Amiblu hat Zukunftsstrategien nach erfolgreichen 2 Jahren fest im Blick

TROLLENHAGEN, 1.11.2019 – Rund zwei Jahre nach der Europa-Fusion von Amiantit und Hobas berichtet Mario Frieben, seit Beginn des Jahres neuer Vertriebsleiter DACH und seit September 2019 Managing Director bei der Amiblu Germany GmbH, über wichtige strategische Weichenstellungen beim Marktführer für GFK-Lösungen für Trinkwasser, Abwasser, Industrie und Wasserkraft.


Herr Frieben, Sie sind seit Beginn des Jahres in verantwortlicher Position bei Amiblu tätig, aber dem Werkstoff GFK sind Sie schon länger verbunden.

Mario Frieben: Ja. Ich war seit 2005 in verschiedenen Positionen bei Hobas in Neubrandenburg tätig, darunter bis zum Jahr 2018 rund sechs Jahre in der Funktion des Vertriebsleiters Deutschland.

Haben Sie den Fusionsprozess, der 2017 zur Gründung von Amiblu führte, aktiv mit begleitet?

Ja, als Ende 2016 erste Gespräche über einen möglichen Merger der Amiantit Germany GmbH und der Hobas GmbH geführt wurden, bestand für meine europäischen Kollegen und für mich eine besonders spannende Aufgabe darin, die geplante Fusion vorzubereiten und den gesamten Prozess intensiv voranzutreiben.

Wie hat sich der Zusammenschluss der beiden Unternehmen seit dem Merger entwickelt?

Wir haben bereits in vielen Bereichen die mit dem Zusammenschluss der beiden Einheiten verbundenen Zielvorgaben erreicht. Das Vertriebsteam ist in der DACH-Region mit ca. 30 Mitarbeitern und jeweils einem Exklusivpartner in Österreich und der Schweiz, personell hervorragend aufgestellt. Nun gilt es, im Innendienst und im Backoffice weitere entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen. Hierfür haben wir in den Produktions- und Betriebsstätten ein SAP-System ausgerollt. Diesen Baustein gilt es nun optimal zu integrieren, um das Application Engineering, d.h. die Anwendungstechnik und die Produktionsstätten via SAP miteinander so zu vernetzen, dass diese optimal miteinander kommunizieren können.

An welchen europäischen Standorten produziert Amiblu derzeit?

Das Unternehmen produziert insgesamt in sechs europäischen Werken. Gemäß dem Businesskonzept der Amiblu-Gruppe ist dabei jedes Werk – anders als vor dem Merger – auf eine individuelle Produktrange spezialisiert. Die beiden deutschen Werke in Trollenhagen und Döbeln konzentrieren sich in erster Linie auf das Rohrgeschäft, auf den Schachtbau sowie auf den Behälter- und Tankbau. Während das polnische Werk in Danzig auf die Produktion von nicht-kreisrunden Profilen für Sanierungseinsätze spezialisiert ist, ist das Werk in Dąbrowa Górnicza mit der Produktion komplexer GFK-Elemente sowie mit der Fertigung von Rohren mit speziellen Inlinern betraut. Das spanische Werk verfügt über eine sehr starke Expertise in industriellen Anwendungen, besonders Druckanwendungen, also in der Kraftwerkstechnologie. In Rumänien werden auch Rohrkomponenten produziert, aber in erster Linie – und das federführend – Kupplungen.

Rund zwei Jahre nach der Europa-Fusion von Amiantit und Hobas berichtet Mario Frieben, Managing Director bei Amiblu Germany, über wichtige strategische Weichenstellungen beim Marktführer für GFK-Lösungen.
Rund zwei Jahre nach der Europa-Fusion von Amiantit und Hobas berichtet Mario Frieben, Managing Director bei Amiblu Germany, über wichtige strategische Weichenstellungen beim Marktführer für GFK-Lösungen. | Foto: Amiblu Germany GmbH

Geschleudert oder gewickelt? Sind beide Produktionstechnologien vollkommen gleichwertig?

Ja, sowohl das ursprünglich von Hobas entwickelte Schleuderrohrverfahren als auch das von Amiantit angewandte Wickelrohrverfahren nach Flowtite-Technologie sind bereits seit über 50 Jahren auf dem Markt und können technologisch als absolut gleichwertig eingestuft werden. Lediglich die Herstellverfahren unterscheiden sich signifikant. Die individuellen technologischen Vorteile beider Verfahren fließen unter einer gemeinsamen Amiblu-Flagge zusammen, worin ein wesentlicher Schritt in Richtung Technologie- und Markt-Leaderschaft besteht.

Welche Anwendungsbereiche haben Sie als besonders zukunftsfähig identifiziert?

Amiblu ist kein Rohrhersteller, wir sind vielmehr ein Systemhersteller. Wir bieten verschiedene Systemlösungen für die Ver- und Entsorgung sowie für die Industrie- und Kraftwerkstechnologie an. Dabei ist der deutsche Abwassermarkt und hier besonders die grabenlose Sanierung defekter Abwasserkanäle einer der stärksten Anwendungsbereiche im gesamten Leistungsspektrum des Unternehmens. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der letzten DWA-Studien zum Zustand der Kanalisation in Deutschland sehen wir hier einen starken Zukunftsmarkt.
Andere nationale Märkte wiederum bieten weitere Schwerpunktthemen und erfordern alternative Systemlösungen. In der Schweiz stehen eher Anwendungen für die Kraftwerkstechnologie sowie für Bach- bzw. Flussverrohrungen im Vordergrund. Gerade für solche Verrohrungen hat Amiblu Produkte mit extrem abrasionsfesten Inlinern im Portfolio. Diese kommen besonders in Österreich und in der Schweiz zur Anwendung.

Digitalisierte Lösungen für die Wasserwirtschaft – Wasser 4.0 – sind derzeit in aller Munde. Welche Lösungen bietet Amiblu hier an?

Unser Ziel ist es, dem Markt anwendungsbezogen Lösungen für sogenannte Smartpipe-Systems, d.h. für intelligente, sich selbst überwachende Rohrsysteme zur Verfügung zu stellen. Nehmen Sie zum Beispiel Stauraumkanäle. Diese möchten wir mit intelligenter Sensoren-Technologie auszurüsten, um valide Informationen darüber zu erlangen, wie sich das System in einem Zyklus verhält. Von hier aus wird es möglich, Prognosen über den Betrieb des Systems in bestimmten hydrologischen Kontexten wie etwa Starkregenereignissen zu erlangen. Auch die smarte Leckageüberwachung von Rohrleitungen ist bei Amiblu ein wichtiges Zukunftsthema, das wir kurzfristig zur Serienreife entwickeln werden.

Denkt man bei Amiblu auch über zusätzliche Werkstofflösungen als strategische Ergänzung zum GFK nach?

Tatsächlich beschäftigen wir uns aktuell auch mit weiteren kunststoffbasierten Werkstofftechnologien. Gerade im Bereich der hochfesten Linerkomponenten verfügen Polyurethane über eine besonders hohe Leistungsfähigkeit. Diese Technologie möchten wir zukünftig auch für andere Bauteile nutzen. Das Ziel unseres unternehmerischen Handelns besteht hier, wie auch in allen anderen strategischen Weichenstellungen darin, unsere Systemlösungen qualitativ zu verbessern und gleichzeitig Prozesse zu optimieren.

Welchen Stellenwert nimmt Nachhaltigkeit in der Unternehmensphilosophie ein?

Wir geben für unsere Systemlösungen einen Lebenszyklus von 150 Jahren aus und setzen damit komplett neue Maßstäbe in der Branche. Dabei bestehen unsere Rohre mit den drei Hauptbestandteilen Glas, Harz und Quarz aus ökologisch komplett unbedenklichen Rohstoffen. Wenn ich nach 150 Jahren also ein solches Rohr wieder zurückbaue, kann dieses im ganz normalen Hausmüll entsorgt werden. An dieser Stelle bieten wir also nicht nur technologisch hochwertige, sondern auch ökologisch verantwortungsvolle Lösungen an.

Herr Frieben, vielen Dank für das Gespräch!


Hinweis: Dieses Interview haben wir hier in gekürzter Fassung veröffentlicht. In voller Länge lesen Sie es in unserem nächsten Heft (6/19) im Dezember.