Rohre und Schächte für Baugebiet: Verlegung unter topografischen Herausforderungen

TWIST, 1.7.2020 – Die beengten Platzverhältnisse und die komplexe topographische Ausgangssituation im Rahmen einer innerstädtischen Erschließungsmaßnahme im niedersächsischen Bad Bentheim stellten alle Beteiligten vor eine schwierigen Aufgabe. Hier galt es bei der Rohr- und Schachtverlegung eine Baulösung zu finden, die den Gegebenheiten vor Ort optimal Rechnung trug.

Komplexe topographische Ausgangslage in Bad Bentheim
Komplexe topographische Ausgangslage in Bad Bentheim

Bauland wird bekanntermaßen immer knapper. Um nicht immer neue und größere Flächen in zunehmendem Maße zu versiegeln, ist es oftmals zielführend, auch kleinere Baulücken zunächst zu schließen. Hierfür bedarf es aber Systemlösungen, die auch unter logistisch anspruchsvollen Bedingungen auf engstem Raum gut bewegt und verbaut werden können. Leichtes Handling vor Ort wird dabei zum wesentlichen Entscheidungskriterium für die Durchführbarkeit einer Baumaßnahme auf unwegsamem Gelände.

Sicher am Hang gebaut

Die besondere bauliche Herausforderung in dem an den Grenzen zu Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden gelegenen Kurort bestand zunächst in einer Lückenbebauung unter sehr beengten Platzverhältnissen. Erschwerend zu der dichten Nachbarbebauung kam die Hanglage des Grundstücks hinzu. Der Einbau der Rohr- und Schachtsysteme hatte deshalb, nachdem zuvor vorhandene Schmutzwasserleitungen verlegt worden waren, unter topographisch sehr anspruchsvollen Bedingungen zu erfolgen. Somit war ein höchst mögliches Maß an Flexibilität bei der Realisierung der Rohr-, Schacht- und Anschlusslösungen gefordert. Die von der Wavin GmbH in Bad Bentheim zur Verfügung gestellten Systemlösungen konnten diesen Anforderungen vollumfänglich gerecht werden.

Hochlastkanalrohrsystem

Bei der Auswahl der Baustoffe legt der Trink- und Abwasserverband Schüttorf stets großen Wert auf die hohe Qualität der eingesetzten Systemlösungen. Schon seit Langem vertraut der Verband deshalb auf das Hochlastrohrsystem Acaro PP von Wavin. Das robuste Vollwandrohr aus hochmodularem Polypropylen (PP-HM) verfügt über eine nahezu porenfreie, glatte Oberfläche, bietet optimale hydraulische Eigenschaften und verhindert Ablagerungen. Das umfangreiche Programm bietet ein breites Einsatzspektrum – ob als Abwasserrohrsystem in der Schmutz- oder Mischwasserentwässerung (braun) oder als Regenwasserrohrsystem mit blauen durchgefärbten Rohren in der Trennkanalisation.
Zudem bietet das patentierte Acaro-Dichtsystem nicht nur geringe Einsteckkräfte, sondern auch eine nachweislich hohe Dichtsicherheit. Die verschiebesichere Dichtung aus EPDM, die bei Bedarf zum Reinigen oder Austausch herausgenommen und wieder eingelegt werden kann, ist mit bis 5 bar Druck und 0,8 bar Vakuum durch externe Institute geprüft.
Dank all dieser Eigenschaften lassen sich mit Acaro PP laut Hersteller wirtschaftliche Kanalnetze mit einer Lebensdauer von 100 Jahren erstellen. In Bad Bentheim kamen 500 m Acaro PP DN 160 bis 400 Schmutz- und Regenwasser zum Einsatz.

Großraumschacht Tegra 1250 mit 2 Abstürzen
Großraumschacht Tegra 1250 mit zwei Abstürzen

Sichere beständige Schächte

Für die zu realisierenden Schachtlösungen setzte der Trink- und Abwasserverband Schüttorf auf das Tegra-Schachtsystem. Zum Einsatz kamen insgesamt 20 Schächte (Tegra 425 PP, Tegra 600 PP, Tegra 1000 und der neue Großraumschacht Tegra 1250 PE). Allen Ausführungen gemein ist das gewellte Schachtrohrdesign. Dieses bietet optimalen Schutz vor Bodensetzungen, die etwa durch Schwerlastverkehr oder auch Bergsetzungen auftreten können. Die ausgereifte Konstruktion von Schachtboden und Konus gewährleistet eine hohe Langlebigkeit und Dichtsicherheit. Die Gesamtkonstruktion erlaubt daher auch den Einsatz bei großen Einbautiefen, hohen Grundwasserständen und im Bereich von Schwerlastverkehr. Zudem war der Auftraggeber überzeugt von der hohen Korrosionsbeständigkeit des Schachtsystems, von der außergewöhnlichen Funktionssicherheit sowie von der mit 50 Jahren angegebenen bewährten Lebensdauer.
Um auch die Planung der Schächte zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu begleiten, erhielt das Ingenieurbüro Lindschulte vor Ort Unterstützung vom Planungsbüro der Wavin GmbH in Twist, das die Ausführung mithilfe von Fertigungszeichnungen veranschaulicht hat.

Wenig Platz beim Einbau
Wenig Platz beim Einbau | Fotos: Wavin

Flexibel dort, wo es drauf ankommt

Die in Bad Bentheim dringend erforderliche Flexibilität stellte Wavin durch die patentierten Kugelgelenkanschlüsse am Schachtkörper sicher. Eine horizontale Abwinkelung von 15° und vertikale Abwinkelung von 13° für die Gefällestrecke boten dem Bauunternehmen eine einfache Handhabung für die komplexen Anforderungen vor Ort. Geringere Durchmesser bei den Schächten und Rohren waren weitere Vorteile angesichts der beengten Verhältnisse.
Ein problemloser Einbau wurde durch das verhältnismäßig leichte Acaro-Rohrsystem sichergestellt. Ein Kran war nicht notwendig, um die kompakten und platzsparenden Systeme nach den anerkannten Regeln der Technik zu installieren.

Zum Abschluss der Baumaßnahme in Bad Bentheim zeigten sich alle Baubeteiligten sehr zufrieden über die reibungslose Abwicklung. Auf Basis der von Wavin zur Verfügung gestellten Systemkomponenten konnte nicht nur der vorgegebene Zeit- und Kostenplan mühelos eingehalten werden, es konnte auch ein sicheres und dichtes Teilstück im Kanalnetz realisiert werden, das durch den Einsatz korrosionssicherer und hydraulisch glatter Werkstoffe nun mit nur geringem Wartungsaufwand über viele Jahre sicher betrieben werden kann.