Corona: Wie geht es der GaLaBau-Branche?

KIEL, 06.05.2020 – Die GaLaBau-Branche scheint im Vergleich zu anderen Industriezweigen trotz Corona-Pandemie relativ stabil zu sein. Das mag daran liegen, dass keine Lieferengpässe bei Baumaterial, ob grün ob grau, vermeldet werden und Hygiene-Maßnahmen auf Baustellen des Garten- und Landschaftsbaus anscheinend gut umgesetzt werden können. Ob das so ist und wie die Branche die neue Herausforderung stemmt, haben wir Lutze von Wurmb, Chef des GaLaBau-Betriebs Osbahr und Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschaft- und Sportplatzbau (BGL), gefragt.

von Ebba Stoffregen

Die GaLaBau-Branche scheint trotz Corona-Pandemie relativ stabil zu sein. | Foto: PIRO4D from Pixabay
Die GaLaBau-Branche scheint trotz Corona-Pandemie relativ stabil zu sein. | Foto: PIRO4D from Pixabay
Lutze von Wurmb, BGL-Präsident und Chef der Osbahr GmbH, im Vorgarten seines Betriebshofs in Uetersen.
Lutze von Wurmb, BGL-Präsident und
Chef der Osbahr GmbH, im Vorgarten seines
Betriebshofs in Uetersen. Das Foto entstand
vor zwei Jahren kurz vor der GaLaBau 2018
nach einem persönlichen Gespräch.
| Foto: B_I/Stoffregen

B_I galabau: Herr von Wurmb, die Corona-Pandemie hat unser komplettes Leben auf den Kopf gestellt. Inwiefern hat sich diese neue Situation zum Stand Anfang Mai auf die insgesamt über 18.000 GaLaBau-Betriebe in Deutschland ausgewirkt?

Lutze von Wurmb: Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich die Situation in der GaLaBau-Branche, besonders im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen wie bspw. dem Hotel- und Gastgewerbe, das schon über Wochen keinen Umsatz generiert, als entspannt bezeichnen. In Deutschland haben wir Landschaftsgärtner das große Glück, dass wir unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen weiterarbeiten können, und auch das „Social Distancing“ kann auf den Baustellen des Garten- und Landschaftsbaus gut umgesetzt werden. Zwar gibt es sicherlich Einzelfälle, wo in Betrieben der Verdachtsfall einer Infektion zu Problemen führen kann oder Privatkunden aus Sorge vor Ansteckung auf landschaftsgärtnerische Leistungen verzichten. Aber: In Summe kann die Lage im GaLaBau schon fast als privilegiert bezeichnet werden.

B_I galabau: Welche konkreten Maßnahmen haben Sie als Geschäftsführer der GaLaBau-Firma Osbahr getroffen, um ihre Beschäftigten zu schützen und gleichzeitig Baustellen am Laufen zu halten?

Lutze von Wurmb: Die Umsetzung der Abstands- und Hygienemaßnahmen hat bei uns im Betrieb und auf den Baustellen von Beginn an gut funktioniert. Unsere 60 Beschäftigten sind sofort mitgezogen, halten Abstand untereinander und zu Kunden. Sämtliche Reservefahrzeuge sind im Einsatz, sodass max. drei Mitarbeiter in einem Doppelkabinen-Fahrzeug zu den Baustellen fahren. Wir haben Handwaschgelegenheiten installiert, sei es in Form von Wasserkanistern oder aufgerüsteten Toilettenkabinen, stellen Desinfektionsmittel bereit und betreiben auf allen Ebenen im Betriebsablauf, so gut wie wir nur können, Vorsorge.
Dazu kommt, dass es keine Lieferengpässe seitens der Baustoffindustrie, der Baumschulen oder der Staudengärtnereien gibt.

B_I galabau: Die GaLaBau-Branche, die 2019 mit knapp 9 Mrd. Euro einen Rekordumsatz eingefahren hat, scheint derzeit also relativ krisenfest zu sein. Wie schätzen Sie die Auftragslage aktuell ein?

Lutze von Wurmb: Meiner Einschätzung nach, ist die Auftragslage im Monat März stabil auf Vorjahresniveau geblieben. Als Geschäftsführer kann ich aus meinem Betrieb auch davon berichten, dass im Privatgartengartenbereich die kurzfristige Nachfrage nach gärtnerischen Leistungen sogar verhältnismäßig groß ist. Der eigene Garten ist aufgrund der Pandemie viel stärker in den Fokus unserer Kunden gerückt und unsere Expertise ist nach wie vor gefragt. Wie sich die konjunkturelle Entwicklung bei uns und branchenweit weiter darstellen wird, ist zurzeit aber nur schwer absehbar und in vier Monaten könnte sich schon wieder ein ganz anderes Bild abzeichnen.

B_I galabau: Meinen Sie, dass die Akquise von neuen Aufträgen „coronabedingt“ künftig schwieriger wird?

Lutze von Wurmb: Für den Privatgartenbereich ist es noch zu früh, um eine Prognose zu wagen, auch weil es eine stärkere Hinwendung zum Garten gibt. Schon jetzt sehe ich aber ein Problem darin, dass die Gewerbesteuereinnahmen je nach Betriebszuschnitt zum Beispiel durch Steuer-Stundungen deutlich geringer ausfallen, wenn nicht sogar dramatisch wegbrechen werden. Der Landschaftsbau hat in den letzten Jahren davon profitiert, dass die öffentliche Hand diese freien Finanzmittel zum Beispiel in den Bau von Spielplätzen investiert hat. Ich rechne damit, dass nicht nur Kommunen derartige Projekt erst einmal einfrieren, sondern auch institutionelle Bauherren und Investoren. Wir erleben einen Umbruch, der mit der Finanzkrise 2008 nicht zu vergleichen ist und der sicherlich bleibende Veränderungen nach sich ziehen wird. Nichtsdestotrotz geht es dem Landschaftsbau seit Jahren gut und wenn wir jetzt klug handeln, können wir uns solide auf Zeiten vorbereiten, die vielleicht nicht mehr von neuen Rekordumsatz-Meldungen geprägt sein werden, wie wir es bisher kannten. Zurzeit – und das ist eine gute Nachricht – ist mir kein GaLaBau-Betrieb bekannt, der die vom Bund bereitgestellten Hilfsprogramme wie das Kurzarbeitergeld nutzt. Für alle, die dennoch in eine wirtschaftliche Notlage geraten, unterstützt der BGL mit seinen zwölf Landesverbänden GaLaBau-Betriebe in Form von ständig aktualisierten Infos u.a. rund um Förderhilfen auf seiner Website.

B_I galabau: Die Betriebe haben mitten in der Gartensaison alle Hände voll zu tun, um den reibungslosen Betriebsablauf auch unter den erschwerten Bedingungen zu gewährleisten. Wie aber ist es den Auszubildenden ergangen, wo doch die Berufsschulen derzeit noch geschlossen sind und die überbetriebliche Ausbildung jetzt schrittweise wieder startet?

Lutze von Wurmb: Für unsere insgesamt sechs Azubis haben wir einen Schulungstag im Betrieb durchgeführt und versuchen insbesondere auch diejenigen zu unterstützen, die in diesem Jahr vor Prüfungen stehen. Es ist wichtig, dass Berufsschulinhalte nachgearbeitet werden, da diese nicht vollumfänglich von den Betrieben geleistet werden können. Ob und wann Prüfungen stattfinden, entscheiden die jeweiligen Prüfungsstellen in den Bundesländern.

B_I galabau: Großveranstaltungen sind bis Ende August bundesweit verboten und nur knapp über zwei Wochen später soll die Messe GaLaBau in Nürnberg starten. Der BGL ist als Gründungsvater und ideeller Träger in die gesamte Messeplanung des Grünen Branchenhighlights involviert. Das B_I galabau-Team wird häufig gefragt, ob der Messestart zur Disposition steht. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Lutze von Wurmb: Noch im Februar waren wir uns sicher, dass es mit Abstand die erfolgreichste Messe werden wird. Jetzt sieht es in der Tat ganz anders aus und zu diesem Zeitpunkt muss ich im Konjunktiv bleiben. Die endgültige Entscheidung, ob und wie es möglich sein wird, dass die Messe stattfinden kann, wird voraussichtlich in der 2. Maihälfte getroffen. Klar ist aber, dass die GaLaBau, wenn sie denn stattfinden kann, ein komplett anderes Gepräge haben wird, um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Heißt, es wird keine gemeinsamen Veranstaltungen geben können und aufgrund von Reisebeschränkungen werden wir deutlich weniger internationale Messebesucher begrüßen dürfen. Möglichkeiten, die B2B-Messe ohne den traditionellen Samstag für ein breiteres Publikum stattfinden zu lassen, werden zum Beispiel auch diskutiert. Bis dato verzeichnet die Messe Nürnberg aber nur einen Flächenrückgang von rund 10 %, was auch zeigt, dass die meisten Aussteller immer noch gerne kommen würden, wenn sie denn dürfen. Wir, die Messe und der BGL, denken nach vorne und hoffen, dass es erlaubt sein wird, dass die GaLaBau-Fachmesse stattfinden kann – auch, um ein starkes Signal zu setzen. Denn: Wichtige Themen wie zum Beispiel der Klimawandel dürfen trotz allem nicht an Relevanz verlieren und die Messe bietet für die Grüne Branche einen idealen Rahmen, Themen zu setzen und praktische Lösungen öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

B_I galabau:  Das Ausbildungsförderwerk Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (AuGaLa) organisiert den „Landschaftsgärtner Cup“ auf der GaLaBau. Vor großem Publikum treten die zuvor ermittelten besten Zweierteams der zwölf BGL-Landesverbände gegeneinander an und kämpfen um den deutschen Meistertitel. Viele der Landeswettbewerbe wurden aufgrund der Pandemie abgesagt. Gesetzt den Fall, dass die GaLaBau 2020 stattfindet, wie steht es um die Durchführung des Cups?

Lutze von Wurmb: Das ist ein großes Problem, da bereits mehr als die Hälfte der Länder-Vorentscheide nicht stattfinden konnten. Für den Ländercup in Sachsen wurde aber bereits ein neuer Termin im Juni gefunden. Berlin und Brandenburg haben den Wettbewerb in den August verschoben und der VGL Rheinland-Pfalz und Saarland gehen einen ganz neuen Weg indem sie den Teilnehmern die Bauaufgabe digital zusenden. Die Suche nach Ersatzterminen und Lösungen ist noch in vollem Gange.


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