Verden spart mit Compact Pipe Zeit und Aufwand

TWIST, 23.6.2020 – Auf der Eitzer Straße in Verden ging es in diesem Frühjahr rund – und zwar mit einem C-förmigen PE-Rohr DN 350 mm für eine Strecke von 480 m. Das Compact Pipe-Verfahren von Wavin ist grabenlos und günstiger als eine Neuverlegung zum Ersatz der schadhaften Abwasserdruckrohrleitung aus Asbestzement.

Von Dipl.-Ing. Ralf Glanert, Vertrieb/Produktmanagement, Wavin GmbH

Die Anlieferung des Compact Pipe: werkseitig C-förmig vorverformt
Die Anlieferung des Compact Pipe: werkseitig C-förmig vorverformt

Das Compact Pipe von Wavin aus PE 100 wird nach den Vorgaben der DIN EN ISO 11297-3 und der DIN EN 12201-2 hergestellt. Damit waren alle Basis-Anforderungen für den Abwasserdruckrohrbereich abdeckt. PE-Rohre mit ihren Eigenschaften und Beständigkeiten sind bewährt; werkseitige Fertigungen sichern Druckrohrqualitäten. Die in der Sanierungsbranche üblichen Tränkungs-, Misch- oder Aushärteprozesse sind für PE-Rohre nicht erforderlich.
Die PE-Rohre sind werksseitig vorverformt, wurden als Trommelware geliefert und C-förmig in das gemolchte und gereinigte Altrohr eingezogen. Durch eine Temperaturbeaufschlagung wird der C-förmige Querschnitt in ein kreisrundes PE-Rohr rückverformt. Das alte Abwasserdruckrohr fungiert dabei lediglich als Schalung.
Die graugrüne Farbgebung ist inspektionsfreundlich und seit Jahrzehnten auch bei Wavin TS DOQ-Rohren gebräuchlich. Wavin verwendet dabei druckfeste PE-Materialien, zertifiziert für Gas (orange) und Trinkwasser (blau), mit höchsten Qualitätsanforderungen. Durch die gravimetrische Mischung der Materialien entsteht der gewünschte grau-grüne Farbton.
Die SDR-17-Bemessung ergibt einen eigenständigen Betriebsdruck von 10 bar. Das Altrohr übernimmt keine verbleibenden Lasten. Mit der Compact Pipe-Installation entsteht ein neues Leitungssystem in der alten Rohrtrasse. Die hochwertigen PE-Druckrohrmaterialen erreichen bis zu 100 Jahren Lebensdauer.

Einzug im freien Biegeradius mit einem Bagela-Trommelanhänger durch die Fa. Stehmeyer + Bischoff
Einzug im freien Biegeradius mit einem Bagela-Trommelanhänger durch die Fa. Stehmeyer + Bischoff
Einzug PE-Rohr

Bedingungen vor Ort

Das vorhandene Altrohr aus Faserzement/AZ wies immer wieder Schäden auf. Mehrere Rohrbrüche waren in den letzten Jahren aufgetreten. Auf Grund der Oberflächenbegebenheiten entschied sich der Netzbetreiber, die Stadt Verden, Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung, für eine durchgängig grabenlose Installation.
Folgende örtliche Randbedingungen waren besonders zu beachten: Die Trasse der Druckrohrleitung verläuft entlang einer Landesstraße unterhalb eines straßenbegleitenden Radweges. Die Leitungstrasse quert zudem einmal die Landesstraße. Die Zufahrt eines Industriebetriebes befindet sich unmittelbar im Bereich des zu sanierenden Leitungsabschnitts. Einschränkungen des laufenden Verkehrs auf der stark befahrenen Landesstraße sowie des Berufsverkehrs waren zu vermeiden.

Im unmittelbaren Bereich der Rohrleitungstrasse sind mehrere längsverlaufende und zu sichernde Versorgungskabel und -leitungen vorhanden. Kabeltrassen liegen direkt neben der Altrohrleitung. Der zu erhaltene Baumbestand machte eine offene Neuverlegung schließlich undenkbar. Dazu kommt die Problematik betreffend des Altrohres.
Die besonderen Randbedingungen und örtlichen Gegebenheiten wurden von der mit der Planung beauftragten Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters mbH (Celle) entsprechend berücksichtigt, so dass die Maßnahme reibungslos und fachgerecht umgesetzt werden konnte.
Compact Pipe im Baugrubenbereich während der Rückverformung
Compact Pipe im Baugrubenbereich während der Rückverformung

Vorteile von Compact Pipe

Die grabenlose Erneuerung zeigte sich als wesentlich wirtschaftlicher als eine Neuverlegung in offener Bauweise. Innerstädtisch erreicht Compact Pipe Kostenersparnisse von bis zu 40% im Vergleich zur offenen Neuverlegung. Der Einzug und die Rückverformung erfolgen an einem Arbeitstag. Die notwendigen Bauzeiten, Tief- und Oberflächenarbeiten reduzieren sich extrem im Vergleich mit der traditionellen offenen Neuverlegung. Die ohnehin kleinen Baugruben und Vorrichtefläche können durch den Einsatz von Trommelware stark minimiert werden. Compact Pipe ist wesentlich ressourcenschonender als die offene Neuverlegung und verringert Anwohnerbelästigungen. Die Betriebssicherheiten und die Lebenserwartungen sind wie bei einer erdverlegten PE-Rohrverlegung anzusetzen.
Weltweit hat sich das Compact Pipe-System in den letzten drei Jahrzehnten für die Rehabilitation von Gas-, Wasser und Abwasser(druck)rohren etabliert. Für Druckrohrleitungen reichen in der Regel mechanische Reinigungen mit Kratzmolchen u.ä. aus. Wichtig für den Erfolg der Installation ist die Sicherstellung des Mindestquerschnittes. Dafür wird die Rohrleitung nach der Reinigung kalibriert. Bei der Installation verbleibt im Gegensatz zum herkömmlichen Reliningverfahren kein Ringraum. Mit dem Compact Pipe-Verfahren lassen sich dadurch größere Querschnittsverluste vermeiden und aufwendige Verdämmungen des Ringraumes entfallen.

Zwangspunkt mit Richtungsänderung ca. 45 Grad nach Installation
Zwangspunkt mit Richtungsänderung ca. 45 Grad nach
Installation

Qualifizierte Verlegung

Für die Installation von Compact Pipe-Rohren erteilt die Wavin GmbH Verlegelizenzen und gibt das Know-how an Lizenznehmer weiter. Weltweit sind fast 30 Bauunternehmen für das Compact Pipe-Verfahren lizensiert. Dadurch werden prozessrelevante Installationsvorgaben optimiert und gesichert.
Seit den 90er Jahren ist die Stehmeyer + Bischoff Berlin GmbH & Co. KG als Lizenznehmer mit dem Compact Pipe-System tätig. Die Baustelle in Verden wurde von der NL Berlin/Halle, Bauleitung Dennis Arndt, durchgeführt.
Die Qualität der Bauausführung durch unterwiesene Lizenznehmer ist entscheidend. In Deutschland weisen Max Bögl, die Geiger Kanaltechnik GmbH & Co. KG, Stehmeyer + Bischoff, die RSC Rohrbau und Sanierungs GmbH Cottbus, die Ludwig Pfeiffer Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG sowie die Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG diese Qualifikationen nach. Bei der Installation durch Rohrleitungsbauunternehmen nach DVGW-GW 301 ist zusätzlich die Zertifizierung nach Gruppe R3 für „Relining mit PE-HD ohne Ringraum, DVGW-GW 320-2“ nachzuweisen.

Friafit-Bauteilanbindungen auf Compact Pipe
Friafit-Bauteilanbindungen auf Compact Pipe

Die Verbindungen

Verschweißungen sind uneingeschränkt nach DVS 2207 in den Schmelzindexgruppen 003 bis 010 möglich. Passende PE-Fittinge sind handelsüblich. Bei dem Projekt in Verden waren drei Längsverbindungen notwendig und eine Molchschleuse wurde eingebaut.
Im Bereich einer nicht dokumentierten Richtungsänderung wurde eine Baugrube erstellt. Hier erfolgte der „Durchzug“ des Compact Pipe, so dass umfangreiche Einbindearbeiten für ein PE-Rohrbogenstück entfallen konnten. Für derartige Verbindungsbereiche, Hausanschlüsse und Formteilanbindungen ist das Friafit-Abwassersystem führend. Diese handelsüblichen PE-Fittinge sind speziell auf PE-Verformungsverfahren zugeschnitten. Auch der Einbau einer Molchschleuse wurde realisiert. Das Schuhstück wurde durch Flanschverbindungen in die neue PE-Rohrleitung eingebunden.

Grabenlose Rehabilitationen

Fast 30 Jahre gibt es PE-Verformungsverfahren wie das „Wavin Compact Pipe“. Ca. 2,5 Millionen Meter sind allein mit diesem Verfahren nach der Fertigung im Wavin-Werk Twist weltweit installiert worden. Auch alle anderen Anbieter für Verformungsverfahren sind in Deutschland zu finden und exportieren einen Großteil ihres Portfolios.
Weltweit besteht wachsender Bedarf, Trinkwasser-, Gas- und Abwasserdruckrohrleitungen grabenlos zu rehabilitieren. Der Hauptfokus in Deutschland ist jedoch immer noch die drucklose Kanalsanierung. Seit Jahren prognostiziert man den Bedarf und weist auf die Alterung der innerstädtischen Druckrohrnetze hin. Es gibt nur wenige ganzheitliche Konzepte für grabenlose Rohrnetz-Rehabilitation bei Versorgungsunternehmen. Innerdeutsch ist die Rehabilitation deshalb ein Projektgeschäft und zeigt dadurch selten die machbaren Einsparungen auf, denn alle Aufwendungen sind auf die jeweilige Projektlänge umzulegen.

Blick in das schadhafte Asbestzementrohr und das neue PE-Rohr Compact Pipe
Blick in das schadhafte Asbestzementrohr und das neue PE-Rohr Compact Pipe | Fotos: Wavin

In unseren Nachbarländern und in vielen asiatischen Metropolen ist der öffentliche Druck Kosten, Verkehr und Anwohnerbelästigungen zu vermeiden wesentlich größer. Es entsteht sehr viel schneller öffentlicher Unmut, wenn Bauarbeiten in offener Bauweise durchgeführt werden. Hier ist für den Eingriff in den öffentlichen Nahverkehr zu zahlen. Tiefbauarbeiten mit Beeinflussungen im Verkehrsbereich sind gebührenpflichtig. Deutlich wird dies in einem Youtube-Video.

Fazit

Auch auf der Projektlänge von ca. 500 m zeigt sich in Verden, wie Kosten und Aufwendungen einzusparen sind. Ein Blick in die rehabilitierte Rohrleitung zeigt die glattwandigen und verbindungsfreien Rohrabschnitte. Die Querschnittsreduzierung ist durch die Close-fit-Installation gering und für die Betriebssicherheit bzw. statischen Belastungen ist das Altrohr aus Asbestzement nicht mehr nötig.

Weitere Infos unter Tel.: 05936/12231 oder im Internet (auch Projektierungshilfen, Ausschreibungsunterlagen, technische Spezifikation und weltweite Anwendungsbeispiele)