Keine Einigung: Bau-Tarifverhandlungen in dritter Runde abgebrochen

BERLIN, 26.06.2020 – Auch in der dritten Runde haben die Tarifverhandlungen für die rund 850.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe kein Ergebnis gebracht. Bereits am Mittag wurden die Gespräche gestern ergebnislos abgebrochen. Die Gewerkschaft wird nun voraussichtlich die Schlichtung anrufen.

von Britta Brinkmeier

Betonage auf einer Baustelle in Ehingen
Die Lohn- und Gehaltsverhandlungen für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe wurden in der dritten Verhandlungsrunde abgebrochen. | Foto: Meva
Es sei nicht möglich gewesen, zu einer Annäherung zu kommen, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber Uwe Nostitz. Die Arbeitnehmerseite habe beharrlich an ihrer Forderung zur Wegezeitenvergütung festgehalten. Seit Jahrzehnten bestünden aber branchenspezifische Lösungen, durch die die Fahrt- und Wegezeiten berücksichtigt und vergütet würden. Die tariflichen Regelungen dazu hätten sich in der Praxis bewährt, so Nostiz.

ZDB-Vizepräsident Uwe Nostiz, Verhandlungsführer Arbeitgeber
„Dass die Gewerkschaft die Entwicklung der baukonjunkturellen
Lage in keinster Weise anerkennt und die Branche
für Corona-immun hält, machte eine Einigung unmöglich."
Uwe Nostiz | Foto: ZDB

Nicht vereinbar waren auch die Auffassungen von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern zur konjunkturellen Entwicklung am Bau und die Folgen der Corona-Krise. „Dass die Gewerkschaft die Entwicklung der baukonjunkturellen Lage in keinster Weise anerkennt und die Branche für Corona-immun hält, machte eine Einigung unmöglich“, sagte Nostiz. Man habe der Gewerkschaft ein „Signal für eine tarifliche Corona-Zahlung“ gegeben, ergänzte Jutta Beeke, Co-Vorsitzende der Verhandlungskommission der Arbeitgeber. Das habe die Gewerkschaft aber nicht für einen intensiveren Austausch genutzt.

IG Bau: Corona als Argument „nur vorgeschoben“

Die IG Bau warf der Arbeitgeberseite eine „Blockadehaltung“ vor. Sie habe überhaupt kein Angebot gemacht. Die Arbeitgebervertreter hätten eine Reduzierung der Lohnforderung und den Verzicht auf die Forderung einer Wegezeitentschädigung zur Vorbedingung für ein Angebot gemacht. Das sei „unzumutbar“, sagte IG BAU- Verhandlungsführer Carsten Burckhardt. Die Corona-Pandemie werde immer wieder nur vorgeschoben, „um  Baubeschäftigte nicht an der positiven Entwicklung zu beteiligen“.
Die Verhandlungskommission der Gewerkschaft will ihrem Bundesvorstand nun empfehlen, die Tarifverhandlungen für gescheitert zu erklären und die Schlichtung anzurufen.

Es wäre die dritte Tarifrunde in Folge, in der die Tarifpartner der Baubranche in die Schlichtung gehen. Eine reguläre Einigung bei Lohn- und Gehaltsverhandlungen hatte es zuletzt im Jahr 2016 gegeben.