Komatsu-Radlader: Leistungsverzweigter Antrieb spart Sprit

KIEL, 11.06.2020 – Komatsu bringt den neuen Radlader WA475-10 auf den Markt. Die 24-Tonnen-Maschine ist nicht nur mit einem Stufe-V-Motor ausgerüstet, sondern auch – erstmals bei Komatsu – mit einem leistungsverzweigten Getriebe. Das Ergebnis ist eine um bis zu 30 Prozent verbesserte Kraftstoffeffizienz.

von Hendrik Stellmach

Henrik Flohr, Komatsu Germany GmbH
Der WA475-10 ist Komatsus erster Radlader mit leistungsverzweigtem Getriebe: Der Leiter des Komatsu-Radlader-Produktmarketings Henrik Flohr verspricht 20 Prozent Spritersparnis gegenüber dem konventionell angetriebenen Modell. | Foto: B_I

„Europäischen Kunden sind die Produktivität, die Betriebskosten und der Fahrerkomfort sehr wichtig“, sagt Henrik Flohr, Gruppenleiter im Produktmarketing für Radlader bei Komatsu. Deshalb haben die Hannoveraner Entwickler ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese Kriterien gerichtet: Die zentrale Neuerung ist sicher das leistungsverzweigte Getriebe des WA475-10, das Komatsu unter dem Namen KHMT (Komatsu Hydraulic Mechanical Transmission) selbst entwickelt hat und zum ersten Mal in einem seiner Radlader verbaut. Auch Maschinen anderer Hersteller wie zum Beispiel Caterpillars XE-Baureihe, Liebherrs „Xpower“-Radlader und Doosans DL420CVT-5 nutzen schon diese Art des Antriebs, um effizienter zu arbeiten.

Die Vorteile der Technik, sagt Flohr, seien bekannt, weil Komatsu schon vor etwa 15 Jahren einen solchen Antrieb in einer Planierraupe eingebaut habe, und würden nun in dem Radlader genutzt. „Weil wir hier ein stufenloses Getriebe haben, kann das Gerät immer in dem Bereich betrieben werden, wo die Motoreffizienz besonders hoch ist: im Bereich von 1.100 bis 1.200 Umdrehungen. Die Ersparnis beim Kraftstoffverbrauch wird etwa 20 Prozent unter dem bisherigen Modell liegen.“ Aber nicht nur das. Auch der Fahrer profitiert laut Flohr, denn „er braucht keine Gänge mehr vorzuwählen und muss sich nicht um irgendwelche Abschaltungen kümmern. Das macht alles das Getriebe.“

Assistenzsysteme entlasten den Fahrer

Dabei geht es Komatsu nicht nur um Bequemlichkeit: „Der Nachschub an qualifizierten Fahrern, den die Industrie bekommt, ist sehr spärlich“, erklärt Flohr. Daher sollten Komatsu-Maschinen generell einfach zu bedienen sein. Dazu trägt das Getriebe seinen Teil bei, aber auch verschiedene Assistenzsysteme, etwa zum Schaufelfüllen und zum Entladen. Bei letzterem muss der Fahrer nur noch einen Knopf drücken und nicht mehr den Hebel feinfühlig bedienen, um das Ladegut kontrolliert abzuschütten. Und auch die aufwändige Abgasnachbehandlung des neuen Radladers verlangt vom Fahrer nicht den Griff zum Handbuch: Weil das Stufe-V-Modell über eine vollautomatische DPF-Regeneration verfügt, braucht der Fahrer auch hier nicht aktiv einzugreifen.

Komatsu-Radlader WA475-10
Der Komatsu WA475-10 Radlader ist mit 4,2 - 4,9 Kubikmetern Schaufelvolumen lieferbar. | Foto: B_I

Unabhängige Arbeitshydraulik

„Als Alleinstellungsmerkmal in dieser Radladerklasse haben wir eine unabhängige Steuerung von Fahrantrieb und Hydraulik“, betont Flohr. „Die Geschwindigkeit des Radladers bestimme ich nur noch über das Gaspedal und die Geschwindigkeit der Arbeitsausrüstung nur noch über den Ausschlag am Hydraulikhebel – normalerweise bedingt immer das eine das andere. Und dann habe ich den Vorteil, wenn ich auf einen Lkw zufahre, dass ich nicht auf die Bremse treten muss, um das Hubgerüst schneller zu heben.“ Mit anderen Worten: Der Fahrer findet in jeder Situation die richtige Balance zwischen Traktion und Hubkraft.

Das Hubgerüst des Radladers ist mit der gewohnten Z-Kinematik von Komatsu ausgestattet, die der Hersteller für noch höhere Hubkräfte und Ausbrechkräfte noch ein bisschen verfeinert hat. Sie ermöglicht im Zusammenspiel mit der Arbeitshydraulik und der sogenannten Hocheffizienzschaufel besonders schnelle Ladespiele – wichtig, wenn viel Material in kurzer Zeit umgeschlagen werden soll.

Fahrerkabine des Komatsu WA475-10 Radladers
Auch in der Kabine des WA475-10 hat Komatsu viele Neuerungen umgesetzt, alle unter der Maxime: komfortableres und produktiveres Arbeiten. | Foto: Komatsu

Kabine noch komfortabler

Die neue Kabine ist nicht nur bequem, sondern dient durch ihre besondere Bauart auch der Sicherheit auf der Baustelle. „Wir haben eine komplett andere Kabinenarchitektur gewählt“, erklärt Flohr. „Wir haben jetzt nur noch vier Säulen – vorher waren es sechs. Wir haben die letzte Säule weggelassen und dazu eine Ausbuchtung in die Heckscheibe eingearbeitet, so dass sie schräg nach hinten steht. Dadurch habe ich über die Schulter viel mehr Sichtfeld, weil da nichts mehr stört. Und ich kann, wenn ich mag, auch die Rückenlehne vom Sitz sehr weit nach hinten stellen. Wir haben viel mehr Platz für den Fahrer. Auch große Personen haben keine Mühe, sich hier komfortabel einzurichten.“ Und dank der großzügigen Verglasung der Türen und im Frontbereich hat der Fahrer eine fast ungestörte Sicht auf den Bereich um die Maschine.

Einige der Schalter befinden sich jetzt griffgünstig an der A-Säule, und auf der Bedienkonsole erleichtert ein Dreh-Drück-Steller das Navigieren durch die Einstellungen. „Als einer der wenigen Hersteller haben wir auf der rechten Seite eine vollwertige Tür“, sagt Flohr. Das hilft im Notfall, aber auch generell für die Kommunikation auf der Baustelle. Und weil die Türen hinten angeschlagen sind, ist es jetzt einfacher und sicherer, die Frontscheibe zu reinigen. Auch Wartungsarbeiten am Motor sind einfacher geworden: „Wir haben jetzt auch eine klappbare Motorhaube eingeführt, primär um die Wartungskosten zu senken. Um die Ventile einzustellen, brauche ich jetzt nur noch die Hälfte der Zeit. Die Haube ist dreigeteilt, das heißt, im Reparaturfall reicht es, wenn ich das defekte Element ersetze“, so Flohr.

Komatsu wird einige der Neuerungen im WA475-10 auch in anderen neuen Radladermodellen umsetzen, allerdings nicht vor 2021, sagt der Produktmanager. „Die Radladerentwicklung ist im Wesentlichen von den europäischen Bedürfnissen geprägt; hier ist der Wettbewerb am härtesten, hier sind alle Hersteller präsent. Da muss man immer eine Schippe drauflegen. Davon profitieren auch andere Länder der Welt.“