Auftragsrückgang im Straßenbau: Werden Ausschreibungen zurückgehalten?

BERLIN, 26.11.2019 – Im Straßenbau gibt es offenbar einen Ausschreibungsengpass. Darauf deutet eine Umfrage unter Unternehmen der Bauindustrie hin. Gleichzeitig meldet das Statistische Bundesamt einen Orderrückgang in dieser Bausparte um 2,9 Prozent. Der Infrastrukturausbau könnte ins Stocken geraten, warnt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Asphalteinbau
Die Meldungen von Auftragsstornierungen und Ausschreibungsaufhebungen im Straßenbau nehmen zu. Besonders der Oberbau ist betroffen. | Foto: DAV
Lange hat die Baubranche der allgemeinen Verschlechterung der Stimmung in der Gesamtwirtschaft mit positiven Zahlen entgegengewirkt. Nun trübt sich die Stimmung auch am Bau ein. Zumindest im Straßenbau gehen die Aufträge nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zurück. Im September lag der Ordereingang im Straßenbau um real 5,6 % niedriger als im Vorjahr, im August hatte es einen Einbruch von 18,8 % gegeben.

Aufträge werden storniert, Ausschreibungen aufgehoben


Gleichzeitig nehmen Meldungen von Auftragsstornierungen oder Aufhebung von Ausschreibungen zu, vor allem im Bereich der öffentlichen Infrastruktur. Betroffen sei dabei das gesamte Bundesgebiet, so der Hauptverband. Die statistischen Zahlen würden von der Marktwahrnehmung der in dieser Sparte tätigen Baufirmen bestätigt. Eine Umfrage unter 45 seiner Mitgliedsunternehmen habe ergeben, dass seit Monaten immer weniger Straßenbauprojekte ausgeschrieben würden.
Dieter Babiel auf der bautec 2019
„Mittlerweile erwarten deutlich mehr Bauunternehmen
eine Eintrübung ihrer Geschäftslage als noch vor einem
Jahr. Dies ist auch auf eine Zunahme an Stornierungen
und schleppender Auftragsvergabe insbesondere im
Straßenbau zurückzuführen.“ HDB-Hauptgeschäftsführer
Dieter Babiel | Foto: HDB

Bundesfernstraßen besonders betroffen


Für den Rückgang der Ausschreibungen wurden mehrere Gründe genannt: Aktuell wandern die Investitionsmittel der Länder vor allem in große Brückenbauprojekte statt in Oberbau-Maßnahmen. Das hätten einige Auftragsverwaltungen gegenüber dem HDB bestätigt. Auch die Umstellung der Auftragsverwaltung von den Ländern auf die Autobahn GmbH des Bundes spielt nach Ansicht der befragten Firmen eine Rolle. So sei der Bundesfernstraßenbau besonders vom Ausschreibungsrückgang betroffen. Daneben wurden auch Probleme bei der Einführung von BIM und der elektronischen Vergabe genannt.

Bewusste Verknappung wegen hoher Preise?


Zudem gäbe es nicht nur den bekannten Personalmangel bei den Planungs- und Genehmigungsbehörden sowie in den Vergabestellen: Die Hälfte der Bauunternehmen nannte in der Umfrage eine nicht gesicherte Finanzierung als Grund. Wegen gestiegener Baupreise würden Ausschreibungen bewusst zurückgehalten, weil auf sinkende Preise gehofft werde, sagte dazu HDB-Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel. „Eine solche Praxis stößt bei uns auf Unverständnis, sollte sie zutreffend sein. Denn dadurch würde dem ruinösen Preiskampf wieder Tür und Tor geöffnet, der am Ende auch der öffentlichen Hand schadet.“ Er forderte, Ausschreibungen konsequent an den Markt zu bringen, vor allem aber keine Ausschreibungen aus Preisgesichtspunkten zu verknappen.