Nachhaltige Sanierung:

Abwasser marsch durch mobile Rinnen

STEINFELD, 10.11.2014 – In Düsseldorf ist es jetzt gelungen, durch eine innovative Methode eine Berme in vorhandene Kastenprofile nachträglich einzusetzen, ohne die Sohlhöhe zu verändern. Durch die mobile Trockenwetterrinne konnte die Fließgeschwindigkeit des Abwassers erhöht werden.

Der mit einer mobilen Trockenwetterrinne ausgestattete Kanal ist für Inspektions- und Wartungsarbeiten leicht und sicher zu begehen
Der mit einer mobilen Trockenwetterrinne ausgestattete Kanal ist für Inspektions- und Wartungsarbeiten leicht und sicher zu begehen, auch zu befahren. | Fotos: Berding Beton
Die T-förmigen Betonelemente passen in jeden normalen Straßenschacht
Die T-förmigen Betonelemente passen in
jeden normalen Straßenschacht und
werden ohne großen Aufwand zum
Einbauort transportiert.

Der deutlich sinkende Wasserverbrauch unserer Haushalte verhindert einen zügigen Abwasserabfluss in den Kanälen. Gefährliche Baustoffkorrosion sowie eine erhöhte Fäulnis- und Gasentwicklung sind die Folge. Besonders in Kastenprofilen entstehen z.B. durch fehlende Trockenwetterrinnen massenweise Ablagerungen, die konventionell nur aufwändig zu beseitigen sind.
In Düsseldorf konnte nun eine Berme in vorhandene Kastenprofile nachträglich eingesetzt werden, ohne dabei die Sohlhöhe zu verändern. Somit konnte die Fließsohle eingeengt und die Fließgeschwindigkeit des Abwassers erhöht werden.
Die Ingenieure des Stadtentwässerungsbetriebes entwickelten in enger Zusammenarbeit mit dem DW-Werk Nievenheim der Berding Beton GmbH eine Nadelöhr-Konstruktion aus neuartigen Beton-Verbundelementen, die für das Herablassen in den Kanal lediglich einen Schachteinstieg von 62,5 cm Durchmesser benötigt. Nach intensiver Erprobungsphase liegen heute überzeugende Ergebnisse vor.
Dazu der Projektleiter des Amtes, Dipl.-Ing. Michael Schoppen: „Der Grundgedanke zur Entwicklung spezieller Verbund-Elemente bestand darin, die Kanalsohle durch mobile Einbauten so zu verändern, dass bei geringen Abflussmengen ein angepasster Fließquerschnitt zur Verfügung steht, während bei großen Abflussmengen im Kanal weiterhin der fast vollständige Kanalquerschnitt zur Ableitung genutzt werden kann. Das System ist relativ einfach zu handhaben und vor allem kann es in einen in Betrieb befindlichen Kanal montiert werden. Baugruben sind überflüssig und der Eingriff in den fließenden Verkehr hält sich in Grenzen.“

Passende T-Form-Elemente

Das Ergebnis: Alle Bauteile sind in ihrer Form gleich konzipiert und unterscheiden sich lediglich in ihrer Länge. Das Einzelbauteil besitzt einen T-förmigen Querschnitt mit zentralem Steg und an beiden Seiten gleich hohe konsolartige Flansche. Beim Verlegen werden zwei seitlich benachbarte Bauteile jeweils um 180° zueinander gedreht und ineinander gefügt. Der bauteilfreie Bereich der Sohle bildet somit das neue Fließgerinne. Der Einbau ist relativ einfach und benötigt keinen Verlegeplan, da nicht zwischen mehreren Bauteiltypen unterschieden wird.
Die einzelnen Verbundelemente greifen entsprechend einem „Legosystem“ ineinander und bilden eine durchgängige komplexe Berme, die sofort nach der Verlegung begehbar oder auch befahrbar ist. Aufgrund der massiven Ausführung in Beton können die Elemente ohne jede weitere Befestigung auf der Kanalsohle angeordnet werden, was den Arbeitsaufwand erheblich reduziert. Selbst bei großen Abflussmengen und der damit einhergehenden Krafteinwirkung auf die Bauteile ist ein Herauslösen einzelner Elemente aus dem Verbund ausgeschlossen.

Standpunkte-Seminar

Zum diesjährigen Seminar „Standpunkte zur Sanierung von Großprofilen“, das der Düsseldorfer Stadtentwässerungsbetrieb vom 20.–21. November bereits zum 10. Mal in Düsseldorf veranstaltet, besteht die Gelegenheit, sich ausführlich über das neue Fertigteil-System zu informieren. bi