als wirtschaftliche Lösung ergab sich eine Kombination aus Renovierungs- und Reparaturverfahren.
In vier Haltungen, das sind ca. 260 m, wurden starke Rissbildungen festgestellt. Da die Deformationen noch innerhalb des Toleranzbereiches lagen, konnte hier eine Sanierung mittels Schlauchliner geplant werden. Weitere drei Haltungen wiesen punktuelle Schäden auf, die mit einem Reparaturverfahren (Roboterverfahren) zu sanieren waren. Bei einigen Zulaufeinbindungen war eine Abdichtung mittels Verpressung bzw. der Einbau von Hutprofilen möglich. Bei Streckenabschnitten, bei denen der Schlauchliner durch die Schächte eingebaut werden konnte, sollte der Schlauch im Schacht als Sohlauskleidung erhalten bleiben.
Auf die Planung einer Umleitmöglichkeit für eine vollumfängliche Vorflutsicherung wurde bewusst verzichtet, da sich aus der vorhandenen Dimension DN 800 ein zu großer Aufwand für evtl. auftretende Regenereignisse im Deister ergeben hätte. So gab es die Vorgabe: Bei einer Wetterprognose mit längerem oder stärkerem Niederschlagereignis war die Sanierung zu verschieben oder komplett einzustellen.

Bodenlastverteilung mit ausgelegten Stahlplatten

Geringe Schädigung durch Bodenlastverteilung

Nach erfolgter Ausschreibung und Vergabe mit sehr beschleunigtem Verfahren wurden die Arbeiten an die Fachfirma für Kanalsanierung Arkil Inpipe GmbH aus Hannover vergeben. Durch die örtliche Nähe der Firma zu Baustelle ergaben sich während der Ausführung einige Vorteile, die sich positiv auf den Bauablauf auswirkten.
Die Verkehrssicherungen, wie erforderliche Absperrungen, Beschilderungen und Beleuchtungen, wurden mit dem Auftraggeber abgestimmt, da die Sanierungsarbeiten vornehmlich auf privatem Grund des NFV auszuführen waren.
Alle Arbeiten, einschließlich der Abnahmen mussten im Zeitraum von vier Wochen im Mai 2019 ausgeführt werden. Dieses Zeitfenster war dem Planer für die Ausführung zugestanden worden, um die Trainingsplätze so kurz wie möglich zu sperren. Für Juni standen bereits Termine fest, an denen die Anlage für Turniere und Training bereitstehen musste.
Da die Rasenflächen so schnell wie möglich wieder bespielbar sein sollten, wurden die Arbeitsflächen und Zufahrten zu den Schächten zum Schutz mit Stahlplatten ausgelegt. Dadurch waren eine Bodenlastverteilung und eine geringe Schädigung der Flächen zu erwarten.

Schlauchlinereinbau

Zudem war in der Sanierungsplanung die Anzahl der anzufahrenden Schächte auf dem Sportplatz minimiert worden. Dadurch wurden etwas größere Einzugslängen für den Schlauchliner erforderlich, was heute technisch kein Problem darstellt.

Schlauchlinereinbau
Schlauchlinereinbau | Fotos: Werner Bezela
Die Öffnung der Schächte auf dem Sportplatz, die auch für den Einbau des Schlauchliners dienten, wurde kurzfristig vor dem Sanierungseinsatz freigegeben. Die Stahlplatten wurden zeitnah in der Woche vor dem geplanten Linereinbau ausgelegt.
Der Schlauchlinereinbau, ein GFK-Liner DN 800 der Firma Impreg mit äußerer Schutzhülle, konnte wie geplant Anfang Mai beginnen. Das Wetter hatte ein Einsehen und es gab bis auf kurze Schauer keine größeren Niederschlagsereignisse.
Die Sanierungsarbeiten konnten durch die Bereitstellung von Einbauhilfen und Hilfskonstruktionen deutlich beschleunigt werden. Der Einbau der Liner wurde innerhalb von drei Tagen abgewickelt. Durch gute Vorarbeit und notwendige Nacharbeiten waren die Sanierungsarbeiten innerhalb von zwei Wochen komplett abgeschlossen. Dies bedeutete eine Halbierung des bereitgestellten Zeitfensters, und für den NFV die Möglichkeit, die Trainingsplätze deutlich früher wieder zu nutzen.