GFK-Kanalrohre für gute Hydraulik am Jade-Wapeler Siel

TROLLENHAGEN, 12.5.2020 – Im Rahmen einer Deicherhöhung und -verstärkung im Bereich des Jade-Wapeler Siels im Verbandsgebiet des II. Oldenburgischen Deichbandes mussten vier Sielzüge neu erstellt und die Auslaufleitungen des Mündungsschöpfwerkes verlängert werden. Für die Leitungsverlängerung kamen GFK-Kanalrohre DN 2400 von Amiblu zum Einsatz – insbesondere wegen ihrer hydraulischen Eigenschaften.

Das Schöpfwerk (links) wurde nach dem Neubau der zwei Siele Ost und West (rechts) umgebaut. Abschließend erfolgt dann die Deicherhöhung.
Aktiver Küstenschutz: Das Schöpfwerk (links) wurde nach dem Neubau der zwei Siele Ost und West (rechts) umgebaut. Abschließend erfolgt dann die Deicherhöhung. | Foto: II. Oldenburgischer Deichband

Geplant wurde diese umfangreiche und komplexe Maßnahme durch die Planungsgemeinschaft Küste, ein Projektzusammenschluss von IPP Ingenieurgesellschaft Possel u. Partner GmbH (Kiel) und BN-Umwelt GmbH (Kremperheide). Die bauliche Umsetzung übernahm die Arbeitsgemeinschaft Jade-Wapeler-Siel Los 2, bestehend aus der Ludwig Freytag GmbH & Co. KG (Oldenburg) für die technische Geschäftsführung, der Tiefbau GmbH Unterweser (Oldenburg) für die kaufmännische Geschäftsführung und der Herdejürgen & Harmsen Baugesellschaft mbH & Co. KG (Norderham).

Die vier neuen Auslaufleitungen, bestehend aus den Flowtite-Kanalrohren, werden hinter dem Pumpengebäude verlegt und zur Auftriebssicherung abschließend jeweils mit Beton ummantelt.
Die vier neuen Auslaufleitungen, bestehend aus den Kanalrohren "Flowtite", werden hinter dem Pumpengebäude verlegt und zur Auftriebssicherung abschließend jeweils mit Beton ummantelt. | Foto: II. Oldenburgischer Deichband

Sicher ist (Deich)sicher

Da Deiche im Normalfall aufgrund ihrer Konstruktion bei einer Erhöhung eine Verbreiterung erfahren, stellen Ingenieurbauwerke innerhalb des Deichkörpers eine besondere Herausforderung dar. So auch bei der Deicherhöhung im südlichen Jadebusen am Jade-Wapeler Siel.
Im Vorfeld mussten das Sielbauwerk mit den zwei Sielzügen Ost und zwei Sielzügen West sowie die Auslaufleitungen des Mündungsschöpfwerkes (MSW) bautechnisch an die zukünftigen Gegebenheiten angepasst werden. Beide Bauwerke müssen auf ihrer Küstenseite Hochwasser und Sturmfluten abwehren und gleichzeitig die Oberflächenentwässerung des Hinterlandes sicherstellen. „Daher mussten wir in jeder Bauphase dafür sorgen, dass die Aufrechterhaltung der Deichsicherheit und die der Wasserabführung stets gegeben war“, erläutert Heiko Velbinger, Projektleiter bei Ludwig Freytag eine der wichtigsten Randbedingungen der Gesamtmaßnahme.
So habe man zunächst die Sielzüge West und anschließend die Sielzüge Ost komplett erneuert. Die vier Sielzüge entwässern das Hinterland drucklos über ein Freigefälle in Richtung Nordsee. Doch gerade im Winterhalbjahr, wenn beispielsweise die Tidefenster für diese Entwässerung kürzer werden, oder wenn die Menge an Oberflächenwasser nicht alleine über die vier Sielzüge abgeleitet werden kann, erfolgt die Entwässerung zusätzlich über das MSW.

Bei dem Einbau der Flowtite-Kanalrohre wurden diese zwischen den Rohrsteifen hindurchgefädelt.
Bei dem Einbau der Kanalrohre Marke Flowtite wurden diese zwischen den Rohrsteifen hindurchgefädelt. | Foto: Amiblu

Wahl fällt auf Amiblu

Hauptbestandteil des Schöpfwerkes sind neben den technischen Pumpenanlagen im Maschinenhaus die Auslaufleitungen. Beim Jade-Wapeler Siel mussten diese aufgrund der Deichverbreiterung in Richtung Nordsee entsprechend verlängert werden. „Das MSW mit den Pumpen sollte bei dem Umbau erhalten bleiben. Erneuert werden sollten nur die Auslaufleitungen und das Außenhaupt“, so Velbinger weiter. Dabei habe man ein sehr glattwandiges Material verwenden wollen, sodass die Reibungsverluste in den nun längeren Leitungen nicht zu einem Verlust der Pumpenleistung führten. Daher habe sich die Planungsgemeinschaft Küste bei den vier neuen Strängen der Auslaufleitungen DN 2400 für den Werkstoff GFK entschieden. Die Wahl fiel auf die Kanalrohre der Marke Flowtite von Amiblu, die genau den Anforderungen der Planer entsprachen.

Hydraulik gibt den Ausschlag

Die im kontinuierlichen Wickelverfahren nach Flowtite-Technologie hergestellten Amiblu-Rohre verfügen über eine Sandwich-Struktur. Die hochfesten kontinuierlichen Glasfasern halten Umfangsbelastungen durch Innendruck stand, während geschnittene Fasern eine optimale Druckfestigkeit gegenüber axialen Kräften, Stößen und Installationslasten garantieren.
Die Rohrwand besteht aus verstärkten Außenschichten und einem kompakten, mit Quarzsand gefüllten Kern für optimale Biegefestigkeit. In Kombination mit den Schutzschichten garantiert diese Struktur Beständigkeit gegenüber hohem Innendruck und eine sehr gute Langzeitsteifigkeit.
„Unsere Rohre sind nicht nur leicht in der Handhabung und lassen sich in kurzer Zeit gut und sicher verlegen, sondern sie verfügen auch wegen ihrer äußerst glatten Innenfläche über sehr gute hydraulische Fließeigenschaften, die auch im Betrieb langfristig erhalten bleiben“, erläutert Jürgen Schneider, Gebietsverkaufsleiter, Amiblu Germany GmbH die Vorteile der GFK-Rohre.

Ein speziell angefertigtes Flanschstück diente zur Verbindung zwischen der neuen Flowtite-Auslaufleitung und dem Altbestand des Mündungsschöpfwerkes.
Ein speziell angefertigtes Flanschstück diente zur Verbindung zwischen der neuen Auslaufleitung und dem Altbestand des Mündungsschöpfwerkes. | Foto: Amiblu

Erschütterungen waren zu vermeiden

Um die 12 m langen Rohre in den vier jeweils rund 40 m langen Rohrsträngen verlegen zu können, mussten im Vorfeld die bestehenden Auslaufleitungen zurückgebaut werden. „Diese Arbeiten gestalteten sich sehr aufwendig“, so Velbinger. Die alten Leitungen seien in den 1960er Jahren in Massivbauweise errichtet und zudem massiv mit dem Mündungsschöpfwerk verbunden worden.
Da das MSW mit seinen technischen Anlagen aber im Altbestand erhalten bleiben sollte, mussten die alten Auslaufleitungen erschütterungsfrei abgetrennt werden. Hier habe man erfolgreich mit einer Seilsäge gearbeitet. Die Sicherung der Baugrube erfolgte mit Spundwänden. Als Bettung der neuen Auslaufleitungen wurde eine Stahlbetonsohlplatte auf einer Vielzahl tiefgegründeter, bis zu 28 m langer Pfähle hergestellt. Auch diese seien im Bereich des MSW erschütterungsfrei herzustellen gewesen, so Velbinger. „Die Verlegung der GFK-Rohre ging dann sehr schnell“, so Schneider.

Eine Betonummantelung dient zur Auftriebssicherung der Flowtite Kanalrohre. Der bewehrte Bereich schafft außerdem eine kraftschlüssige Verbindung zur Stahlbetonsohlplatte.
Eine Betonummantelung dient zur Auftriebssicherung der Kanalrohre. Der bewehrte Bereich schafft außerdem eine kraftschlüssige Verbindung zur Stahlbetonsohlplatte. | Foto: Amiblu

Für den Anschluss der Rohre an das Mündungsschöpfwerk lieferte Amiblu eine spezielle GFK-Kupplung DN 2400, mit einseitigem Schrägschnitt und anlaminiertem Mauerkragen. Dieser Flansch wurde mit Reaktionsankern an der ebenen Schnittkante fest mit dem Gebäudebestand verdübelt. Die Geometrieangleichung zwischen den kreisrunden GFK-Rohren und dem Anschluss an die Leitung innerhalb des MSW, deren Querschnitt mit 2.200 x 2.400 mm leicht oval ist, erfolgte mit einem GFK-Handlaminat. So ließ sich ein verlustfreier Übergang herstellen. Abschließend erhielten die einzelnen Rohrstränge zur Auftriebssicherung eine komplette Betonummantelung.

Deicherhöhung folgt

Der Umbau des Mündungsschöpfwerkes erfolgte im Sommerhalbjahr 2019 von April bis Oktober. Zu diesem Zeitpunkt waren die vier Sielzüge Ost und West bereits fertiggestellt und in Betrieb. 2020 erfolgt nun abschließend die Deicherhöhung.

Am Ende jeder neuen Auslaufleitungen sorgt eine Rückschlagklappe dafür, dass kein Wasser von der Nordsee in die Auslaufleitung gelangen kann. | Foto: Amiblu
Am Ende jeder neuen Auslaufleitungen sorgt eine Rückschlagklappe dafür, dass kein Wasser von der Nordsee in die Auslaufleitung gelangen kann. | Foto: Amiblu
Rückblickend fasst Velbinger die Besonderheiten der gesamten Baumaßnahme zusammen: „Das Komplexe an diesem Objekt war die ständige Aufrechterhaltung der Deichsicherheit, die ständige Aufrechterhaltung der Wasserabführung und die extrem sensible Gründungssituation. Auch dass man ein bestehendes Bauwerk durchtrennt und dabei die eine Hälfte absolut schadensfrei erhalten möchte, während die andere Hälfte komplett zurückgebaut wird, ist eine Herausforderung gewesen.“
Schneider ist erfreut darüber, dass Amiblu-Rohre nun auch aktiv beim Küstenschutz eingesetzt werden: „Ich wohne selber direkt hinter einem Deich und daher weiß ich, wie wichtig ein guter und verlässlicher Küstenschutz ist.“

Erfahren Sie das Beste aus dem Untergrund.

Jetzt den B_I Newsletter abonnieren!
✔ ca. 1x pro Monat - ✔ Jederzeit abbestellbar