Rohrlining: GFK-Maßanzug mit „Amiblu NC Line“ für Hamburger Siele

KLAGENFURT, 6.1.2020 – Für die Sanierung eines Mischwasserkanals im Stadtteil Eilbek setzte die Stadt Hamburg auf das Rohrlining-Verfahren. Dafür wurden auf knapp 1,5 km Länge nicht-kreisrunde NC Line-Rohre aus GFK von Amiblu eingebaut. Bei der Umsetzung der Maßnahme legte der Auftraggeber Hamburg Wasser besonderen Wert darauf, den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

Die nicht-kreisrunden NC Line-Rohre aus GFK von Amiblu auf dem Bauplatz vor dem Einbau
Die nicht-kreisrunden NC Line-Rohre aus GFK von Amiblu auf
dem Bauplatz vor dem Einbau: Eine Nummerierung stellt den
reibungslosen Einbau sicher. | Fotos: Amiblu Germany GmbH

Die Stadt Hamburg genießt einen guten Ruf für die innovative, nachhaltige Sanierung ihrer vor Ort gemeinhin als Siele bezeichneten unterirdischen Abwasserleitungen. Grundsätzlich kommt dabei die komplette Bandbreite von Verfahren für die Kanalsanierung zum Einsatz. „Teilweise reichen schon einfache Maurerarbeiten aus“, so Georg von Harling, Ingenieurbüro Leitungsbau Hamburg Wasser.
Aktuell konzentriert man sich vor allem auf die Sanierung der sogenannten Stammsiele, die in Tiefen von bis zu 27 m verlaufen und bis zu 4,70 m breit und 3,85 m hoch sein können. Zu ihnen zählt auch das 1904 fertiggestellte Kuhmühlen-Stammsiel, das entlang der innerstädtischen, zweistreifigen Einbahnstraße Eilenau verläuft. „Unser Ziel lautete nicht nur, möglichst günstig und zugleich hochwertig zu bauen“, erklärt von Harling, „wir wollten außerdem die Beeinträchtigung des Verkehrs so gering wie möglich halten.“ Man habe sich daher schnell für die Sanierung mittels Relining entschieden und GFK-Profile ausgeschrieben – ein System, mit dem man seit langen Jahren immer wieder gute Erfahrungen gesammelt habe.
Die für die örtlichen Gegebenheiten maßgeschneidert produzierten Rohre werden mit einem Bagger in die Baugrube eingehoben.
Die für die örtlichen Gegebenheiten maßgeschneidert pro-
duzierten Rohre werden mit einem Bagger in die Baugrube
eingehoben.

Digitale 3D-Planung

Im Vorfeld der eigentlichen Arbeiten vor Ort erstellte die mit den Arbeiten beauftragte Bauunternehmung Tauber Rohrbau GmbH & Co. KG zunächst eine digitale 3D-Planung. Dafür vermaß das auf die Sanierung von Kanälen großer Dimensionen spezialisierte Unternehmen zunächst den Kanal vor Ort; auch die Hausanschlüsse wurden in diesem Rahmen bereits eingemessen. „So haben wir sichergestellt, dass die gewünschten Profile optimal passen“, beschreibt Michael Rolf, Tauber Rohrbau. Auf dieser Grundlage wurde dann ein Rohrverlegeplan entwickelt, der exakt auf die Baustelle und die individuellen Einbausituationen vor Ort abgestimmt war. „Entsprechend des Verlegeplans kamen die Rohre durchnummeriert auf die Baustelle“, erklärt Bauleiter Rolf. „Das stellte unter anderem sicher, dass keine Muffenverbindung im Bereich eines Hausanschlusses liegt.“

Der Einbau erfolgte mithilfe eines bemannten Rohrshuttles.
Der Einbau erfolgte mithilfe eines bemannten Rohrshuttles.

Lösung für unterschiedlichste Situationen

Insgesamt wurden auf einer Länge von 1.347 m NC-Profile des Herstellers Amiblu eingebaut. Ein 978 m langer Teilabschnitt wurde mit GFK-Profilen 1.520 mm / 1.820 mm saniert, weitere 369 m Haltung mit GFK-Profilen 1.930 mm / 2.360 mm lichtes Maß. Amiblu-Vertriebsmitarbeiter Ulf Biemann über die Vorteile von Amiblu NC Line: „Dank ihrer nicht kreisrunden Geometrie eignen sich die Profile hervorragend für die Sanierung alter Abwasserleitungen, Durchlässe und Kanäle im innerstädtischen Bereich, die oft ebenfalls nicht-kreisrunde Formen aufweisen.“
Die zertifizierten GFK-Rohre von Amiblu können sowohl grabenlos als auch im offenen Graben verlegt werden. Zudem lassen sich die Sonderprofile maßgeschneidert nach Kundenwunsch anfertigen und an verschiedenste Formen und Geometrien anpassen. Amiblu NC Line entspricht vollumfänglich der ISO 16611, die strenge Richtlinien vorgibt, wie nicht-kreisrunde Rohre hergestellt und geprüft werden können.

Die Rohrprofile sind optimal an das alte Profil angepasst; der Ringraum wird später fachgerecht mit Dämmer verfüllt.
Die Rohrprofile sind optimal an das alte Profil angepasst;
der Ringraum wird später fachgerecht mit Dämmer verfüllt.

Verlegung mittels Rohrshuttle

Für das Einfahren der Rohre errichtete Tauber Rohrbau sechs unterirdische Baugruben. Die eigentliche Verlegung erfolgte in vier Bauabschnitten und mithilfe eines bemannten Verlegewagens. Das sogenannte Rohrshuttle wurde eigens umgebaut und den Dimensionen des einzubauenden Profils exakt angepasst. Zunächst nahm das Shuttle das von einem Bagger in die Grube herabgelassene GFK-Profil auf. Anschließend wurde das Rohr bis ans Ende des bereits verlegten Relining-Strangs gefahren und mittels einer Steckmuffen-Verbindung mit diesen verbunden. Rolf: „Auf diese Weise können pro Tag bis zu zehn Rohre eingebaut werden.“ Die nach ISO 16611 geprüften Profile bieten nicht nur eine hohe Säurebeständigkeit und eine lange Lebensdauer, sondern punkten außerdem mit hoher Stoßfestigkeit. Darüber hinaus hat auch das geringe Gewicht dazu beigetragen, dass die Rohre besonders einfach und sicher zu handhaben waren. Auch das hat sich positiv auf den Baufortschritt auswirkt.
Zum Schluss wurde in jede der sechs Baugruben ein Tangentialschacht eingebaut, und einige vorhandene gemauerte Schächte mit GFK handlaminiert. Bei Hamburg Wasser ist man sich sicher, eine Lösung gefunden zu haben, die eine qualitativ hochwertige Technologie mit hoher Entsorgungssicherheit des Mischwassers in der Bauausführung sowie guter Kosteneneffizienz verbindet.

Blick in die fertiggestellte Haltung
Blick in die fertiggestellte Haltung