Einzelne Baustellen-Stopps: Corona-Krise kommt am Bau verzögert an

LEIPZIG, 23.03.2020 – Die Auswirkungen der Corona-Krise erreichen den Bau erst mit Verzögerung. Die Unternehmen arbeiten ihre Aufträge ab, solange sie können und solange die Auftraggeber die Baustellen nicht einstellen. Erste Verschiebungen sind bei den öffentlichen Bauaufträgen zu beobachten. Sorgen macht der Branche aber vor allem der Wirtschaftsbau.

Robert Momberg, Bauindustrie Ost
„Solange die Auftraggeber die Baustellen nicht einstellen oder der Betrieb generell verboten wird, arbeiten die Unternehmen, solange sie können.“ Robert Momberg | Foto: Bauindustrieverband Ost e.V.
„Der Bau zeigt sich auch in der Corona-Krise als Branche, in der externe Schocks später wirken. Gegenwärtig sind die Probleme noch überschaubar“, sagte Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, am vergangenen Freitag in Leipzig. Die Unsicherheiten seien jedoch immens und nähmen von Tag zu Tag zu.

Ausländische Bauarbeiter kommen nicht über die Grenze


Problematisch ist es für Bauunternehmen, dass sie ihre Baustellen nicht mehr bedienen können, wenn sie auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind. Sie dürfen aktuell nicht mehr einreisen. Aber auch die deutschen Arbeitnehmer sind nicht mehr im vollen Umfang verfügbar, sei es, weil sie Kinder zu betreuen haben oder wegen Quarantänemaßnahmen. Mit Lieferengpässen rechnet die Bauindustrie Ost vor allem bei Rohstoffen aus dem Ausland.

Deutlicher Umsatzrückgang zu erwarten


Zudem sein unklar, so Momberg, wie lange die Baustellen überhaupt betrieben werden dürfen. Einige Bauunternehmen hätten ihren Baustellenbetrieb erst einmal eingestellt. Öffentliche Auftraggeber haben nach Auskunft des Verbandes erste Projekte bereits verschoben. Größere Sorgen bereite allerdings der Wirtschaftsbau, der den größten Anteil des Bauumsatzes ausmacht. Hier rechnet der Bauindustrieverband mit einem deutlichen Umsatzeinbruch im Jahresverlauf.

Keine Vertragsstrafen bei Bauzeitüberschreitung


Jedes Bauunternehmen müsse nun Maßnahmen treffen, um durch die Krisenzeit zu kommen, sagte Momberg weiter. Das gehe aber nicht ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand: So sollten Störungen des Bauablaufs durch den Corona-Virus als „höhere Gewalt“ eingestuft werden und Bauzeitverlängerungen problemlos erfolgen können. Von Vertragsstrafen bei etwaigen Bauzeitüberschreitungen müsse abgesehen werden. „Wichtig wäre für die Unternehmen auch, dass die Vorfälligkeit der Sozialversicherungs-Beiträge ausgesetzt wird“, sagte Momberg.
Die öffentlichen Aufträge, die verschoben werden, müssten im späteren Jahresverlauf nachgeholt werden. Momberg: „Gleichzeitig bitten wir die öffentlichen Auftraggeber, auch weiterhin baureife Projekte auszuschreiben, damit sich nicht nach der Corona-Krise eine Bau-Krise anschließt.“