Links abbiegen unerwünscht: Fahrbahnteiler aus Klebebordsteinen

WALLMEROD, 05.11.2019 - Steht für eine Linksabiegespur nicht genug Platz zur Verfügung, bieten Fahrbahnteiler aus Klebebordsteinen einige Vorteile. Diese für diese Anwendung noch recht unbekannte Lösung kam auf der B48 vor dem Pfalzklinikum im südpfälzischen Klingenmünster zum Einsatz.

Klebebordsteine als Fahrbahnteiler
Der Fahrbahnteiler aus aufgeklebten Flachbordsteinen sorgt für eine sichere Verkehrsführung an der Einfahrt zum neuen Parkplatz des Pfalzklinikums. | Fotos: Hermann Meudt Betonsteinwerk GmbH

Werden an Bundesstraßen neue Straßen angebunden, dienen im Kreuzungsbereich in der Regel Rechts- und Linksabbiegerstreifen dazu, den Verkehr sicher von der Fahrbahn zu leiten. Voraussetzung hierfür ist allerdings genug Platz in der Breite, damit rechts und links der Fahrbahn noch die Abbiegestreifen angelegt werden können. Ist das Platzangebot hingegen begrenzt, so müssen Planer häufig auf die Anlage eines Linksabbiegestreifens verzichten – auf die Gefahr hin, dass es bei gleichzeitigem Mangel eines längeren Ausfahrtsstreifens zu Auffahrunfällen kommt. Um ein Linksabbiegen in solchen Situationen zu verhindern, hilft entweder eine weiße durchgezogene Linie auf der Fahrbahn oder ein Fahrbahnteiler z.B. mit Warnbaken.

Als im Jahr 2018 vor dem Pfalzklinikum in Klingenmünster wegen eines Parkplatz-Neubaus eine neue Zufahrt an die unmittelbar vorbeiführende B48 eingerichtet werden musste, zogen die Planer von Anfang an den Bau eines Fahrbahnteilers in Erwägung. Martin Jahn vom Landesbetrieb Mobilität aus Speyer schildert die Beweggründe: „Die B48 verfügte im Zufahrtsbereich zu dem neu angelegten Parkplatz des Pfalzklinikums nicht über ausreichenden Platz, um zusätzlich zum neu angelegten Rechtsabbiegestreifen auch noch einen Linksabbiegestreifen anzulegen. Um die Anbindung des Parkplatzes aber verkehrssicher zu gestalten und ein unerlaubtes Linksabbiegen zu verhindern, kam für uns hier nur die Errichtung eines Fahrbahnteilers in Betracht.“

Auf 11 cm Höhe abgeschnittene Flachbordsteine lassen sich nachträglich schnell und einfach auf den Asphalt aufbringen.
Auf 11 cm Höhe abgeschnittene Flachbordsteine lassen sich nachträglich schnell und einfach auf den Asphalt aufbringen.

Flachbordsteine „Rücken an Rücken“


Gewünscht war eine dauerhaftere Lösung, die sowohl ausreichend stabil ist, als auch eine gute Verkehrsleitwirkung bietet. Fündig wurde man bei einer Doppelbordanlage, die aus aufgeklebten Flachbordsteinen aus dem Betonsteinwerk Meudt aus Wallmerod besteht. „Der Fahrbahnteiler ergibt sich aus zwei „Rücken an Rücken“ geklebten Flachbordsteinen im Format FB 20 x 20 cm in der Länge von jeweils einem Meter. Statt die Borde herkömmlich im Boden zu versetzen, wurden sie mit einer speziellen Klebetechnik auf der Fahrbahn verklebt. Mit dieser Bauweise haben wir bereits an anderen Stellen sehr gute Erfahrung gemacht“, so Jahn.
Hierfür wurden alle Borde bereits im Betonwerk auf eine exakt gleiche Bedarfshöhe von 11 cm geschnitten. Nach Reinigung der Fahrbahn wurde in einem Dünnbettklebeverfahren 2K-Kunststoff aufgebracht und die Bordsteine mit der geschnittenen Seite verklebt. „Diese Lösung bietet eine ganze Reihe an Vorteilen“, so Jahn. „Durch den werkseitigen Schneideprozess werden die sonst üblichen fertigungsbedingten Höhenschwankungen bei den Bordsteinen eliminiert und damit die Steine für die Verklebung sozusagen kalibriert. Maßtoleranzen sind damit nahezu ausgeschlossen.“

Gute Verkehrsleitwirkung


Die Bordsteinlösung bietet aber noch weitere Vorteile. „Eine wichtige Aufgabe von Fahrbahnteilern ist auch deren Verkehrsleitwirkung“, so Jahn. „Eine Spezialbeschichtung mit weißretroreflektierendem Epoxydharz – die so genannte Reflexinbeschichtung – der verbauten Flachborde sorgt im Wechsel mit grauen Steinen für eine sehr gute Wahrnehmbarkeit. Auf diese Weise wird Verkehrsteilnehmern deutlich und rechtzeitig angezeigt, dass hier ein linksabbiegen nicht möglich ist. Um die einseitig leicht geneigte Fahrbahn optimal zu entwässern, wurden zudem die Bordsteinstöße etwa alle 10 Meter mit ca. 10 cm Lücke ausgebildet.“

Um die einseitig leicht geneigte Fahrbahn optimal zu entwässern, wurden die Bordsteinstöße etwa alle 10 Meter mit ca. 10 cm Lücke ausgebildet.
Um die einseitig leicht geneigte Fahrbahn optimal zu entwässern, wurden die Bordsteinstöße etwa alle 10 Meter mit ca. 10 cm Lücke ausgebildet. | Grafik: Team Bau Ingenieurbüro für Bauwesen

Dauerhaft stabile Lösung


Wie sieht es mit der Stabilität und Haltbarkeit des aufgeklebten Fahrbahnteilers aus? „Die Verklebung auf den glatten Flächen der geschnittenen Steine hält sehr gut, da die Zementhaut hierbei entfernt wird. Der Einbau erfolgte im Sommer 2018, bis heute haben wir keine Schänden zu verzeichnen“, bestätigt Jahn. Auch für den laufenden Verkehr auf dieser stark befahrenen Straße war das Bauvorhaben kein großer Eingriff. Die Arbeiten wurden an wenigen Tagen von der Bauunternehmung Südpfalz Bau & Co. KG ausgeführt.


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