Oldenburger Rohrleitungsforum: Energiegeladen in die Zukunft

WUPPERTAL, 8.1.2020 – Das 34. Oldenburger Rohrleitungsforum vom 12. bis 14. Februar 2020 setzt sich unter dem Motto „Rohre und Kabel – Leitungen für eine moderne Infrastruktur“ mit den drängenden Zukunftsthemen auseinander.

Es ist eine gewaltige Aufgabe, die sich Deutschland mit der Energiewende gestellt hat. Angesichts einer verstärkten Nutzung regenerativer Energien anstelle von Kohle und Nuklearenergie bedeutet sie auch eine Chance für die Rohrleitungsbranche: Die Integration des Energieträgers Wasserstoff in die Gasinfrastruktur und die geplanten Höchstspannungs-Erdkabeltrassen vom Norden in den Süden der Republik machen das Know-how des klassischen Rohrleitungsbaus erforderlich.
Für Prof. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V., Geschäftsführer der iro GmbH Oldenburg und Vizepräsident der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, ist das Motto des 34. Oldenburger Rohrleitungsforums „Rohre und Kabel – Leitungen für eine moderne Infrastruktur“ angesichts der Energiewende nur konsequent: „Die derzeitigen Veränderungen in der Energiewelt sind rasant. Uns ist wichtig, neue Aufgaben und Herausforderungen, die sich daraus auch für den Rohrleitungsbau ergeben, aufzugreifen und zu diskutieren.“
Erstmals wird daher das Thema Kabelleitungsbau, das außer dem Breitbandausbau vor allem auch die geplanten Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland berücksichtigt, in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellt. Doch nicht nur die Frage, wie der aus Windkraft an den Küsten gewonnene Strom über weite Strecken in die Ballungs- und Industriezentren in Deutschland transportiert wird, ist Bestandteil der insgesamt fünf Vortragsreihen. Neben den Themen Rohrwerkstoffe, Verlegeverfahren und Digitalisierung widmet sich eine weitere Vortragsreihe dem Energieträger Wasserstoff. „Das zeigt, welche Bedeutung wir der Wasserstofftechnologie in Verbindung mit der klassischen Erdgasversorgung beimessen. An einem Ausbau der Gasnetze wird kein Weg vorbeiführen“, betont Wegener.

Coradia iLint ist die Lösung für emissionsfreien Schienenverkehr auf nicht-elektrifizierten Strecken.
Coradia iLint ist die Lösung für emissionsfreien Schienenverkehr auf nicht-elektrifizierten Strecken. In Brennstoffzellen wird durch die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasserdampf und Wasser elektrische Energie erzeugt. Der Coradia iLint ist eine Lösung für emissionsfreien Schienenverkehr, die Wasserstoff als alternative Energiequelle verwendet. | Foto: Alstom

Schlüsselenergieträger Wasserstoff

Regenerativ erzeugter Wasserstoff gilt als Schlüsselenergieträger, um die Klimaziele zu erreichen. Denn die durch Sonnen- und Windkraft gewonnene Energie unterliegt starken Schwankungen, die eine Speicherlösung erforderlich machen, um eine zuverlässige Energieversorgung z.B. auch in windstillen Dunkelzeiten sicherzustellen. Derzeit beschäftigen sich zahlreiche Studien und Projekte mit der Nutzung von Wasserstoff. Zum Beispiel wird ab 2020 der Energiepark Bad Lauchstädt als Reallabor die Herstellung per Großelektrolyse, den Transport durch umgewidmete Erdgaspipelines und den wirtschaftlichen Einsatz im industriellen Maßstab erproben. Für die Zwischenspeicherung soll dabei eine unterirdische Salzkaverne dienen. Weltweit wäre das die erste Kaverne, die mit Hilfe von erneuerbarem Strom gewonnenen Wasserstoff einspeichert.
Beim Oldenburger Rohrleitungsforum erhalten Teilnehmer Einblicke in aktuelle Studien zur Zukunft der Gasinfrastruktur mit Wasserstoff und werden mit Strategien zur Wasserstoffeinspeisung in das Erdgasnetz sowie mit Voraussetzungen und Sicherheitsfragen bei Wasserstoff in Hochdruckleitungen konfrontiert.

Gasdruckmess- und Regelstrecke Bad Lauchstädt
Gasdruckmess- und Regelstrecke Bad Lauchstädt | Foto: VNG Gasspeicher GmbH

Wissenschaft und Praxis

Die Tagung mit Fachausstellung versteht sich als Plattform für Information und Kommunikation und bietet den Besuchern ausreichend Möglichkeiten zu Diskussionen über neue Trends und aktuelle Projekte. Den Auftakt für die Veranstaltung bildet wie schon in den Vorjahren eine feierliche Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen Landtags am 12. Februar. Mit seinem Impulsvortrag „Zusammenspiel von innovativer Hochschule und regionaler Entwicklung“ will der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, dabei für einen fruchtbaren Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werben – und könnte damit wohl kaum treffender auf die Veranstaltung einstimmen: Schließlich bilden aktuelle Forschungsergebnisse, Innovationen und Erfahrungen aus der Praxis die Grundlage für die Fachreferate.
„Der Widerstand wächst – kann man überhaupt noch Leitungen bauen?“ – unter dieser provokanten Fragestellung startet die „Diskussion im Café“ am Veranstaltungsdonnerstag. Angesichts der vehementen Proteste, die die derzeitigen Planungen zu den Stromtrassen begleiten, die aber auch bei anderen Projekten wie zum Beispiel Stuttgart 21 laut geworden sind, können Teilnehmer erörtern, ob eine zeitnahe und budgetkonforme Realisierung von Bauvorhaben heutzutage noch möglich ist. Ein weiterer Höhepunkt des 34. Oldenburger Rohrleitungsforums ist der „Ollnburger Gröönkohlabend“ in der Weser-Ems-Halle am Donnerstag.

Weltneuheit „Energiespeicherung von Wasserstoff in Kavernen“, Kavernenspeicher Bad Lauchstädt: Die aus einer 500 Meter dicken Salzschicht ausgesolten Kavernen befinden sich in einer Teufe zwischen 765 und 925 Metern.
Weltneuheit „Energiespeicherung von Wasserstoff in Kavernen“, Kavernenspeicher Bad Lauchstädt: Die aus einer 500 Meter dicken Salzschicht ausgesolten Kavernen befinden sich in einer Teufe zwischen 765 und 925 Metern. | Foto: VNG Gasspeicher GmbH

Künftige Aufgaben und Herausforderungen im Blick

Das breit gefächerte Veranstaltungsprogramm mit seinen aktuellen Themen zeigt, dass das Oldenburger Rohrleitungsforum den Blick fest auf künftige Aufgaben und Herausforderungen der Branche richtet. Damit unterstreicht es auch den Anspruch des vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Strategieprozesses, der das Institut für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V. (iro) unter der Bezeichnung „iro 2030“ zukunftsfähig machen will. Mit besonderer Fokussierung auf die Themenfelder „Technologien der Zukunft“, „Sozialer Wandel“, „Strukturwandel“ und „Änderung der Marktstruktur“ sollen dabei die sich verändernden Bedingungen im Rohrleitungsbau berücksichtigt werden. „Mit der Schwerpunktsetzung auf Kabelleitungen und Wasserstoff stellen wir uns beim 34. Oldenburger Rohrleitungsforum den wichtigen Zukunftsthemen der Branche, die sich aus der Energiewende ergeben“, ist Wegener überzeugt.

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