Corona-Pandemie beschädigt die Lieferketten im Maschinenbau

KIEL, 06.04.2020 – Der deutsche Maschinenbau leidet zunehmend unter den Folgen der Corona-Pandemie. Weil ausbleibende Teilelieferungen die Produktion beeinträchtigen, müssen viele Unternehmen ihre Umsatzerwartungen anpassen; auch Personalabbau ist schon ein Thema. Der Auftragseingang aus China zieht unterdessen wieder an.

Maschinenbau leidet unter Corona-Einschränkungen
Auch Baumaschinenhersteller spüren die Folgen der Corona-Pandemie: In fast jedem zweiten Unternehmen sind die Lieferketten empfindlich gestört. | Foto: HCME

84 Prozent der Unternehmen berichten laut einer aktuellen Umfrage des VDMA von Beeinträchtigungen ihres Betriebsablaufs. Fast jeder zweite betroffene Betrieb leidet unter „gravierenden“ oder „merklichen“ Störungen entlang der Lieferketten; lediglich 5 Prozent blieben bisher davon verschont. „Mit der Ausbreitung des Virus nehmen logischerweise auch die Probleme in den Betrieben zu. Teile und Komponenten, die vor einigen Wochen in Asien bestellt wurden, sind nicht in den hiesigen Werken angekommen. Hinzu kommen Ausfälle europäischer, auch deutscher Lieferanten. Das führt zu spürbaren Produktionsbelastungen und auch Produktionsausfällen“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.

Besonders in Italien (75 Prozent der Betroffenen), Deutschland (55 Prozent), China (51 Prozent), Frankreich (36 Prozent) und den USA (25 Prozent) sind laut aktueller Umfrage die Lieferketten gestört. „Die Lage in China und Südkorea scheint sich allerdings leicht zu entspannen. Zudem berichten viele Maschinenbauunternehmen über eine signifikante Zunahme der Bestellungen ihrer chinesischen Kunden”, sagt Wiechers.

Kürzung der Investitionsvorhaben

Deutlich skeptischer als noch vor zwei Wochen sind die Maschinenbauer inzwischen hinsichtlich der zu erwartenden Umsatzeinbußen: Fast alle befragten Unternehmen rechnen 2020 mit Umsatzrückgängen, die sie im Verlauf des Jahres nicht mehr kompensieren können – der Großteil erwartet Rückgänge von 10 bis 30 Prozent. Um diese abzufangen, haben bereits drei Viertel der befragten Maschinenbauer ihre Kapazitäten verringert, überwiegend über das Arbeitszeitkonto, aber auch in Form von Einstellungsstopps und Kurzarbeit. „Personalabbau – auch von Teilen der Stammbelegschaft – ist für 12 Prozent der Unternehmen bereits Thema“, sagt Wiechers. Knapp drei Viertel der Betriebe denken aufgrund unsicherer Geschäftsaussichten und Liquiditätsengpässen über eine Kürzung ihrer Investitionsvorhaben für 2020 nach. „Hier nachzuhelfen, sprich: die Investitionen wieder in Gang zu bekommen, wird eine der drängendsten Aufgaben für die Zeit nach Corona sein”, betont der VDMA-Chefvolkswirt.

VDMA-Umfrage zu Corona-Auswirkungen
Maschinenbau in der Corona-Krise: 84 Prozent der VDMA-Mitgliedsunternehmen bejahen die Frage nach nennenswerten Beeinträchtigungen im Betriebsablauf. | Grafik: VDMA