Strategien für mehr Fußverkehr: Städte entdecken das Gehen neu

BERLIN, 09.04.2020 – Immer mehr deutsche Städte entdecken das Gehen neu. Die Probleme, die dabei auftreten, sind überall ähnlich. Das ist das Fazit eines Projektes, das vom Fachverband für Fußverkehr (FUSS e.V.) durchgeführt wurde. Teilgenommen haben zwölf Städte. Gefördert wurde das Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“ vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt.

Der neu gestaltete Platz Am Steintor in Halle (Saale)
Breite Wege machen das Gehen attraktiver und die Städte schöner, wie hier in Halle (Saale). | Fotos: FUSS e.V.
Chemnitz, Eisenach, Jena, Marl und Rendsburg, Coesfeld, Erlangen, Frankfurt (Oder), Göttingen, Mainz, Halle (Saale) und Neustrelitz haben sich im Rahmen des Projekts als Modellstädte in den letzten Jahren vom FUSS e.V. strategisch beraten lassen. Dazu gehörten unter anderem sogenannte Fußverkehrs-Checks. Teilnehmer aus Verwaltung und Kommunalpolitik seien zwar schon vorher zu Fuß in ihrer Stadt unterwegs gewesen, hatten aber Stärken und Schwächen der Fußverkehrs-Infrastruktur noch nie systematisch betrachtet, so Projektkoordinator Patrick Riskowsky.

Bei dem Projekt hätten sich Probleme gezeigt, die in fast allen Städten gleichermaßen auftraten: „Das erste ist Gehwegparken zu Lasten der zu Fuß Gehenden, das zweite sind Konflikte mit dem Radverkehr. Häufige Themen sind auch Bus- und Tramhaltestellen, Barrierefreiheit und in Altstädten Konflikte mit dem Denkmalschutz, etwa in der Frage des richtigen Wegebelags. Auch fehlende Beleuchtung über Gehwegen und in Tunneln ist ein häufiges Problem“, so Riskowsky. Weit verbreitetes Ärgernis seien zudem Ampeln, an denen die Wartezeiten für den Fußverkehr zu lang und die Grünphasen zu kurz seien.

Fussverkehrs-Check in Coesfeld
Fußverkehrs-Check in Coesfeld: Systematisch betrachtet kamen Stärken und Schwächen der Gehwegsituation deutlich ans Licht.

Aus den Analysen in den zwölf Städten leiten die Fußverkehrs-Experten Empfehlungen ab. „Es sollte mehr verkehrsberuhigte Bereiche geben und an Straßenkreuzungen und anderen Stellen mehr Zebrastreifen, Mittelinseln und Gehweg-Nasen, mit denen Fahrbahnen verschmälert und Sichtbeziehungen zwischen Gehenden und Fahrenden verbessert werden“, so der Projektleiter. Eine weitere Forderung des FUSS e.V.: Parkende Autos von den Gehwegen an den Fahrbahnrand verweisen.

Fußverkehrs-Check in Erlangen: Zu schmale Mittelstreifen sind heikel für Fußgänger und Radfahrer - nur eines von vielen Problemen.
Alle Informationen zum Projekt, Porträts der Modellstädte, Ergebnisprotokolle und einen Handlungsleitfaden für Kommunen finden Sie auf www.fussverkehrsstrategie.de