Steg mit Holzverbundwerkstoff

MARL, 29.04.2020 – Das Naturschutzgebiet „Die Burg" ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, durch das die Besucher auf befestigten Wegen und Stegen geführt werden. Einer der Holzstege war im Laufe der Jahre marode geworden und wurde durch einen neuen Steg aus Holzverbundwerkstoff von Naturinform ersetzt.

Das Naturschutzgebiet „Die Burg“ in Stadt Marl ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ein aus dem Jahre 1998 stammender Holzsteg bedurfte der dringenden Erneuerung.

Das Naturschutzgebiet „Die Burg“ in Stadt Marl ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ein aus dem Jahre 1998 stammender Holzsteg bedurfte der dringenden Erneuerung. Der für das Naturschutzgebiet verantwortliche Regionalverband Ruhr entschied sich bei der Materialauswahl für „Die Beliebte massiv“ von Naturinform. | Bild: Naturinform, Jessy Pfleiderer

„Der Zustand des 21 Jahre alten Steges über das Sumpfgebiet inklusive einer kleineren Brücke über den Bach erforderte eine umfassende Erneuerung der Holzbauteile. Zudem gab es in der jüngeren Vergangenheit mehrere Sturmschäden am Steg“, so Christiane von Recklinghausen, für den Regionalverband Ruhr (RVR) und Ruhr Grün im Bereich der Bauwerkserhaltung tätig, über die Ausgangslage des Bauprojekts. „Die Stege wiesen insbesondere an dem Gehbelag aus Eichenholz sowie den Geländern die meisten Schäden auf“, ergänzt Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Harnach vom beauftragten Bochumer Ingenieurbüro für Bautechnik.

„Die Längsträger (aus Holz und aus Stahl) sowie die Stahlrahmen wiesen nur geringe Schäden auf. Als Schäden an den Holzbohlen des Gehbelags waren – vorwiegend aufgrund von Feuchteeinwirkungen – Risse, Abspaltungen, Ausbrüche und Fäulnis vorhanden. In einigen Teilbereichen wurde der alte Bohlenbelag bereits durch einen darüber liegenden Bohlenbelag ersetzt. Insbesondere an den Rändern lag Algen- und Moosbefall vor. Die auf der Oberseite der Bohlen eingebrachte Riffelung war vielfach abgenutzt oder zugesetzt. Einige Verbindungsmittel hatten keinen Halt mehr im Holz und einige Bohlen wiesen Verwerfungen auf.“

Wartungsarme Ertüchtigung und Rutschfestigkeit gefordert
„Da der Gehbelag mit seinen verhältnismäßig dünnen Querschnitten ganzjährig der Witterung ausgesetzt ist, ist dieser in der Regel als erstes zu ersetzen. Bei diesem Steg war der Belag neben den erdberührten Holzbauteilen bereits stark verwittert und zum Teil schon ausgebessert, als die Sanierung beschlossen wurde“, berichtet Christiane von Recklinghausen. „Somit suchten wir nach einer Möglichkeit, das Bauwerk mit der Sanierung so zu ertüchtigen, dass es möglichst wartungsarm länger erhalten werden kann, obwohl durch die Lage im Wald und im Sumpfgebiet immer mit hoher Umgebungsfeuchtigkeit zu rechnen ist.“ Auch die Verkehrssicherheit musste in diesem Bereich mit seinem hohen Besucheraufkommen sichergestellt werden. Daher spielte die entsprechende Rutschfestigkeit eine zentrale Rolle bei der Auswahl des geeigneten Materials.

Der Regionalverband Ruhr suchte nach einer Möglichkeit, das Bauwerk mit der Sanierung so zu ertüchtigen, dass es möglichst wartungsarm länger erhalten werden kann.
Der Regionalverband Ruhr suchte nach einer Möglichkeit, das Bauwerk mit der Sanierung so zu ertüchtigen, dass es möglichst wartungsarm länger erhalten werden kann. Auch war die Verkehrssicherheit aufgrund des hohen Besucheraufkommens sicherzustellen. | Bild: Naturinform, Jessy Pfleiderer

Bauaufsichtliche Zulassung als Vergabekriterium
In diesem Zusammenhang erörterten die Verantwortlichen beim Regionalverband Ruhr, gemeinsam mit dem Ingenieurbüro für Bautechnik Harnach, verschiedene Möglichkeiten, mit anderen Materialien als mit Holz zu arbeiten, beispielsweise mit einem reinen Kunststoffprodukt. Von Seiten des RVR wurde aufgrund der Lage der Gehstege im Naturschutzgebiet jedoch darauf bestanden, dass der Gehbelag Holz enthalten müsse. Aufgrund der hohen Anforderungen an öffentlich zugängliche Bauwerke kamen nur Produkte mit bauaufsichtlicher Zulassung in Frage. „RVR Ruhr Grün sieht sich in Sachen Nachhaltigkeit in einer Vorbild-Funktion, so dass die Entscheidung zugunsten eines Holz-Verbundmaterials ausfiel, wobei die Unterkonstruktion und das Geländer weiterhin in Vollholz ausgeführt wurden“, so Christiane von Recklinghausen.

Optische und technische Anforderungen erfüllt
„Bei den Gehstegen handelt es sich im Grundsatz um eine Stahl-Holz-Konstruktion“, so Rüdiger Harnach. „In einem Abstand von bis zu 5 Metern weist der Gehsteg Stahlrahmen auf, deren Pfosten in Einzelfundamenten eingebunden sind. Die außenliegenden Längsträger liegen an den Enden auf dem Querträger der Stahlrahmen auf und werden auf der Innenseite durch parallel liegende U-Profile verstärkt. Der ursprüngliche Holzbelag bestand aus sechs Zentimeter dicken Holzbohlen. Das in der Längsachse der Stege auf der Unterseite des Gehbelags befestigte Richtholz übernimmt keine Tragfunktion. Zwischen zwei Stahlrahmen liegen jeweils zwei Holzpfosten. Der Handlauf mit Schutzbrett sowie Knie- und Fußleisten sind ebenfalls aus Holz und an die anderen Elemente angeschraubt.“  

Was die Besonderheiten dieses Projektes bzw. die damit verbundenen bautechnischen Auflagen betrifft, verweist Harnach auf die Vorgaben, die ursprüngliche Optik sowie die Bauteilgliederung beizubehalten sowie die Verwendung von Baustoffen, die für ein Naturschutzgebiet zugelassen sind. Auch wurde die Bauzeit von Anfang Oktober bis Ende Februar definiert, um die dort lebenden Vögel nicht bei der Brut zu beeinträchtigen. „Gefordert war ein Belag, der eine höhere Dauerhaftigkeit als der ursprüngliche Holzbelag aufweisen sollte sowie eine erhöhte Rutschhemmung“, so Harnach.

„Am Ende wurde gemeinsam entschieden, die bauaufsichtlich zugelassene tragende Bodendiele ‚Die Beliebte massiv‘ als neuen Gehbelag zu verwenden.“ Aufgrund des in der Zulassung der Diele vorgeschriebenen, maximalen Auflagerungsabstands von 30 Zentimetern mussten weitere Holzbalken als Unterkonstruktion zwischen den Stahlrahmen eingebaut werden. Die Geländer wurden analog zum ursprünglichen Bestand erneuert, die Stahlträger wurden wiederverwendet.

Mit der Erteilung der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik kann „DIE BELIEBTEmassiv“ ohne Einschränkungen als lastabtragender Boden im Außenbereich verlegt werden.
Mit der Erteilung der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik kann „Die Beliebte massiv“ ohne Einschränkungen als lastabtragender Boden im Außenbereich verlegt werden. | Bild: Naturinform, Jessy Pfleiderer

Langjährige Praxiserfahrung mit Holzverbundwerkstoffen
Mit der Ausführung wurde die Firma Schmees & Lühn aus Freesenburg beauftragt. Markus Lühn, zuständig für die Fertigungsleitung Holzbau und die Bauleitung im Unternehmen, verwies auf die Besonderheiten bei Baumaßnahmen in Naturschutzgebieten. „Der Steg befand sich in schlechtem Zustand, der ursprüngliche Belag aus Eiche sowie das Geländer waren marode“, so Lühn. Die Entscheidung für den Holzverbundwerkstoff fiel neben den Sicherheitsaspekten auch aus dem Grund, dass man naturnahe Materialien verwenden wollte. „Wir bei Schmees & Lühn verfügen über umfangreiche und langjährige Praxiserfahrungen mit den Holzverbundwerkstoffen, für die aus unserer Sicht vor allem die Lebensdauer spricht“, so Markus Lühn weiter. Sein Team war etwa 20 Arbeitstage vor Ort, um den Steg wieder instand zu setzen. Eine besondere Herausforderung bei den Arbeiten war die Tatsache, dass aufgrund der Beschaffenheit des Geländes und die daran angepasste Unterkonstruktion des Steges ein Handabbund vor Ort erforderlich war.


Massivdiele aus umweltfreundlichem Verbundwerkstoff
„Die Beliebte massiv“, eine Massivdiele aus einem umweltfreundlichen Holz-Polymer-Verbundwerkstoff, verfügt bei einer Höhe von ca. 25 Millimetern über eine Breite von 138 Millimetern (Systembreite ca. 146 mm). Als Oberfläche steht eine fein oder grob geriffelte Seite zur Auswahl, beide sind für mehr Gripp und Rutschfestigkeit gebürstet und erreichen damit laut TÜV Rheinland die hohe Rutschhemmstufe R12 und R13. Die Farbpalette reicht von Braun, Schwarzbraun über Grau und Steingrau zu Anthrazit; die Profile sind in Längen von ca. 4 und 6 Metern erhältlich.

Aufgrund der hohen Anforderungen an öffentlich zugängliche Bauwerke kamen nur Produkte mit bauaufsichtlicher Zulassung in Frage.
Aufgrund der hohen Anforderungen an öffentlich zugängliche Bauwerke kamen nur Produkte mit bauaufsichtlicher Zulassung in Frage. Für „Die Beliebte massiv“ erhielt Naturinform die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ). Damit erteilte das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin (DIBt) erstmals einer Diele aus einem Holzverbundwerkstoff die Zulassung. | Bild: Naturinform, Jessy Pfleiderer

Geregeltes und zugelassenes Bauprodukt
Für „Die Beliebte massiv“ erhielt Naturinform die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ). Damit erteilte das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin (DIBt) erstmals einer Terrassendiele aus einem Holzverbundwerkstoff (auch als WPC bezeichnet) die Zulassung, ohne dass sich diese auf einen im Verbund verlegten Belag bezieht. Die Beurteilung des DIBt bezieht sich auf die Anwendbarkeit des Zulassungsgegenstandes im Hinblick auf die bauaufsichtlichen Anforderungen und ist gültig für alle Bundesländer. Nach Erteilung der Zulassung gilt der geprüfte Dielenbelag als geregeltes Bauprodukte im Sinne der Landesbauordnung.

Eine separate Zulassung für den privaten oder öffentlichen Bereich ist deshalb nicht mehr nötig. Anders als bei ebenerdigen Terrassen gelten Balkone und Terrassen über 60 Zentimeter und höher in den Landesbauordnungen meist als „aufgeständert“ und müssen deshalb als tragende Konstruktionen geplant und ausgeführt werden. Hier dürfen nur Bauprodukte mit bauaufsichtlicher Zulassung verwendet oder es müssen zeit- und kostenraubende Einzelzulassungen durchgeführt werden. Mit der „Beliebten massiv“ als geregeltes und zugelassenes Bauprodukt sind Architekten, Auftraggeber und Verarbeiter auf der sicheren Seite und haben somit einen Vorteil bei der planmäßigen Umsetzung von Projekten mit tragenden Konstruktionen im Außenbereich.

Für alle Dielen und Fassadenprofile von Naturinform liegen die nach internationalen Normen erstellten Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) vor. Alle Produkte werden kontinuierlich Qualitätskontrollen und Belastungstests unterzogen, um eine gleichbleibend tadellose und erstklassige Holzwerkstoffqualität sicherzustellen. Das Unternehmen gibt eine fünfjährige Garantie auf seine Produkte.


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