Sonderbauweise: Niederschlagswasser wird oberflächlich abgeführt

PETERSBERG, 05.06.2020 – Pflasterflächen halten bei regelkonformer Verlegung üblichen Verkehrsbelastungen stand. Doch können wasserundurchlässige Tragschichten dazu führen, dass Wasser in die Bettung eindringt. Die Gemeinde Petersberg fand mit „Ecoprec“, ein spezielles Fugen- und Bettungsmaterial, eine Lösung und sanierte vor über 10 Jahren eine befahrene Einkaufsstraße. 

Die Rabanus-Maurus-Straße im Januar 2020: Mehr als 200.000 Busse, sind seit der Sanierung über die Fläche gefahren. Dennoch sind bisher keinerlei Schäden auf der Straße zu erkennen.
Die Rabanus-Maurus-Straße im Januar 2020: Mehr als 200.000 Busse, sind seit der Sanierung über die Fläche gefahren. Dennoch sind bisher keinerlei Schäden auf der Straße zu erkennen. | Foto: SF-Kooperation

Anfang der 90er Jahre wurde in der Stadtrandgemeinde von Fulda die innerörtliche Straßenverbindung „Rabanus-Maurus-Straße“ auf etwa 100 m Länge mit einer 8 cm dicken Pflasterdecke aus 18 x 23 cm Tegula-Pflaster aus dem Hause F.C. Nüdling Betonelemente befestigt, um mit den rustikal anmutenden Betonsteinen den dörflichen Charakter von Petersberg zu betonen. Eingefasst wurde die Straße mit einer beidseitig gepflasterten Rinne.

Heribert Vonderau vom Tiefbauamt aus Petersberg erinnert sich: „Rund 17 Jahre lang hat diese Art der Befestigung sehr gut gehalten. Danach traten nach und nach Schäden an der Fläche auf. Ursache hierfür war Stauwasser. Die Tragschicht hatte sich aufgrund der Verkehrsbelastung über die Jahre so stark verdichtet, dass kein Wasser mehr einsickern konnte. Das war auch der Grund, weshalb das Fugenmaterial bei Regenereignissen aus den Fugen gespült, unter das Pflaster geschwemmt und so die Steine aus der Fläche herauswuchsen. Beim Überfahren stellten diese dann ein Verkehrshindernis und auch eine Verkehrsgefahr dar.“
Die Sanierung erfolgte im Jahre 2009 mit einer Bettung und Fügenfüllung aus dem Material Ecoprec sowie mit Tegula-Pflaster aus dem Hause F.C. Nüdling.
Die Sanierung erfolgte im Jahre 2009 mit einer Bettung und Fügenfüllung aus dem Material Ecoprec sowie mit Tegula-Pflaster aus dem Hause F.C. Nüdling. | Foto: F.C. Nüdling Betonelemente

Sanierung in Sonderbauweise
Im Frühjahr 2009 entschieden sich die Verantwortlichen dazu, diesen Straßenabschnitt zu sanieren. Aus gestalterischen Gründen sollte erneut das Tegula-Pflaster zum Einsatz kommen – jetzt allerdings kleinformatiger in den Abmessungen 15,3 x 18 cm und mit einer größeren Steinhöhe von 10 cm. Die Mehrdicke von 2 cm konnte kompensiert werden, da der Einbau als Dachprofil erfolgte. Die Besonderheit bei der Sanierungsmaßnahme bestand in dem verwendeten Bettungs- und Fugenmaterial. Hierzu Vonderau: „Da die Tragschicht im Zeitverlauf an Tragfähigkeit nichts eingebüßt hatte, konnte diese noch verwendet werden. Gefragt war daher nun ein ebenso wasserundurchlässiges Bettungs- und Fugenmaterial, das die Pflasterfläche vor eindringendem Regenwasser schützt.“

Zum Einsatz kam „Ecoprec“ (Näheres siehe unten). Hierbei handelt es sich um ein bituminös gebundenes Bettungs- und Fugenmaterial, das auf die Tragschicht im Heiß- oder Kalteinbau aufgetragen wird. „Wir haben damals Ecoprec Hot in einer Stärke von ca. 4 cm zur Ausführung gebracht. Dieses Material weist durch seine bituminösen Eigenschaften einen wasserabweisenden und nach dem Verdichten einen nahezu dichten Zustand auf. Die Pflastersteine wurden in den noch teilweise warm angelieferten Bettungsstoff aufgebracht und mit Fugenbreiten von 3-5 mm verlegt“, so Vonderau.

Damit die Fläche dauerhaft stabil bleibt, wurde Ecoprec nicht nur als flexibel-gebundenes Bettungsmaterial verwendet, sondern auch die Fugen damit verfüllt. „Der große Vorteil dieser Sonderbauweise lag für uns darin, dass auftretendes Niederschlagswasser oberflächlich abgeführt wird. Die üblichen Probleme, die bisher auftraten und die man darüber hinaus von Pflasterflächen kennt, bei denen unter Frosteinfluss aufgrund von Wassereinlagerungen Flächen aufplatzen, sind seitdem kein Thema mehr“, so Vonderau.

Die Sanierung erfolgte im Jahre 2009 mit einer Bettung und Fügenfüllung aus dem Material Ecoprec sowie mit Tegula-Pflaster aus dem Hause F.C. Nüdling.
Die Sanierung erfolgte im Jahre 2009 mit einer Bettung und Fügenfüllung aus dem Material Ecoprec sowie mit Tegula-Pflaster aus dem Hause F.C. Nüdling. | Foto: F.C. Nüdling Betonelemente

Trotz intensiver Belastung der Straße - nicht nur durch Busse - seit mittlerweile über 10 Jahren, ist die etwa 500 m² große Pflasterfläche auch in 2020 noch in einem einwandfreien Zustand. „Wir gehen von einer sehr langlebigen Ausbauvariante aus, denn der Untergrund ist stabil, das Pflaster verwindungssicher sowie das Bettungs- und Fugenmaterial besonders wasserundurchlässig. Außerdem wird das Wasser über die beidseitigen Rinnen und Straßenabläufe abgeleitet. Der Belag liegt wie er seit 2009 verlegt wurde ohne negative Vorkommnisse, ohne Aufschwemmungen oder Frostschäden. Lediglich nachgesandet haben wir alle 3 Jahre und tun dies auch weiterhin“, so Vonderau.


„Ecoprec“
Ecoprec ist ein von der SF-Kooperation entwickeltes bitumenhaltiges Fugen- und Bettungsmaterial sowie ein Bauverfahren für den Neubau oder die Sanierung von Betonpflastersteindecken. Basierend auf Erkenntnissen aus einem EU-Forschungsvorhaben aus dem Jahre 2001 wird diese Bauweise mit einer flexibel-gebundenen Bettung unter den Pflastersteinen ausgeführt. Bei Einhaltung einer bestimmten Zusammensetzung dieser Bettung erfolgt eine Reduzierung der Wasserdurchlässigkeit und dadurch eine Immobilisierung des Bettungsmaterials. Die Pflasterdecke bleibt dabei flexibel, was vor allem die horizontale und vertikale Stabilität der Betonpflasterfläche erhöht. Üblicherweise ist eine ausreichende Wasserdurchlässigkeit der Trag- und Frostschutzschicht für die Dauerhaftigkeit einer Pflasterfläche von großer Bedeutung. Mit Ecoprec ist es möglich, Pflasterdecken auch auf nicht ausreichend wasserdurchlässigen Tragschichten zu verlegen.


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