Rohrreinigung:

Fräs-Strahl-Verfahren rettet Bauprojekte

RHEINZABERN, 17.06.2014 – Der Albtraum eines jeden großen Hoch- oder Tiefbau-Projekts: Entwässerungsleitungen setzen sich in der Bauphase mit Beton oder anderen Baustoffen zu. Der Ausfall der Leitungen droht, das gesamte Projekt ist in Gefahr. Jürgen Herm hat schon viele solcher Problemfälle gesehen – weil er sie nämlich regelmäßig löst.

Tunnel-Retter im Einsatz
Tunnel-Retter im Einsatz: Einsatzfahrzeug mit auffallend unauffälligem Reinigungs-Equipment. | Fotos: Herm
Betondecke mit verstopftem KG-Rohr

In dieser 4 Meter dicken Betondecke
wurde ein Beton- verfülltes KG-Rohr
mit dem Spül-Fräs-Verfahren rückstands-
frei gereinigt.

Grundlage dabei ist das von ihm entwickelte, zum internationalen Patent angemeldete Fräs-Strahl-Verfahren, mit dem seine Firma „Herm effektive Rohrreinigung und Sanierungstechnik“ schon ausgehärteten Bunker-Beton aus vollständig verfüllten Kunststoffrohren entfernt hat, ohne diese selbst zu beschädigen. Regelmäßig rettet diese Technik auch private Immobilien, in deren Abwasserrohren aufgrund verhärteter Ablagerungen unterschiedlichen Ursprungs nichts mehr (ab)läuft.

Ungefähr so sieht der worst case jedes Bauunternehmens aus, das gerade dabei ist, ein Millionen-Projekt zu realisieren: Bei Verfüllung einer Deckenschalung mit Beton kommt es zum punktuellen Bruch der zuvor installierten Abwasserleitung und diese füllt sich auf mehrere Meter Länge – vorerst unbemerkt – mit extrem harten Blauen Beton. Absolut kein theoretisches Szenario, wie Jürgen Herm weiß, denn mit genau diesem Fall wurde er jüngst beim U-Bahn-Bau in einer deutschen Landeshauptstadt konfrontiert. Tief in der vier Meter dicken Decke eines neuen U-Bahnhofs hatte sich das Kondensat-Ablaufrohr eines Abluftschachtes ca. 2 Meter weit mit Bunkerbeton C 50 gefüllt und stellte die Betriebsfähigkeit des Entlüftungssystems des Bahnhofs und damit des Bahnhofs selbst akut in Frage. Versicherungsexperten bezifferten die Schadenhöhe für den Fall eines Austausch des „Infarkt-Rohrs“ bei Teilrückbau des Stahl-armierten Bauwerks auf deutlich über 13 Millionen Euro.

Rotierender Wasserstrahl voraus statt Rückstoß-Spülen

Das Fräs-Strahlverfahren ist grundsätzlich ein hydraulisches Reinigungsverfahren und damit eine prinzipielle Alternative zu mechanischen Lösungen wie der klassischen Spirale oder Fräsrobotern. Andererseits ist es nicht zu verwechseln mit Hochdruck-Spültechniken in der Rohrreinigung. Eine gewöhnliche Hochdruckspüldüse spült sich nach dem Rückstoßprinzip in die Leitung ein und entfernt Ablagerungen und Krusten mit dem gegen die Laufrichtung gewandten Wasserstrahl. Herms Fräs-Strahl-Verfahren funktioniert dagegen eher nach dem Prinzip eines Höchstdruckreinigers mit einem vorausgerichteten, extrem fokussierten Wasserstrahl hoher Aufprallenergie. Die spezielle Geometrie des jeweiligen Düsenkopfes versetzt diesen in eine rotierende Bewegung, so dass der austretende Wasserstrahl in spitzem Winkel die Rohrwand überstreicht.
Die Ausrüstung ist dabei in allen Komponenten so beweglich konzipiert, dass die Fräs-Strahl-Technik praktisch uneingeschränkt (bis 87°) bogengängig ist; im Frässtrahl-Betrieb versteift sich die Schiebetechnik so, dass sie nicht vom Rückstoß im Rohr zurückgetrieben wird. Der Einsatzbereich reicht von DN 70 bis DN 150 (modifiziert auch DN 200) und deckt damit die gesamte Haus- und Grundstücksentwässerung einschließlich der Fallrohre ab.

Geballtes Know-how in unspektakulärer Gestalt

Alle Systemkomponenten wurden von Jürgen Herm seit dem Jahr 2000 entwickelt und in langen, kostspieligen Versuchsreihen optimiert – oft zur Lösung individueller Problemstellungen. Das entscheidende Argument für die Fräs-Strahl-Technik ist neben der Tatsache, dass sie Fälle löst, an denen sämtliche bekannte mechanische und hydraulische Technik scheitert, dass sie das zudem konsequent rohrschonend tut. Ein Leistungsversprechen, dass Jürgen Herm nicht nur in Bezug auf Beton- und Steinzeugrohre hält – selbst wenn sie Vorschäden aufweisen – sondern auch bei Kunststoffrohren. Das vermeintliche „Wunder“, dass Beton oder Urinstein zerstört werden, Kunststoffrohre aber nicht, hat mit Geometrie und Bewegungs-Charakteristika von Düsen und Wasserstrahl zu tun. So sind die Düsen für hohe Drücke derart konzipiert, dass der schneidende Wasserstrahl entweder sehr langsam in der Leitung rotiert oder aber sehr schnell – je nach dem, welcher Stoff entfernt werden soll.
Besonders wichtig für den Anwendungsbereich der Technik ist, dass die Ausrüstung hoch mobil ist: Sie wurde ja für den Einsatz in Gebäuden entwickelt. Das bedeutet, dass man die Fräs-Strahl-Technik in allen schwer zugänglichen Örtlichkeiten problemlos einsetzen kann. Im Umfeld von Liegenschafts-Entwässerungen mit ihrer hohen Komplexität ist das fast immer von Bedeutung. bi