Warentest zur Stutzensanierung am IKT
Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur hat einen unabhängigen Warentest zur Stutzensanierung durchgeführt.

IKT-Warentest Stutzensanierung:

Große Qualitätsunterschiede

GELSENKIRCHEN, 30.01.2015 – Sind reparierte Stutzen dauerhaft infiltrationsdicht? Was leisten Mensch, Maschine und Materialien im Praxistest? Das Ergebnis des IKT-Warentests: Zwischen „sehr gut“ und „mangelhaft“ ist alles dabei.

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur, Gelsenkirchen, hat einen neutralen und unabhängigen Warentest zur Stutzensanierung durchgeführt. Der Hintergrund: Schäden an seitlichen Rohranschlüssen, sogenannte Stutzen, sind die häufigste Schadensart in der Kanalisation, so die Ergebnisse von DWA-Umfragen über mehrere Jahre hinweg. Durch schadhafte Stutzen können Boden und Grundwasser infiltrieren. Umweltschäden, Bodenabsenkungen und Mehrkosten drohen. Vielen Netzbetreibern ist klar: Stutzen müssen saniert werden. Aber: Welcher Sanierungsanbieter kann mit welchem Verfahren was leisten? Bei Netzbetreibern herrscht hierüber oftmals große Unsicherheit.
Daher fanden sich knapp 20 Kommunen in einem Lenkungskreis zusammen und konzipierten gemeinsam mit dem IKT ein praxisgerechtes Prüfprogramm. Ziel war es, die Qualität der Sanierungsleistung von den Anbietern vergleichend zu bewerten und gleichzeitig einen Marktdruck für Verbesserungen aufzubauen.

Stutzensanierung in Fremdwassergebieten

Bei diesem IKT-Warentest „Stutzensanierung in Fremdwassergebieten“ wurden zwei Anwendungsfälle zu unterschieden, um vor allem die Infiltrationsdichtheit zu prüfen:
Fall 1: Stutzen-Einbindung im Liner-sanierten Hauptkanal:
Ausgangslage ist ein Hauptkanal, in dem die vorhandenen Stutzen nach erfolgreicher Linersanierung eingebunden werden sollen.
Fall 2: Stutzen-Reparatur im nicht-sanierten Hauptkanal:
Hier werden nur die schadhaften Stutzen repariert, ohne dass der Hauptkanal  vorher saniert wurde.
 
Zentrale Elemente des Testprogramms sind die Systemprüfungen und die Qualitätssicherung.
Für die Systemprüfungen im Anwendungsfall „Stutzen-Einbindung im Liner-sanierten Hauptkanal“ wurden im IKT-Großversuchsstand zwei Betonrohrstränge (DN 300) mit Betonschächten (DN 1000) eingebaut, in die jeweils ein Schlauchliner aus GFK bzw. Nadelfilz eingezogen wurde. In jeweils sechs Hauptkanalabschnitten wurden die drei festgelegten Schadensbilder mit Anschlussleitungen (DN 150 Steinzeug) angeordnet.
Im Anwendungsfall „Stutzen-Reparatur im nicht-sanierten Hauptkanal“ wurden in mittelformatigen Versuchsständen je ein Schachtbauwerk (DN 1000) aus Betonfertigteilen eingebaut und ein Hauptkanal DN 300 aus jeweils einem PVC-Rohrabschnitt sowie einem Beton- und einem Steinzeug- Rohr angeschlossen. In jedem Versuchsstand wurden dann sechs Schadensbilder (3x Betonrohr, 3x Steinzeugrohr) mit Anschlussleitung (DN 150 Steinzeug) angeordnet.
Für beide Fälle wurden die Schadensbilder festgelegt: unsachgemäße, undichte Kanalanschlüsse in unterschiedlichen Anbindungsbereichen im Kämpfer, Scheitel und zwischen Kämpfer und Scheitel des Hauptkanals.
Das Sanierungsziel lautete, die Dichtheit und Funktionsfähigkeit des Anschlusses wiederherzustellen. Wie dies zu erreichen ist, wurde jedem Teilnehmer selbst überlassen, d.h. er war für Planung, Konzeption, Materialauswahl, Sanierung und Nachbearbeitung allein verantwortlich. Ein Zeitlimit gab es nicht.

Prüfprogramm und Bewertungsschema

Nach Abschluss der Stutzensanierungen begannen die Systemprüfungen. Dabei standen Belastungen aus Außenwasserdruck im Vordergrund (Fremdwassersanierung). Zusätzlich wurden betriebliche Belastungen aus Hochdruckreinigung simuliert und die damit verbundenen Veränderungen mittels optischer Inspektion erfasst.
In ergänzenden Baustellenuntersuchungen wurde schließlich die grundsätzliche Handhabbarkeit der Sanierungsverfahren unter Praxisbedingungen hinterfragt und so die Plausibilität der Einsätze im IKT-Versuchsstand überprüft. Hierzu wurden die wesentlichen Arbeitsschritte vor Ort beobachtet, Art und Umfang der Vorarbeiten aufgenommen und Abweichungen zu den Angaben in den Verfahrenshandbüchern bzw. zu den Arbeiten in den IKT-Versuchsständen erfasst.

Testergebnisse Fall “Stutzen-Einbindung“

Das beste Ergebnis hat bei der „Stutzen-Einbindung im Liner-sanierten Hauptkanal“ die Kuchem GmbH mit der Note „sehr gut“ erzielt. Es folgen mit der Note „gut“ die Firmen Katec Kanaltechnik Müller & Wahl GmbH, Swietelsky-Faber GmbH Kanalsanierung und Plitt-Rohrsanierungs-Gesellschaft mbH. Ein „ausreichend“ erreicht die Onyx Rohr- und Kanal-Service GmbH. Die IBG HydroTech GmbH weist mit ihrem relativ neu entwickelten Robotersystem noch deutlichen Optimierungsbedarf auf und schafft nur ein „mangelhaft“.

Dichtheit

Sofern ein schadhafter Anschluss optisch ansprechend saniert wurde und zu Beginn dicht war, blieb er es i.d.R. auch (20 von 34 Sanierungen, ca. 59 %). 20 Stutzen zeigten bis zum Versuchsende keine Auffälligkeit (Langzeit-Grundwassersimulation 4,50 m) mit Blick auf die „Dichtheit“.
Optisch auffällige Stutzen, z. B. mit erkennbar fehlendem Material in der Schadstelle oder stark strukturierten Oberflächen (hier 8 von 34 Sanierungen, ca. 24 %) zeigten sich bereits in der Kurzzeit-Grundwassersimulation 2 m als undicht. Die Langzeit-Grundwassersimulation 2 m führte zu keiner nennenswerten weiteren Zustandsverschlechterung mit Blick auf Infiltrationen. Sieben Stutzen wiesen allerdings neue Auffälligkeiten in Form von Feuchtigkeit und Verfärbung auf.

Langzeit-Belastung

Selbst bei deutlichem Grundwasseranstieg war bis zum Ende der Außenwasserdruckbelastungen nur in einem Einzelfall eine weitere Zustandsverschlechterung mit Infiltration zu verzeichnen. Zum Ende des Prüfprogramms zeigten 9 von 34 sanierten Hausanschlüssen (ca. 26 %) sichtbare Infiltrationen.
Fünf von 34 Stutzen (ca. 15 %) zeigten Auffälligkeiten in Form von Verfärbung oder Feuchtigkeit; eine weitere Beobachtung dieser Stutzen scheint in der Praxis sinnvoll. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass eine HD-Reinigung diese „Spuren“ beseitigen kann und die Auffälligkeiten dann nicht mehr erkannt werden können. Auch wurde im vorliegenden Fall kein Abwasser durch den Versuchsaufbau geleitet. In situ kann dies unter Umständen erhebliche Verfärbungen an Liner und saniertem Stutzen hervorrufen, die eine Identifizierung von infiltrationsbedingten Auffälligkeiten erschweren oder verhindern.

IKT-Warentest Tabelle 3
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Testergebnisse Fall „Stutzen-Reparatur“'

Bei der „Stutzen-Reparatur im unsanierten Hauptkanal“ erzielt die Katec Kanaltechnik Müller & Wahl GmbH das beste Ergebnis. Ihr folgen die Anbieter Kuchem GmbH und Plitt-Rohrsanierungs-Gesellschaft mbH jeweils mit der Note „gut“. Ein „befriedigend“ erhalten die Swietelsky-Faber GmbH Kanalsanierung und die Geiger Kanaltechnik GmbH & Co. KG. Die IBG HydroTech GmbH weist mit ihrem relativ neu entwickelten Robotersystem noch deutlichen Optimierungsbedarf auf und erreicht gerade noch ein „ausreichend“.
Sofern ein schadhafter Anschluss optisch ansprechend saniert und zu Beginn dicht war, blieb er es i.d.R. auch. 24 von 36 Sanierungen, ca. 67 %, zeigten bis zum Versuchsende keine Auffälligkeiten mit Blick auf die „Dichtheit“.

Langzeit-Belastung

Selbst bei deutlicher Steigerung der Grundwasserhaltedauer war bis zum Ende der Außenwasserdruckbelastungen lediglich eine weitere Zustandsverschlechterung mit Infiltrationen zu verzeichnen. Zum Ende des Prüfprogramms zeigten 7 von 36 sanierten Hausanschlüssen (ca. 19 %) Infiltrationen.
Fünf von 36 Stutzen (ca. 14 %) zeigten Auffälligkeiten in Form einer Feuchtigkeit; hier ist ein Risiko vorhanden, eine weitere Beobachtung dieser Stutzens scheint in der Praxis sinnvoll.

Funktionsfähigkeit

Bei dem Kriterium „Funktionsfähigkeit“ sind am Liner-sanierten Hauptkanal keine signifikanten Unterschiede zwischen der GFK-Haltung (Durchschnitt Gesamtnote 2,7) und NF-Haltung erkennbar (Durchschnitt Gesamtnote 2,8).
Allerdings zeigen sich gravierende Unterschiede zwischen den Testteilnehmern (Noten 1,7 bis 5,1). Im Ergebnis erhalten vier Anbieter die Note „gut“. Der Anbieter Onyx erzielt ein befriedigendes Ergebnis. Lediglich die Firma IBG kommt nicht über ein „mangelhaft“ hinaus.

HD-Reinigung

Nach der HD-Reinigung zeigten sich nur minimale Veränderungen der Noten um maximal 0,3 Punkte. Auffällig war, dass es lediglich zu optischen Veränderungen in Form von Materialabplatzungen an den sanierten Stutzen kam. Diese traten häufiger in der NF-Haltung auf (13 von 18 Stutzen). Bei den GFK-Haltungen waren lediglich an zwei von 18 Stutzen Abplatzungen erkennbar. Mit Blick auf die Funktionsfähigkeit sind diese Abplatzungen i. d. R. unbedenklich.
Die Sanierung am Schadensbild I, d.h. bei 45° Abwinkelung zur Längsachse und Grundwasserzufluss, war für die meisten Teilnehmer die schwerste Aufgabe. Für die Schadensbilder II und III zeigten sich keine besonderen Unterschiede.
Die Qualitätssicherung der Anbieter verdient nur in wenigen Fällen Kritik.
Sämtliche Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst.

IKT-Warentest Tabelle 4
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Den vollständigen Testbericht finden Sie in der Ausgabe 1/2015 der bi-UmweltBau und unter www.ikt.de/downloads/warentest-berichte