Pflasterklinkerflächen können Verkehrslärm reduzieren

BERLIN, 29.01.2020 – Besonders in Wohngebieten kann es wegen der Geräusche von Reifen auf Fahrbahnen zu Lärmbelästigungen kommen. Durch eine lärmarme Bauweise können Verkehrsflächen aus Pflasterklinker dafür sorgen, dass der Schalldruckpegel gesenkt wird

Ein spezieller Geräuschmessanhänger misst die Rollgeräusche genormter Reifen
Bei der CPX-Rollgeräuschmessung nach DIN ISO 11819-2 wird ein spezieller Geräuschmessanhänger eingesetzt, der die Rollgeräusche genormter Reifen mit einem Mikrofon direkt an der Fahrbahnoberfläche misst. | Foto: Müller-BBM GmbH
Pflasterklinker, Naturprodukt mit hoher Belastbarkeit, spielt als Baustoff bei hochwertigen und architektonisch anspruchsvoll gestalteten Verkehrsflächen wie sie in Wohngebieten vorkommen, eine große Rolle. Eine von der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e. V. bei der Ingenieurgesellschaft Müller-BBM in Auftrag gegebene Untersuchung unterstreicht die Auffassung von Messungen, wissenschaftlichen Untersuchungen und bautechnischen Erfahrungswerten, dass das Reifen-Fahrbahn-Geräusch bei einer lärmarmen Pflasterbauweise direkt am Ort der Entstehung abgeschwächt wird.

Da sich Unebenheit der Oberflächen von Verkehrsflächen auf den Lärmpegel auswirken, sollte für eine lärmarme Verlegung auf eine möglichst ebene Oberfläche geachtet werden. Dazu kommen das Verlegemuster, die Fasenausbildung, die Fugengeometrien, der Höhenversatz, der Fugenfüllgrad und nicht zuletzt das optimale Format.
Als Verbände für lärmarme Pflasterdecken kommen bei der Verwendung von Rechtecksteinen vornehmlich solche in Frage, die diagonal zur Fahrtrichtung (bzw. Hauptfahrtrichtung) angeordnet sind
Als Verbände für lärmarme Pflasterdecken kommen bei der Verwendung von Rechtecksteinen vornehmlich solche in Frage, die diagonal zur Fahrtrichtung (bzw. Hauptfahrtrichtung) angeordnet sind. Dadurch wird der Fahrzeugreifen gegenüber senkrecht zur Fahrtrichtung angeordneten Fugen weniger stark zu Schwingungen angeregt, was sich geräuschmindernd auswirkt. Foto: Müller-BBM GmbH


Rechtecksteine im Diagonalverband

Für lärmarme Pflasterdecken sollten nach Möglichkeit nur Rechtecksteine eingesetzt werden, die in Verbänden diagonal zur Hauptfahrtrichtung angelegt sind. Der Fahrzeugreifen wird hier im Gegensatz zu senkrecht zur Fahrtrichtung angeordneten Fugen weniger stark in Schwingung versetzt, was sich geräuschmindernd auswirkt. Ebenso wichtig ist die Breite der Fugen. Bei befahrenen Pflasterdecken nimmt der Abstand zwischen zwei benachbarten Pflastersteinen Einfluss auf die Höhe des Reifen-Fahrbahn-Geräusches. Breite Steinformate und enge Fugenausführung wirken sich günstig auf die Geräuschminderung aus.

Mit entscheidend ist auch, dass die Fugen der Pflasterdecke während der Nutzungsdauer möglichst vollständig mit Fugenmaterial gefüllt sind. Haben sich Fugen mehr als 20 mm tief entleert, sollten sie umgehend nachverfugt werden. Ungefaste Steine optimieren zudem die Akustik. Um die Reifen-Fahrbahngeräusche zu minimieren, sollten Fahrbahntexturen gewählt werden, die die Reifenschwingung und aeroakustische Effekte minimieren.

Auch die bauliche Ausführung der Pflasterdecke hat Auswirkungen auf ihr Lärmverhalten. Es ist darauf zu achten, dass die Oberfläche der oberen Tragschicht besonders eben ist und der Höhenversatz benachbarter Steine 1 mm nicht übersteigt. Treten während der Nutzungsphase Unebenheiten auf, sollten diese beseitigt werden.


Neufassung der Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen

Die Erkenntnis, dass mit optimierten Pflasterdecken eine deutlich wahrnehmbare Lärmminderung gegenüber konventionellen Pflasterdeckschichten erreicht werden kann, wurde in der Neufassung der „Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen (RLS Ausgabe 2019)“ mit berücksichtigt. Die genannten Anforderungen an die Bauweise und Dimensionierung der Pflasterdecken müssen erfüllt sein, damit die Straßendeckschicht als „Pflaster mit ebener Oberfläche“ charakterisiert wird, um einen Korrekturwert von DSD von +1,0 dB(A) bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h zu erhalten. Der aktuelle Korrekturwert liegt damit um 1 dB unter dem Ausgabestand von 1990, in welchen ein DStrO-Wert von +2,0 dB(A) für ebene Pflasterdeckschichten angesetzt wurden. Der aktuelle Wert liegt deutlich näher an den Erfahrungswerten aus der Praxis, hier ist jedoch aus akustischer Sicht noch weiteres Potenzial enthalten.

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