Corona-Krise: Mehr tödliche Unfälle auf Baustellen

BERLIN/FRANKFURT, 14.05.2020 – Mitten in der Corona-Krise: Unter Sicherheits- und Hygienemaßnahmen wird auf den Baustellen weiter gearbeitet, zugleich häufen sich aber die schweren Unfälle am Bau. Die BG Bau warnt vor dieser alarmierenden Entwicklung. Die IG Bau fordert mehr Personal für die staatliche Arbeitsschtuzkontrolle.

PSA schützt vor Absturz bei der Arbeit am Lichtband
Nicht immer sind Arbeiter auf dem Dach so gut geschützt: Vor Durchsturz schützt ein Gitter in der Lichtbandöffnung, vor Absturz das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung. | Foto: FVLR

Nach aktuellen Daten der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) kamen von Mitte März bis Ende April 15 Menschen auf deutschen Baustellen durch Unfälle ums Leben. Häufigste Unfallursache waren Abstürze von Dächern und Durchstürze.

Bei den 15 Todesfällen im Verlauf der sechs Wochen handelte es sich laut BG Bau um sechs Abstürze von Dächern – davon fünf Abstürze nach innen durch ungesicherte Dachöffnungen sowie nicht durchbruchsichere Dachflächen – sowie zwei Abstürze von Gerüsten. Vier Unfälle ereigneten sich im Zusammenhang mit herabstürzenden oder kippenden Bauteilen. Drei Unfälle passierten mit Baumaschinen.

Die BG Bau appelliert an Unternehmen und Versicherte, Arbeitsschutz ernst zu nehmen. Seit Wochen würde viel Aufmerksamkeit und Energie auf die Regelungen zur Corona-Krise verwandt, sagte Bernhard Arenz, Präventionsleiter der BG Bau. Das dürfe jedoch nicht dazu führen, dass der generelle Arbeitsschutz aus dem Blick gerate. Die BG Bau versuche gegenzusteuern, unter anderem mit verstärkten Baustellenbesuchen.

Betriebe werden nur alle 20 Jahre kontrolliert


Die IG Bau forderte mehr Personal bei der staatlichen Arbeitsschutzkontrolle. „Wir haben klare Regeln am Bau zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Diese wirken aber nur, wenn sichergestellt ist, dass sie umgesetzt werden“, sagte IG-Bau Vorstand Carsten Burkhardt. Bei der Arbeitsschutzaufsicht gäbe es zu wenig Personal, um ausreichend zu kontrollieren. Zwischen den Kontrollen in einem Betrieb lägen im Schnitt mehr als 20 Jahre. Burckhardt: „Das ist das Ergebnis einer verfehlten Politik, die der Arbeitsschutzaufsicht immer mehr Aufgaben überträgt und gleichzeitig einen radikalen Stellenabbau vornimmt.“


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