Besser gewappnet in der Krise: Mein Ziegelhaus wird 15

ALZENAU, 07.05.2020 – Mein Ziegelhaus feiert sein 15-jähriges Bestehen. Der Dachverband mittelständischer Ziegelwerke blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Doch die „Feierstunde“ fällt mitten in die Corona-Krise. Wie gerüstet sind die Ziegelwerke für die kommende Zeit? Was wurde in den letzten 15 Jahren erreicht, welche Innovationen sind aus dem Verbund heraus entstanden? Eine Bestandsaufnahme.

von Susanne Frank, Gröbenzell

Referenzprojekt Stiftstadt Kempten
Das Referenzprojekt Stiftsstadt Kempten während der Rohbauphase: Hier sind die Ziegel von Mein Ziegelhaus noch nicht hinter dem Putz verschwunden. | Foto: tdx/Gerd Schaller/MZH
Es mag derzeit kaum „Feierlaune“ aufkommen. Doch ein Jubiläum ist auch immer Anlass, die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Baubranche insgesamt und damit auch die Ziegelindustrie hat schon einige schwierige Zeiten erlebt. Schon vor 15 Jahren waren die Ziegler mit extremen Schwankungen am Markt konfrontiert. Nach der Wiedervereinigung gab es große Überkapazitäten am Markt.
Laut Stefan Jungk, geschäftsführender Gesellschafter der JUWÖ Poroton und Gründungsmitglied von Mein Ziegelhaus, waren die Jahre 2000 bis 2010 extrem schwankend. Einige Ziegelwerke meldeten Insolvenz an; einige wurden aufgekauft. Baugenehmigungen und Baufertigstellungen gingen stark zurück und die Ziegelindustrie wurde davon nicht verschont.

Zusammenschluss der Mittelständler

Vier der fünf mittelständischen Ziegelwerke, die sich 2005 zum Verband „Mein Ziegelhaus“ zusammenschlossen, gehörten damals dem Verband Deutsche Poroton an. Um die 2000er Jahre formierten sich Untergruppierungen; in einer davon tauschten sich die mittelständischen Ziegelwerke untereinander aus. „Die Poroton MM – MM steht für Mittelstandsmarketing – war quasi die Urkeimzelle von Mein Ziegelhaus“, erzählt Stefan Jungk, der seit 2017 als Präsident dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie vorsteht. Neben der JUWÖ Poroton-Werke Ernst Jungk & Sohn GmbH gehörten zu den Gründungsmitgliedern die Adolf Zeller GmbH & Co. Poroton-Ziegelwerke KG, die Georg Rimmele KG, die Ziegelwerk Klosterbeuren Ludwig Leinsing GmbH & Co KG und das ehemalige Unipor-Mitglied Ziegelwerk Bellenberg Wiest GmbH & Co. KG. Sie sahen sich in dem Verband, in der ein großer Konzern – Wienerberger – der dominante Player war, nur noch unzureichend vertreten.
Was verband die ursprünglichen Mitglieder? „Als mittelständische Ziegler hatten wir ungefähr die gleiche Größe, und wir alle waren uns sehr ähnlich, was die Denke und den Führungsstil angeht“, betont Jungk. Von Vorteil erwies sich auch, dass die Ziegelwerke in ganz Deutschland verteilt waren, so dass man sich vertrieblich nicht „ins Gehege kam“.

Neu hinzu kamen 2011 die August Lücking GmbH & Co. KG in Paderborn sowie das Ziegelwerk Stengel in Donauwörth und 2017 die Erbersdobler Ziegel GmbH & Co. KG in Fürstenzell. Im Laufe der letzten Jahre orientierten sich zwei Gesellschafter neu. Ziegelwerk Bellenberg und Ziegelwerk Klosterbeuren sind weiterhin Lizenznehmer von Mein Ziegelhaus und fertigen ihre Produkte nach den Mein-Ziegelhaus-Qualitätskriterien.

MeinZiegelhaus-Büro in Höhr-Grenzhausen
MeinZiegelhaus-Büro im WesterWaldCampus in Höhr-Grenzhausen aus der Vogelperspektive | Foto: HS Koblenz

Neue Geschäftsführung: Impulse für die Zukunft

2019 war der Zeitpunkt für eine Staffelstabübergabe gekommen. Geschäftsführer Hans R. Peters, der die Arbeit von Mein Ziegelhaus maßgeblich geprägt hatte, ging in den Ruhestand. Stefan Jungk: „Mit dem neuen Geschäftsführer Tristan Klein bleibt die Kontinuität gewahrt. Als Experte für Keramik wird er unseren Dachverband in die Zukunft führen.“
Fokus der Zusammenarbeit im Verband bleibt die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie die Weitentwicklung der Produkte. Diplom-Ingenieur Tristan Klein ist mit seiner Erfahrung im wissenschaftlichen Bereich am WesterWaldCampus der Hochschule Koblenz und als ehemaliger Geschäftsführer des Ziegelwerkes Deisendorf der ideale Impulsgeber für die zukünftige Entwicklungsarbeit. Dr. Petra Augustin steht den Werken zu den Themen Umwelt und Bauchemie zur Verfügung. Die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung und neue Vertriebsstrukturen werden ganz selbstverständlich von der jetzigen Generation angenommen und umgesetzt.
Tristan Klein ist Geschäftsführer bei MeinZiegelhaus
Dipl.-Ing. Tristan Klein ist seit 2019 Geschäftsführer bei MeinZiegelhaus | Foto: LRZ/Christoph Große/MZH

Innovationsfähig auch in der Krise

Stefan Jungk, der als Präsident dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie vorsteht, bleibt angesichts der aktuellen Krisen-Situation optimistisch und versteht sich in der Rolle des Mutmachers. Den Grund sieht er in der Innovationsfähigkeit, die in einem mittelständischen Unternehmen ausgeprägter sei. „Der deutsche Ziegel-Mittelstand ist seit jeher innovativ und führend bei der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen“, konstatiert der JUWÖ-Chef selbstbewusst. Die Gründe dafür lägen in der föderalen Struktur und einem Umfeld, in dem „Denken und Fehler machen ausdrücklich erlaubt ist.“ „Wir hatten oft die Nase vorn, was die Produktentwicklung anging“, ergänzt er. Jungk bezieht sich auf die Entwicklung einer Reihe von Innovationen, die von den Ziegelwerken im Mein-Ziegelhaus-Verbund gemeinsam entwickelt wurden.

Ziegel: mit Mineralwolle gefüllt oder in Vollkeramik

Mein Ziegelhaus hat eine Reihe verschiedener Ziegel auf den Markt gebracht, die es so vorher nicht gab. Die herausragende Erfindung war 2007 der mit Mineralwolle gefüllte Mauerziegel. Als Weiterentwicklung kam 2013 der mit Mineralwolle gefüllte MZ-G für den Geschosswohnungsbau auf den Markt. Dieser wurde mit einem Doppelsteg versehen – „eine Art doppelte Schutzhaut“ –, der die Statik verbessert. Bei Zeller Poroton in Alzenau werden derzeit zweieinhalb Millionen Euro investiert, um eine neue, mit modernster Technik ausgestattete Verfüllanlage zu errichten.
Neben den mit Mineralwolle gefüllten Ziegeln wurden eine Reihe hochwärmedämmender Vollkeramikziegel entwickelt, die ohne Dämmstoffe auskommen. Damit sind sie einfacher recycelbar sowie günstiger in der Herstellung. Durch die filigraneren Stege entstanden kleinere Hohlräume, die für einen deutlich besseren Wärmeschutz sorgen. Speziell für Innenwände, zusatzgedämmte Außenwände oder zweischalige Konstruktionen wurde der TS-Quadrat entwickelt. Er punktet mit einem hohen Druckfestigkeitswert und kann selbst in erdbebengefährdeten Regionen eingesetzt werden.
Mein Ziegelhaus - gefüllter und ungefüllter Ziegel
Mit Mineralwolle gefüllte und ungefüllte hochwärmedämmende Produkte von MeinZiegelhaus | Foto: MZH
Generell werden die Ideen für neue Ziegelprodukte gemeinsam entwickelt. Nun geht die Mittelstandsvereinigung mit Blick nach vorn in die nächste Generation. Jungk formuliert es so: „Unser Fokus lag damals und liegt heute darauf, Produkte zu entwickeln, die das Bauen – die monolithische Baukultur im Besonderen – und uns selbst weiterbringen.“