„Weißbuch Bau“:

Berliner Modellprojekt soll Schwarzarbeit bekämpfen

BERLIN, 16.09.2015 - Mit einem bundesweit einzigartigen Modellprojekt intensivieren die Berliner Bau-Tarifvertragsparteien ihren Kampf gegen die Schwarzarbeit am Bau: Das „Weißbuch Bau“ dient Auftraggebern als Instrument, um sich vor einer Auftragsvergabe über die Leistungsfähigkeit und Qualität von Baubetrieben zu informieren.

Siegel der Soka Bau Berlin
Das „Weißbuch“ der Berliner Sozial-
kasse ist ein Online-Informationstool

Initiator ist die Sozialkasse des Berliner Baugewerbes (Soka Bau Berlin), getragen von der IG Bau Berlin-Brandenburg sowie dem Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg und der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. „Im Weißbuch Bau sind Betriebe aufgeführt, die von der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes aufgrund ihres Melde- und Zahlungsverhaltens als einwandfrei eingestuft werden“, erläuterte Rainer Knerler, Regionalleiter der IG Bau Berlin-Brandenburg und Vorstandsvorsitzender der Soka Bau Berlin. „Die Betriebe müssen zudem über eine Facharbeiterquote von mehr als 50 Prozent verfügen und mehr als drei Viertel ihrer gewerblichen Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigen. Daraus kann auf ihre fachliche Qualifikation sowie ihre Leistungsfähigkeit geschlossen werden.“ Die Daten würden regelmäßig von der Soka Bau Berlin auf ihre Aktualität überprüft. Interessierte können sie aktuell und kostenfrei auf der Internetseite der Sozialkasse abrufen.  Von dieser Möglichkeit machen bereits viele öffentliche Auftraggeber regen Gebrauch.
Schwarzen Schafen werde so der Zugang zu Aufträgen erheblich erschwert, meinen die Bündnispartner. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat. Sie sieht in dem Weißbuch ein Modellprojekt mit Potenzial für eine bundesweite Anwendung.

Verbände in der Vorreiterrolle

„Das Schwarzarbeitsvolumen in Deutschland beläuft sich auf rund 12,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts“, sagte dazu Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. „Das entspricht gut 339 Milliarden Euro. 38 Prozent davon entfallen allein auf das Baugewerbe. Grund genug, sich auch weiterhin aktiv gegen schwarze Schafe und für saubere Geschäftspraktiken einzusetzen. Als Verband sehen wir uns hier in einer Vorreiterrolle: Von den bisher im Weißbuch Bau aufgeführten Betrieben sind überdurchschnittlich viele Verbandsmitglied. Und bereits heute sind knapp ein Fünftel aller gewerblichen Beschäftigten in Berlin bei einem Unternehmen beschäftigt, dass im Weißbuch Bau aufgelistet ist.“
Durch eine Eintragung in das Weißbuch habe nun jeder Bauunternehmer es selbst in der Hand, so Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg, sich öffentlich gegenüber potentiellen Auftraggebern als leistungsfähiger Betrieb zu präsentieren. bi