Planungsbüros: Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber sinkt

BERLIN, 25.03.2020 – Bei Kommunen und anderen öffentlichen Auftraggebern geht angesichts der Corona-Krise die Zahlungsmoral zurück. Das hat eine Blitzumfrage des Verbands Beratender Ingenieure VBI unter 105 Architektur- und Ingenieurbüros ergeben. Fast die Hälfte der Büros meldet zudem einen Rückgang bei den Aufträgen.

VBI-Präsident Jörg Thiele
„Es kann nicht sein, dass Unternehmen in Schieflagen gebracht werden, weil einige Mitarbeiter in den Behörden nicht verantwortungsvoll handeln.“ VBI-Präsident Jörg Thiele, Geschäftsführer der iproplan Planungsgesellschaft | Foto: iproplan
Ein Viertel der Unternehmen gab an, dass Rechnungen für bereits erbrachte Leistungen nicht fristgerecht beglichen würden, bei sieben Prozent werde sogar überhaupt nicht gezahlt. Begründet würde die Säumigkeit laut VBI unter anderem damit, dass Mitarbeiter im Homeoffice seien. Auch staatliche Hilfsprogramme müssten als Begründung herhalten. Ingenieur- und Architekturbüros würden so fahrlässig in Schieflage gebracht, kritisiert der VBI.

In der vergangenen Woche hatten der VBI und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie gemeinsam den Vorwurf erhoben, einige Auftraggeber der öffentlichen Hand würden aktuell ihre Rechnungen nur spät oder gar nicht zahlen.
Auch bei der Auftragslage macht sich die Corona-Krise bemerkbar. 45 Prozent der Büros meldeten in der Blitzumfrage einen Auftragsrückgang. Die Kommunen und andere Auftraggeber würden offenbar die weitere Entwicklung der Coronakrise abwarten, bevor sie neue Aufträge auslösen, so der VBI. Viele von ihnen befürchteten zudem, dass die Lage noch dramatischer werden dürfte.

Noch sind die Auftragsbücher der meisten Ingenieur- und Architekturbüros gut gefüllt. Das hatte die VBI-Konjunkturumfrage im Februar ergeben. „Weniger neue Aufträge sind über einen kurzen Zeitraum verkraftbar, solange bereits laufende Projekte tatsächlich weitergeführt und offene Rechnungen pünktlich beglichen werden“, so VBI-Präsident Jörg Thiele. Die politisch Verantwortlichen müssten hier „eine klare Ansage“ machen.