BMEL-Tagung mit Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft

BONN, 26.03.2020 – Der Moorbodenschutz inklusive der Reduktion des Torfverbrauchs ist erklärtes Klimaschutzziel der Bundesregierung. Im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erarbeiten das Thünen- und das Julius-Kühn-Institut eine Strategie, wie in Kultursubstraten der Torfeinsatz verringert werden kann. Dazu fand erstmals die BMEL-Tagung „Torfminderung“ statt.

Der BGL empfiehlt einen Verzicht auf Torf.
Der BGL empfiehlt einen Verzicht auf Torf | Foto: bernswaelz/Pixabay

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Uwe Feiler, eröffnete die BMEL-Tagung „Torfminderung“, an der über 140 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden teilnahmen, um über Torfalternativen zu diskutieren. Der Status quo rund um etablierte organische und mineralische Substratausgangs- und Zuschlagstoffe wie Kompost, Rindenhumus, Holzfasern und Ton wurde erörtert und nach einer gemeinsamen Strategie zur Torfminderung in Substraten gesucht. Darüber hinaus berichteten namhafte Referenten über positive Erfahrungen mit torfreduzierten- oder torffreien Substraten von Substratproduzenten und Gärtnern. Die Diskussion um Torfersatzstoffe hat Fahrt aufgenommen. Dennoch ist das Umstellen für viele Betriebe im Erwerbsgartenbau eine Herausforderung, da Torf hinsichtlich seiner biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften (noch) als idealer Rohstoff gilt.

Da insbesondere auch die Produktion von Zierpflanzen in torfbasierten Substraten erfolgt, fördert das BMEL das Modell- und Demonstrationsvorhaben „TerZ“, das Wissenschaft und Praxis zusammenbringt: In fünf über das Bundesgebiet verteilten Modellregionen werden ausgewählte Betriebe über vier Vegetationsperioden bei der Reduktion des Torfanteils im Zierpflanzenbau durch Experten begleitet. Repräsentativ für die Modellregionen überreichte Uwe Feiler auf der Tagung Förderbescheide über insgesamt rund 71.500 Euro an folgende Demonstrationsbetriebe Gärtnerei Ablaß (Nord), Gartenbau Stefan Gerritzen (West), Rosengut Langerwisch (Ost), Sauter grün erleben (Süd-West) und die Gärtnerei Eichelmann (Süd). Da die Torfreduktionsstrategie alle Akteursgruppen entlang der Wertschöpfungskette betrifft und auf die Torfverwendung im Freizeitgartenbau sowie im GaLaBau in den kommenden sechs bis acht Jahren nahezu vollständig verzichtet werden soll, war der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) durch Dr. Michael Henze in Berlin vertreten.

Dr. Michael Henze, Experte für landschaftsgärtnerische Fachgebiete beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau: „Wir wollen proaktiv einen Beitrag zum langfristigen Verzicht der Torfverwendung im GaLaBau leisten.“ Dr. Michael Henze, Experte für landschaftsgärtnerische Fachgebiete beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau: „Wir wollen proaktiv einen Beitrag zum langfristigen Verzicht der Torfverwendung im GaLaBau leisten.“ | Foto: BGL


BGL empfiehlt Verzicht auf Torf

„Als Bundesverband der Landschaftsgärtner empfehlen wir unseren Betrieben bei der Neuanlage und Pflege von Grünanlagen, wo immer möglich, vollständig auf Torfprodukte zu verzichten“, sagt Dr. Michael Henze, beim BGL Experte für landschaftsgärtnerische Fachgebiete und Bauwerksbegrünung. Dazu habe der BGL Anfang letzten Jahres in einer Selbstverpflichtungserklärung festgeschrieben, einen branchenbezogenen Beitrag zum Schutz des Klimas und der Moore zu leisten. Der BGL, in dem aktuell knapp über 4.000 GaLaBau-Betriebe organisiert sind, habe sich zum Beispiel dazu verpflichtet, seine Öffentlichkeitsarbeit zur Verwendung torffreier Substrate voranzutreiben und mit Forschungseinrichtungen eine qualitative Bewertung der Umweltrelevanz von Torfersatzprodukten vorzunehmen. Über die Ansprache der Mitglieder in den zwölf BGL-Landesverbänden hinaus, könne zudem in diesem Jahr die Messe GaLaBau in Nürnberg als Informations- und Austauschplattform dienen.

„Wir wollen proaktiv einen Beitrag zum langfristigen Verzicht der Torfverwendung im GaLaBau leisten“, so Dr. Henze. Dafür notwendig sei aber auch eine gesicherte Verfügbarkeit alternativer Stoffe – insbesondere für den Bau von Rasenflächen für den Profisport, bei denen Torf als Wasserspeicherstoff als bisher unersetzlich gilt. In Deutschland werden laut BGL-Experte pro Jahr 8-9 Mio. m3 Torf für die Herstellung von Kultursubstraten verbraucht, wovon rund 60 % in den Produktionsgartenbau und 20 % in den Hobbybereich fließen. Im GaLaBau würden rund 1 Mio. m3 Vegetationssubstrat verwendet, wovon 5 % einen Torfanteil hätten. „Die Eigenschaften, die Torf für den Einsatz in Blumenerden und Substraten auszeichnen, sind für eine Verbesserung von Freilandböden aufgrund des niedrigen pH-Wertes und Nährstoffgehalts oftmals auch eher abträglich,“ so Dr. Henze.

Schafrohwolle als Torf-Ersatzstoff?
Zusammen mit der Humboldt Universität Berlin und der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände hat der BGL einen Projektantrag im Rahmen des BMEL-Programms zur Innovationsförderung eingereicht, um zu klären, inwieweit Schafrohwolle als Torf-Ersatzstoff für Sportplatzrasen und andere Flächen geeignet ist. Ob das Forschungsprojekt „Innovationen zur Minderung der Torfanteile in Kultursubstraten – Torfersatz“ bewilligt wird, stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht fest.

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