Corona: HDB mit Schnellumfrage zu konjunkturellen Auswirkungen

BERLIN, 4.4.2020 – Die weltweite Corona-Krise hat bereits jetzt Auswirkungen auf verschiedene Teile der deutschen Wirtschaft. Doch wie sieht es mit der deutschen Bauwirtschaft aus? Eine konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich, aber der Hauptverband der deutschen Bauindustrie (HDB) hat in einer Schnellumfrage erste Stimmungsbilder aus der Praxis gesammelt.

Der HDB geht davon aus, dass die Gefahr für die deutsche Baukonjunktur im laufenden Jahr vermutlich nicht in einem deutlichen Nachfragerückgang besteht. Eher bestehe das Risiko darin, dass die Produktion durch Probleme bei den Baustoff- und Baumaterialzulieferern, durch Erkrankungen in den Baubelegschaften oder durch behördliche Maßnahmen gebremst werde. Diese Anzeichen würden aktuell durch die Unternehmen bestätigt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist weiterhin ungewiss, die Auswirkungen könnten aber immens sein.

Daten erst zur Jahresmitte verfügbar

Aus Sicht des HDB ist zum jetzigen Zeitpunkt eine realistische Umsatzprognose für 2020 nur sehr eingeschränkt möglich. Die Januarwerte zu Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe waren mit zweistelligen nominalen Zuwachsraten noch ausgesprochen positiv. Für den Februar wird eine ähnliche Entwicklung erwartet. Die März-Werte, bei denen sich die Epidemie eventuell schon bemerkbar macht, werden aber erst Ende Mai vorliegen. Zumindest temporär, so der HDB, sei mit einem Produktionsrückgang zu rechnen.

Schnellumfrage HDB (Stand: 31.3.2020)

Der HDB hat vom 24. bis zum 31. März eine eigene Umfrage unter den Mitgliedsfirmen durchgeführt. Daran haben 409 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse vermitteln eine Momentaufnahme über die Situation in der Bauindustrie.

• 56 % haben geantwortet, dass sie durch die Auswirkungen des Corona-Virus in ihrer Leistungserbringung bereits heute behindert sind. Dabei sagt allerdings ein Großteil (62 %), dass die Auswirkungen entweder neutral (20 %) oder geringfügig (42 %) seien. 33 % melden eine starke und lediglich 4 % eine sehr starke Einschränkung. Der Unterschied zur DIHK Umfrage könnte darauf zurückzuführen sein, dass beim DIHK überwiegend Kleinbetriebe an den Umfragen teilnehmen. Beim Hauptverband dürften es vermutlich vor allem Mittelständler und große Baufirmen sein.
• Die größten Einschränkungen kommen durch fehlende Materiallieferungen (39 %), einen hohen Krankenstand (40 %), behördliche Quarantäneauflagen (31 %), weniger Nachfrage (26 %) und Stornierungen (25 %) zu Stande. 33 % berichten von Personalmangel aufgrund von Grenzschließungen. Dies betraf besonders Mitarbeiter aus Polen.
• Momentan noch positiv stimmt, dass nur 10 % der gesamten Umfrageteilnehmer angeben, Anzeichen wahrzunehmen, dass öffentliche Auftraggeber Rechnungen nicht mehr zahlen würden. Als Gründe wurden überwiegend genannt, dass sich die Rechnungsprüfung verzögert und dass es kein Personal in den Behörden gibt.

Blitzumfrage DIHK (27.3.2020)

Der DIHK hat zwischen dem 24. und 26. März seine zweite Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Epidemie durchgeführt und die Ergebnisse am 27. März veröffentlicht. An der Umfrage haben 950 Baufirmen teilgenommen.

87 % der befragten Baufirmen geben an, dass sie negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte spüren. Allerdings steht das Baugewerbe immer noch an letzter Stelle unter den Wirtschaftsbereichen. An erster Stelle steht mit fast 100 % das Gastgewerbe und die Reisewirtschaft. Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt liegt bei 92 %.

33 % der befragten Bauunternehmen erwarten, dass ihr Umsatz im Gesamtjahr 2020 aufgrund der Pandemie zwischen 10 und 25 % zurückgehen wird. 11 % erwarten einen Rückgang von bis zu 10 %, 20 % einen Rückgang zwischen 25 und 50 % und sogar 8 % einen Rückgang von über 50 %. Lediglich 5 % erwarten keine Veränderung.

50 % der befragten Bauunternehmen gaben auf die Frage „Welche Auswirkungen hat das Virus auf Ihre Geschäfte? (Mehrfachnennungen möglich)“ schon jetzt an, weniger Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen zu spüren. Im Durchschnitt aller Branchen gaben dies 63 % an. Weitere Auswirkungen waren:

• 46 % Ausfälle durch fehlende Mitarbeiter
• 43 %, dass Investitionen zurückgefahren werden
• 41 % gaben an, dass Aufträge storniert wurden
• 34 % meldeten fehlende Waren und Dienstleistungen
• 33 % Liquiditätsengpässe
• 31 % logistische Engpässe
• 18 % sogar den Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit (komplett oder zu großen Teilen)
• 9 % sprechen sogar schon von einer drohenden Insolvenz
• 6 % gaben an, dass sie schon eigene Produktionsausfälle in Deutschland verzeichnen

Besonders hohe Relevanz bei den Hilfsmaßnahmen haben aus Sicht der befragten Bauunternehmen das Kurzarbeitergeld (75 %) sowie Liquiditätshilfen durch Zuschüsse und Stundungen (59 %). Ein wirksames Element aus Sicht der Bauunternehmen, um Liquidität im Unternehmen zu halten, sind Steuerstundungen bzw. die Anpassung der Vorauszahlungen (62 %).

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