Corona-Krise: Kommt der Bau mit einem „blauem Auge“ davon?

KIEL, 05.05.2020 – Der Bau in Deutschland läuft trotz Corona-Krise weiterhin stabil. Nur vereinzelt geraten Baustellen ins Stocken, die wenigsten Baumaßnahmen wurden gestoppt. Auch die Auftraggeber bleiben weitgehend bei der Stange. Für die Zeit nach Corona rechnet die Bauwirtschaft allerdings mit einer Konjunkturdelle.

von Britta Brinkmeier

Baustelle in der HafenCity Hamburg
Der April zeigte am Bau nur wenig Schwächen. Aber der Ruf nach Konjunkturprogrammen wird lauter. | Foto: B_I/E. Stoffregen

Für die deutsche Bauwirtschaft verläuft die Coronakrise bisher erstaunlich glimpflich. Nur rund ein Prozent der laufenden Baumaßnahmen haben Bauherren wegen der Corona-Krise abgesagt. Das hat eine Umfrage der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) unter seinen Mitgliedsbetrieben ergeben. Auch die öffentliche Hand bleibt aktiv. Den Rückgang der Ausschreibungen beziffert die BVMB mit nur rund fünf Prozent. Und nur rund zehn Prozent der Baubetriebe melden zurzeit ein schlechteres Zahlungsverhalten ihrer Auftraggeber. Nur vereinzelt komme es zu Verzögerungen. „Alles in allem läuft der Bau in Deutschland aber zurzeit noch sehr stabil“, so BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka.

Kita-Schließungen als Hauptgrund für Personalengpässe


Ganz ohne Einschränkungen geht es aber auch auf dem Bau zurzeit nicht. Hauptproblem sind Personalengpässe, heißt es auch vom Bauindustrieverband Ost: Viele Mitarbeiter können nicht zur Arbeit kommen, weil sie ihre Kinder betreuen müssen. Dazu kommen krankheitsbedingte Ausfälle, und wegen der Grenzschließungen fehlen ausländische Werkvertragsarbeitnehmer oder Subunternehmer.
Auf einzelnen Baustellen kommt die Arbeit wegen fehlenden Materials ins Stocken: Rohre werden nicht geliefert, Steingut aus Italien fehlt, Befestigungsteile für Lärmschutzwände kommen nicht an. In der BVMB-Umfrage gaben aber nur 15 Prozent der Befragten solche Lieferengpässe zu Protokoll.
Kampfmittelräumungen sollen aktuell gar nicht stattfinden, zu schwierig wäre es, die Bewohner bei nötigen Evakuierungen corona-gerecht unterzubringen. Darunter hat der Tiefbau zu leiden. Die Corona-bedingten Mehrkosten, die Baufirmen auffangen müssen, bezifferten die vom BVMB befragten Unternehmen durchschnittlich mit 7,4 Prozent.

Kampfmittelräumung im Kieler Hafen
Wegen sehr eingeschränkter Evakuierungsmöglichkeiten sollen Kampfmittelräumungen in Wohngebieten aktuell nicht stattfinden – auf dem Wasser geht’s. | Foto: B_I/BB

Aktivitäten im Tiefbau bleiben stabil

Wirklich große Probleme hat aber der Tiefbau aktuell nicht. Die meisten Planungsvorhaben im Leitungstiefbau und im Straßenbau finden statt – das jedenfalls lässt sich den Auswertungen des Bundesweiten Informationssystems zur Leitungsrecherche (BIL eG) entnehmen. Einen Abschwung im Kontext der Covid-19-Krise könne man nach Auswertung der Anfragemengen für Tiefbaumaßnahmen nicht bestätigen, teilte BIL mit. Die Bauanfragen hätten sich im April auf Vorjahresniveau bewegt. Nach Ferienende habe das BIL-Portal sogar ein erneut stark wachsendes Anfragevolumen für Bau- und Planungsaktivitäten verzeichnet. Keine Änderungen habe man auch bei der Struktur der Bauvorhaben im Vorjahresvergleich bemerkt.

Tiefbau in Deutschland laut BIL
Die meisten Planungsvorhaben im Tiefbau und im Straßenbau finden statt – trotz Corona-Krise. | Grafik: BIL eG

Konjunkturprogramme für die Zeit nach Corona


Mittelfristig könnte auf die Bauwirtschaft allerdings eine Konjunkturdelle zukommen, denn immer mehr Kommunen verordnen sich einen Sparkurs und stellen wegen der Corona-Krise neue Projekte erst einmal zurück. Auch bei privaten Auftraggebern sei eine deutlich höhere Zurückhaltung festzustellen, so BVMB-Hauptgeschäftsführer Gilka. Vor allem beim gewerblichen Hochbau rechnet die BVMB mit Umsatzeinbrüchen.
Dabei ist der Bedarf an Bauinvestitionen ungebrochen hoch, vor allem im Wohnungsbau und im Infrastrukturbereich. So wird der Ruf der Bauwirtschaft nach Konjunkturprogrammen lauter. „Sobald die Phase vorüber ist, in der mit staatlichen Hilfen die akuten wirtschaftlichen Härten der Corona-Krise finanziell abgefedert werden, ist es zwingend erforderlich, dass Bund, Länder und Kommunen Investitionsprogramme auf- und zügig umsetzen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig beleben und zukunftsfähig stärken“, mahnt Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost. „Dazu gehören dringend notwendige Programme zum Erhalt und zum Ausbau der Bausubstanz.“
Die Notwendigkeit, die Kommunen bei ihren Investitionsaufgaben zu unterstützen, sieht auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Bund und Länder fordern wir auf, ihre geplanten Investitionsbudgets zügig an den Markt zu bringen“, sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Damit die Corona-Krise nicht auf den Wohnungsbau durchschlage, sollten die verbesserten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten im Mietwohnungsbau fortgesetzt und mit der Weiterführung des Baukindergeldes über dieses Jahr hinaus der Eigenheimerwerb junger Familien gefördert werden.