Horizontalwachsende Bäume auf einem vertikalen Garten: Fassadengarten der Universität Hohenheim mit drei waagrecht rotierenden Bäumen zieht um an den Rotebühlplatz.
Horizontalwachsende Bäume auf einem vertikalen Garten: Fassadengarten der Universität Hohenheim mit drei waagrecht rotierenden Bäumen zieht um an den Rotebühlplatz. | Foto: Corinna Schmid

Vertikaler Garten in Stuttgart

STUTTGART, 06.07.2020 – Am VHS-Gebäude auf dem Stuttgarter Rotebühlplatz entstand im Mai ein ganz besonderes Projekt: der vertikale Fassadengarten des Hohenheimer Startups Visioverdis. Visioverdis zielt auf eine innovative Begrünung von Städten und Mega-Citys ab: Wo Platz für Parks fehlt, können grüne Gebäudefassaden etabliert werden.

Die Pflanzenwände wirken als Lärmdämpfer, binden Kohlenstoffdioxid, verbessern die Luftqualität und haben im Sommer eine kühlende Wirkung. Bis März 2020 war die Installation auf dem Campus der Universität Hohenheim in Stuttgart zu bestaunen. Jetzt soll sie dauerhaft in der Stuttgarter Innenstadt bleiben.

Zum 200. Universitätsjubiläum stand die Pflanzenfassade mit 3 waagrechten, rotierenden Bäumen auf dem Hohenheimer Campus. Im Mai stand dann der Umzug zum Rotebühltreff am Rotebühlplatz an. Die Stadt Stuttgart hat die 8,50 Meter lange und 3,50 Meter breite Garteninstallation gekauft. Diese wurde auf zehn Meter Höhe freihängend installiert. „Das Bedürfnis, Großstädte begrünen zu wollen, wächst stetig. Nicht nur die Stadt Stuttgart, sondern auch Firmen aus anderen Städten und aus dem Ausland kontaktieren uns“, sagt Dr. Alina Schick, Gründerin und Geschäftsführerin von Visioverdis.

Das Besondere des Fassadengartens besteht darin, dass die Ligusterbäumchen rotieren: Durch die Rotation verändert sich für die Pflanzen die Schwerkraft- und Lichtwahrnehmung, sodass diese stets horizontal wachsen. Pro Minute sind es zwischen 0,1 und 1,6 Umdrehungen. Zudem bleiben die Bäume klein, es wachsen dafür mehr grüne Blätter als bei der herkömmlichen Pflanzung.

Autonome Pflanzen mit sensorgesteuerter Bewässerung
GraviPlant nennt Visioverdis diese Idee, um Großstädte mit wenig Raum zu begrünen. Seit 2011 forscht Dr. Schick an den waagerecht wachsenden Pflanzen und entwickelte ein Technologie-Konzept: Die Fassaden sind mit LAN, Wasser- und Stromleitung verbunden, sodass die Pflanzen automatisch versorgen werden. Sensoren steuern Bewässerung, Rotation und LED-Beleuchtung. Hinter Visioverdis Philosophie steckt die Gestaltung eines modernen, attraktiven Stadtbilds, vor allem aber die Verbesserung der Luftqualität: Mehr Pflanzen filtern mehr Schadstoff und produzieren zusätzlichen Sauerstoff. GraviPlants könnten deshalb vor allem für die Mega-Citys im asiatischen Raum eine Lösung sein.

Grüne Klimaanlagen mit geringem Energiebedarf
„Das botanische Potential der Pflanzen wird oft vergessen. GraviPlants sind omnipotent, also echte ‚Allrounder’: Im Vergleich zu Klimaanlagen, benötigen sie weniger Energiekosten, bezwecken neben der Fassadenkühlung aber auch Luftreinigung, fungieren als Feinstaubfilter und haben einen ästhetischen Anblick,“ sagt Schick. Die promovierte Agrarwissenschaftlerin und Gravitationsbiologin hat sich bereits 2009 mit der Schwerkraftwahrnehmung von Pflanzen auseinandergesetzt, indem sie Pflanzen mit Hilfe von Waschmaschinenmotoren drehte.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn freut sich über die Verschönerung auf dem Rotebühlplatz: „Die Stadt wird im Sommer heißer, sodass wir zur Kühlung mehr Grün ausbringen müssen. Mich freut besonders, dass wir für den Fassadengarten eines Stuttgarter Start-Ups einen so prominenten und geeigneten Standort am Rotebühlplatz gefunden haben.“ Bereits auf dem Campus der Universität Hohenheim sorgte der vertikale Garten für Aufmerksamkeit und Reflexion über grüne Stadträume. Dr. Schick hofft auf eine ähnliche Reaktion bei den vorbeigehenden Bürgern in der Innenstadt.


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