Konjunktur: Auftragspolster im Baugewerbe schmilzt ab

KIEL/BERLIN/SCHWERIN, 01.07.2020 – Nur langsam hinterlässt das Coronavirus seine Spuren auch in der Baubranche. Im April sind die realen Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,3 % zurückgegangen, bewegen sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Stärkere Auswirkungen der Krise am Bau erwartet der ZDB erst im zweiten Halbjahr.

Hotelbaustelle am Holstenfleet in der Kieler Innenstadt
Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen trüben sich am Bau
langsam ein. Bei den Auftragseingängen gab es aber immerhin
den zweithöchsten Aprilwert seit 1991. | Foto: BB/B_I

„Der Rückgang der Auftragseingänge im April um real -5,3 Prozent ist alarmierend und dämpft die Erwartungen an das zweite Halbjahr erheblich“, sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) zu den aktuellen Konjunkturdaten für das Bauhauptgewerbe für den April (Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten). Danach hat besonders der Orderzugang im anteilsstarken Hochbau gelitten (nominal -10 Prozent).  Betroffen sind vor allen Dingen der Wohnungsbau (ca. -12 Prozent) und der Gewerbehochbau (ca. -9 Prozent). Aus dem öffentlichen Hochbau gehen seit drei Monaten weniger Aufträge ein.

Im Vergleich zum März war der reale (preisbereinigte) Auftragseingang nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im April saison- und kalenderbereinigt 2,7 % höher. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich sank das reale Volumen der saison- und kalenderbereinigten Auftragseingänge von Februar bis April 2020 gegenüber November 2019 bis Januar 2020 um 11,9 %. Diesen Rückgang führen die Statistiker hauptsächlich auf die außergewöhnlich hohen Auftragseingänge im November zurück.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank der reale Auftragseingang in den ersten vier Monaten des Jahres 2020 kalenderbereinigt um 3,6 %. Neben den genannten Basiseffekten zum Jahresbeginn 2019 könne für diese Entwicklung auch ursächlich sein, dass Unternehmen geplante Bauvorhaben wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit in der Corona-Krise zurückgestellt hätten, heißt es von Destatis. „Zu Beginn der Corona-Krise haben die Unternehmen gemeinsam mit ihren Beschäftigten den Baubetrieb unter großen Anstrengungen aufrechterhalten. Nun wird mehr und mehr sichtbar, dass der Branche der pandemiebedingte Einbruch noch bevorsteht“, so Pakleppa.

Immer noch der zweithöchste Aprilwert

Trotz des Rückgangs bewegen sich die Ordereingänge noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Nominal (nicht preisbereinigt) betrug der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im April rund 7,4 Milliarden Euro, das waren wegen der gestiegenen Baupreise nur 2,3 % weniger als im April 2019 (7,6 Milliarden Euro). Aber, so das Statistische Bundesamt, das sei nach dem Rekordergebnis des Vorjahres immer noch der zweithöchste Aprilwert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991.

Das zeigt sich auch an den Umsatzzahlen. Allerdings wird auch hier ein Tempoverlust erkennbar. Lagen die Zuwachsraten in den ersten drei Monaten des Jahres noch zwischen 11 Prozent und 14 Prozent, waren es im April nur noch +3,7 Prozent.
Damit die Baubranche als Konjunkturlokomotive schnell wieder Fahrt aufnehmen könne, seien vor allem die Kommunen als wichtigster öffentlicher Auftraggeber gefordert, so Pakleppa.

Mecklenburg-Vorpommern holt auf

Durch Auftragsvorläufe aus dem Vorjahr ist auch die Bauwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern gut in das neue Jahr gestartet. Die Umsätze und die Auftragseingänge haben sich hier im Zeitraum Januar bis April 2020 insgesamt positiv entwickelt.

Die Umsätze aller Bausparten belaufen sich in diesem Zeitraum auf ein Plus von fast 10 %. Dazu trug vor allem der Wohnungsbau mit einem Plus von 19,4 % bei. Der Wirtschaftsbau und der öffentliche Bau haben sich immerhin mit 7,7 % und 3,8 % Steigerung im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls positiv entwickelt. Hier zeigen sich statistische Effekte: Im Unterschied zur allgemeinen Baukonjunktur muss man in Mecklenburg-Vorpommern von einer niedrigeren Basis ausgehen. Ebenso bei den Auftragseingängen. Sie sind mit einer Steigerung von 25,4 % zum Vorjahreszeitraum ein Hoffnungsschimmer für die Branche. Es sei offensichtlich, so Hauptgeschäftsführer Jörg Schnell vom Bauverband Mecklenburg-Vorpommern, dass sich die Coronakrise zum genannten Zeitpunkt nicht so signifikant wie befürchtet ausgewirkt habe.

Überdurchschnittliche Aufträge hat hier die öffentliche Hand ausgelöst, auch der Wirtschaftsbau war mit fast 16 % Steigerung zum Vorjahreszeitraum an der Auftragssteigerung beteiligt. Sorgen bereitet dagegen der Wohnungsbau mit einem Minus von 16 %.


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