Größte Grundwasser-Geothermieanlage Norddeutschlands geht an den Start

KIEL, 04.12.2014 – In Braak bei Hamburg wurde am 5. November Norddeutschlands größte Geothermieanlage mit Grundwassernutzung bei der Boltze Ideen Deutschland GmbH eingeweiht. Die Energieanlage GeoSave von Geo-En liefert eine Heizleistung von 380 kW und eine Kühlleistung von 340 kW.

Dr. Nikolaus Meyer, CEO von Geo-En, bei der Vorstellung der Geothermieanlag
Dr. Nikolaus Meyer, CEO von Geo-En, bei der Vorstellung der Anlage. | Foto: bi/Valdix

Von Boris Valdix

Mit der neuen Anlage soll der knapp 6.000 m2 große Neubau eines Büro- und Ausstellungsgebäudes der Firma Boltze, einem internationalen Unternehmen für Wohn- und Gartendekoration mit fast 300 Mitarbeitern, über sieben Integralsonden und eine Wärmepumpe beheizt und im Sommer gekühlt werden.
Anlässlich der Einweihung sprach Dr. Nikolaus Meyer, CEO der Geo-En Energy Technologies GmbH, Spezialist für multivalente Wärme- und Kälteerzeugung aus Erneuerbaren Energien, Berlin, von einem hohen Wärme- und Kältebedarf der Firma Boltze. Boltze habe sich eine hohe Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten gewünscht. Dieser Wunsch wird mit der Anfang 2014 in Betrieb genommene Anlage nun erfüllt.

Wärmepumpe von Geo-En
Geo-En installierte bei der Firma Boltze in Braak bei Hamburg eine Wärmepumpe, die Teil der größten Grundwasser-Geothermieanlage Norddeutschlands ist. Die Heizleistung beträgt 380 kW. | Foto: bi/Valdix

Grundwasser angezapft

Nach der Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs entschied sich Boltze schließlich für eine Zusammenarbeit mit Geo-En. Die Konzeptplanung inklusive Beauftragung dauerte ein Jahr.
Probebohrungen zur Analyse des Bodens vor Ort zeigten 2013 einen großen Grundwasserleiter mit guter Ergiebigkeit, so dass mit dem Anlagenbau Ende 2013 begonnen werden konnte. Insgesamt sieben Brunnen wurden hergestellt und anschließend entsandet. Sieben Integralsonden führen das Grundwasser von den Brunnen zur Wärmepumpe. Das Prinzip der entstandenen Grundwasserzirkulationsanlagen: Gut 8 m3 Wasser pro Stunde zirkuliert je Brunnen aus dem Erdboden über die Wärmepumpe und wieder zurück, ohne dass es dabei verbraucht wird. Im Winter entziehen die Integralsonden dem Erdboden Wärme und die Wärmepumpe erhöht die Temperatur auf das erforderliche Heizniveau. Im Sommer wird kälteres Wasser aus dem Erdboden direkt über den Wärmetauscher – also ohne Nutzung der Wärmepumpe – zum Kühlen der Räume verwendet.

Verbindungsleitungen zwischen Integralsonden und Wärmepumpe
Verbindungsleitungen zwischen Integralsonden und Wärmepumpe | Foto: bi/Valdix

Hohe Leistung und Energieeffizienz

Durch die vertikale Zirkulation des Grundwassers im Aquifer ist eine sehr hohe Leistung auf verhältnismäßig kleiner Fläche möglich. Die Leistungsdichte liege bei etwa 50 kW pro 50 qm, so Dr. Meyer. Durch die direkte Grundwassernutzung könnten Jahresarbeitszahlen von über 4 erreicht werden.

Der Primärenergieverbrauch sei damit im Vergleich zu Erdgas- und Klimakälteanlagen um ⅔ geringer, unterstrich Dr. Meyer die Energieeffizienz der Geo-En-Anlagen. Zudem reduzierten sich die Betriebskosten um 57%.
Vor Kurzem hat die größte Grundwasser-Geothermieanlage Norddeutschlands die Testphase erfolgreich bestanden. Die Daten der GeoSave-Anlage werden durch ein integrales Geo-En-Steuerungs- und Monitoringsystem (Energy-Manager) erfasst. Nach acht Jahren soll sich der Betrieb der Anlage amortisiert haben.
Durch die vertikale Zirkulation des Grundwassers im Aquifer ist eine sehr hohe Leistung auf verhältnismäßig kleiner Fläche möglich. | Grafik: Geo-En