Corona-Krise: Baugewerbe sieht Ausbildung in Gefahr

BERLIN/FRANKFURT, 07.04.2020 – Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sieht die Qualität der Ausbildung durch die Corona-Krise gefährdet und fordert Beihilfen für die Ausbildungszentren. Die Jugendorganisation der IG Bau lehnt eine Kürzung der Ausbildungsvergütung ab. Und die FG Bau mahnt, dass die Verwaltung weiter arbeitsfähig bleiben muss.

Tiefbau-Azubis im Ausbildungszentrum
Ausbildung im Ausbildungszentrum ist zurzeit nicht möglich - den ABZs droht die Insolvenz. | Foto: Stahn/B_I

Ausbildungszentren droht die Insolvenz


In der Bauwirtschaft werden zurzeit knapp 40.000 junge Menschen ausgebildet. Dazu gehört auch die überbetriebliche Ausbildung in den Ausbildungszentren – nur die sind wie auch die Schulen aktuell geschlossen. Viele der Ausbildungszentren sind nach Aussage von Heribert Jöris, Geschäftsführer Sozial- und Tarifpolitik beim ZDB, akut von Insolvenz bedroht.
Heribert Jöris, ZDB
„Wir brauchen einen Schutzschirm für die Ausbildungszentren.“
ZDB-Geschäftsführer Heribert Jöris | Foto: ZDB

Denn die Zentren finanzieren sich fast ausschließlich über Erstattungen aus der Berufsbildungsumlage für die überbetriebliche Unterweisung – und die würden zurzeit nicht fließen, so Jöris. Die Liquiditätshilfen seien für die Zentren nicht geeignet, denn eine Rückzahlung der Kredite mit Hilfe einer Gebührenerhöhung würde zu einer deutlichen Erhöhung der Ausbildungskosten führen. Der ZDB schlägt vor, die Berufsausbildung stattdessen mit Beihilfen oder Zuschüssen zu unterstützen, die nicht zurückgezahlt werden müssten.

Hände weg vom Azubi-Schutz

Die Jugendorganisation der IG Bau, die „junge BAU“, hat sich vehement gegen den Vorschlag ausgesprochen, Auszubildenden bei Arbeitsausfall nur noch Kurzarbeitergeld zu zahlen, um Unternehmen in der Corona-Krise zu entlasten. Für Auszubildende bestehe mit § 19 BBiG ein besonderer gesetzlicher Schutz. Danach erhalten Auszubildende bis zu sechs Wochen ihre Vergütung auch dann, wenn die Berufsausbildung ausfällt.
Viele Unternehmen erhielten Unterstützung in bis zu fünfstelliger Höhe vom Staat, so Nicole Simons vom IG Bau-Bundesvorstand. Sie trügen Verantwortung für die Jungen in ihrem Betrieb. Deren Ausbildung stehe nicht ohne Grund unter besonderem Schutz des Rechts. Simons: „Schließlich bereiten sie mit der Berufsausbildung ihre Zukunft vor.“

Behörden arbeitsfähig halten


Laut Auskunft der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg hält der Berliner Bezirk Mitte derzeit nur einen Notbetrieb in den Genehmigungsbehörden aufrecht, weil die IT-Infrastruktur fehle, um Genehmigungen im Homeoffice zu bearbeiten. „Um die Bauwirtschaft weiter am Laufen zu halten, ist es zwingend notwendig, dass die Verwaltung in Berlin und Brandenburg weiterhin ausschreibt und Genehmigungen und Anträge zügig bearbeitet“, sagte dazu Dr. Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der FG Bau. „Hier muss so schnell wie möglich Abhilfe geschaffen werden.“ Die Behörden müssten besetzt bleiben und zusätzliche IT-Infrastruktur schnellstmöglich beschaffen, forderte Schreiner.