Transporter im Mini-Format

KIEL, 28.07.2020 – Die kompakten Stadtlieferwagen sind flink, wendig und bieten erstaunlich viel Platz. Sie ergänzen häufig die Flotte der schweren Transporter im Garten- und Landschaftsbau. Die Auswahl ist groß, wie der Überblick zeigt.

Von Frank Hausmann

Der Peugeot Partner hat noch drei baugleiche Geschwister bei Citroën, Opel und Toyota.
Der Peugeot Partner hat noch drei baugleiche Geschwister bei Citroën, Opel und Toyota. | Fotos: Hersteller
Zugegeben, für die großen und schweren Dinge des GaLaBau-Alltags sind die kleinen Kompaktlieferwagen mit rund 2 t zulässigem Gesamtgewicht wenig geeignet. Kaum einer der Pkw-ähnlichen Nutzfahrzeuge kann 1 t Nutzlast bieten und schießt sich damit ins Abseits, wenn Natur- oder Betonsteine in größerer Zahl oder gar Schotter und Kies zur Baustelle gebracht werden müssen. Bei Pflanzen, Kunststoffbelägen oder Werkzeugen wie einer Rüttelplatte sieht die Sache aber ganz anders aus. Ihr Bauch fasst trotz der geringen Außenmaße recht viel Ladung. Ganze Europaletten oder gar zwei davon mit Sackware wie Pflanzsubstrate schlucken ihre Frachträume.

Zur Beladung gibt’s standardmäßig eine rechte Schiebetür, gegen Mehrpreis manchmal sogar eine zweite auf der linken Seite. Das Heckportal geben Doppelflügeltüren oder eine Heckklappe frei. Bei langen Gegenständen hilft die so genannte Leiterklappe im Dachbereich, die der eine oder andere Hersteller optional anbieten kann. Und haben die Großmeister wichtiges Arbeitsgerät vergessen zum Einsatzort mitzunehmen, können die flinken Winzlinge im Handumdrehen nachliefern. Mit ihren handlichen Abmessungen und potenten Antrieben bahnen sie sich in Windeseile ihren Weg durch gedrängten Stadtverkehr und engen Nebenstraßen.
Seit Ende April ist der neue Toyota Proace City bei den Händlern.
Seit Ende April ist der neue Toyota Proace City bei den Händlern.

Während der neue VW Caddy der 5. Generation noch bis Herbst dieses Jahres auf sich warten lässt, ist Ende April der Toyota Proace City als Kastenwagen und als Pkw-Variante Verso frisch bei den Händlern eingetroffen. Damit trägt die Nutzfahrzeug-Kooperation von Peugeot, Citroën und Opel (PSA-Gruppe) erste Früchte. Das „Raumwunder“ ist in zwei Karosserielängen (4,40 und 4,75 m) zu haben. Die optionale Durchlademöglichkeit nennt sich „Smart Cargo“ und bietet Ladelängen bis 4,40 m in der langen Version. Den Antrieb besorgen Verbrenner (Benziner und Diesel) mit 75 bis 130 PS aus dem PSA-Konzern. Für 2021 ist eine Elektrovariante in Aussicht gestellt. Manuelle Fünf- oder Sechsganggetriebe sowie eine 8-Stufen-Automatik übertragen die Kraft an die Räder. Das Ladevolumen misst zwischen 3,3 und 4,3 m3, die maximale Zuladung beträgt bis zu 1,0 t. Preislich startet der Proace City bei 16.220 Euro netto.
Den Citroën „Berlingo“ (Foto) und „Partner“ Kastenwagen gibt es ab 2021 auch mit Elektromotor.
Den Citroën „Berlingo“ (Foto) und „Partner“ Kastenwagen gibt es ab 2021 auch mit Elektromotor.

Was bei Toyota der Proace City ist, heißt bei Citroën Berlingo, bei Peugeot Partner und bei Opel Combo. Die Karosserie aller vier ist im Prinzip identisch. Nur die Front der Stadtlieferwagen wurde dem jeweils eigenen Stil der Marke angepasst. Da sich die technischen Features und Abmessungen gleichen, nehmen auch alle Modelle auf maximal 3,44 m Ladelänge zwei Europaletten quer auf. Der Platz zwischen den Radkästen reicht dafür aus. Naturgemäß variieren die Preise, wenn auch nur leicht. So ist der Citroën ab 16.330 Euro, der Peugeot ab 16.580 Euro und Opel ab 16.850 Euro zu haben. Neu bei Opel: Der Combo Cargo kann jetzt mit Allradantrieb und mehr Bodenfreiheit geliefert werden. Dafür gibt es den Citroën Berlingo und den Peugeot Partner als Kastenwagen bald auch mit Elektromotor. Sie lassen Höchstgeschwindigkeiten bis 110 km/h zu. Die Reichweite geben die Hersteller mit 170 km an.

Den Kangoo Rapid verkauft Renault mit zwei seitlichen Schiebetüren.
Den Kangoo Rapid verkauft Renault mit zwei seitlichen Schiebetüren.
Auch RenaultMercedes und Nissan machen in dieser Klasse gemeinsame Sache. Das Original – der Renault Kangoo Rapid – kennzeichnen zwei Karosserievarianten, zwei seitliche Schiebetüren und Doppelflügeltüren hinten. Die Ladelänge reicht in der Maxi-Version bis 2,88 m, das Laderaumvolumen bis 4,6 m3. Sämtliche Modelle sind auch mit Beifahrerdoppelsitzbank erhältlich. Die Zuladung liegt bei gut 700 kg. Der 1,5 l großer Diesel mit Common-Rail-Einspritzung leistet wahlweise 80, 95 oder 116 PS. Darüber hinaus steht der elektrisch angetriebene Renault Kan-goo in Standard- und Maxi-Version als Z.E. mit 270 km Reichweite zur Verfügung. Der 44 kW starke Elektromotor wird dabei von einem 33-kWh-Akku gespeist.
Der nächste Renault Kangoo steht schon in den Startlöchern. Noch in 2020 soll die neue Generation des Renault Kangoo Rapid und Renault Kangoo Z.E. folgen. Das heißt automatisch auch Modellwechsel für den Mercedes Citan und den noch jungen Nissan NV250. Erst im Herbst 2019 hat Nissan die Ablösung NV250 für den betagten Vorgänger NV200 ins Rennen geschickt. Den gibt es jetzt nur noch auf unbestimmte Zeit in der elektrischen Variante als e-NV200 im Nissan-Programm. Die Basisdaten des NV250 haben sich gegenüber dem Kangoo Rapid nicht verändert: zwei Radständen, zwei Karosserievarianten und Diesel-Motorisierung in den genannten Leistungsstufen. Das zulässige Gesamtgewicht reicht bis 2,2 t, die Nutzlast bis 719 kg. Die Nettopreise beginnen bei 18.490 Euro. Nissan bietet für den NV250 eine Fünf-Jahres-Garantie bis 160.000 km – ein Novum in dieser Klasse.
Mit dem Modellwechsel bei Renault bringt auch Mercedes einen Nachfolger für den Citan. Der wird bei Renault-Nissan entwickelt und soll auch in einer Elektroversion auf den Markt kommen. Die E-Plattform von Renault-Nissan bietet einen 52-kW-Elektromotor und Batteriepakete für maximal 400 km Reichweite.
Der Mercedes Citan basiert auf dem Renault Kangoo, der noch in diesem Jahr erneuert wird.
Der Mercedes Citan basiert auf dem Renault Kangoo, der noch in diesem Jahr erneuert wird.
Etwas in die Jahre gekommen ist inzwischen auch der Fiorino, dessen 6. Generation Fiat in 2016 vorgestellt hat. Damals frischten die Italiener Karosserie- und Innenraum auf und verpassten ihrem kleinsten Lieferwagen mit 2,8 m3 Ladevolumen und 660 kg Nutzlast neue Motoren und auf Wunsch eine automatisierte Schaltung. Unter der Hauber trägt der Italiener einen 1,3-l-Diesel mit 80 oder 95 PS. Dazu gesellt sich ein 1,4-l-Benziner mit 77 PS sowie eine Erdgasvariante. Das bivalente Triebwerk Natural Power arbeitet wahlweise mit Benzin oder Erdgas (CNG) und leistet 70 PS. Der Fiat Fiorino kommt in zwei Karosserievarianten (Cargo und Kombi) auf die Straße.
Der Nissan NV250 hat den Vorgänger NV200 abgelöst.
Der Nissan NV250 hat den Vorgänger NV200 abgelöst.
Ford tritt in diesem Segment mit einem Doppelangebot aus einem kleinen und einem mittleren Stadtlieferwagen am Markt an. Seit Sommer 2018 ist der aktuelle Ford Transit Courier für den gewerblichen Einsatz verfügbar. Ihn treiben ein 1,5 l großer TDCi-Turbodiesel mit 75 und 100 PS so-wie ein 1,0-l-EcoBoost-Benziner mit 100 PS an. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder erfolgt jeweils mittels Sechsgang-Handschaltgetriebe. Der Laderaum misst 2,4 m3, die Zuladung von Kastenwagen und Kombi beträgt maximal 550 kg. Etwas größer kommt der Ford Transit Connect daher. Ihn gibt es zusätzlich mit einem 120-PS-Diesel, für den optional eine Achtgangautomatik bereitsteht. Alle Dieselmotoren gehorchen der Euro 6d-TEMP-Abgasnorm. Dafür sind ein SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung nötig. Zwei Radstandvarianten erlauben Transportvolumina von 2,9 bis 3,6 m3 und Nutzlasten zwischen 514 und 828 kg. Dank Durchladeöffnung in der Stirnwand und variabel klappbarer Beifahrer-Doppelsitz lässt sich die nutzbare Ladelänge auf 3,0 beziehungsweise 3,4 m erweitern.
Der aktuelle Fiat Fiorino ist seit 2016 auf dem Markt und schon etwas angestaubt.
Deutschlands günstigstes Nutzfahrzeug dürfte der Dacia Dokker Express sein. Die rumänische Renault-Tochter spielt auf dem deutschen Markt auch in diesem Segment die Rolle des Preisbrechers. Der Stadtlieferwagen kann mit einem Einstiegspreis von 9.900 Euro netto punkten. Dafür darf der Kunde eine zweckmäßige, aber keinesfalls üppige Ausstattung erwarten. Bremsassistent mit ESP und ABS, Berganfahrhilfe und Zurrösen im Laderaum sind aber Serie. Technisch basiert das Modell auf dem Lodgy. Der Familien-Van stiftet auch die Motoren. Der Selbstzünder leistet 75 oder 95 PS und der Benziner bringt es auf 102 oder 131 PS. Die Autogas-Version ist nicht mehr im Pro-gramm. Der Laderaum fasst maximal 3,9 m3 Volumen, 3,3 m3 ohne das Easy-Seat-System. Die Nutzlasst gibt Dacia mit 675 kg an, die maximale Ladelänge mit 3,11 m. Der Transport von Europaletten in Längsrichtung ist möglich. Die Hecktüren öffnen bis zu 180° weit. Ab Werk gibt es eine seitliche Schiebetür rechts und asymmetrische Heckflügeltüren.
Der Ford Transit Courier hat ein Ladevolumen von 2,4 m3 und ist etwas kleiner als der Transit (3,6 m3).
Der Ford Transit Courier hat ein Ladevolumen von 2,4 m3 und ist etwas kleiner als der Transit (3,6 m3).
Auf der anderen Seite der Preisskala dürfte der neue VW Caddy Cargo stehen, der in seiner jetzt 5. Generation ab Herbst bei den Händlern steht und dessen Preis die Wolfsburger noch nicht verraten haben. Den VW Caddy Cargo flankiert eine batterieelektrische Variante, die aber nicht auf den VW-Fließbändern, sondern beim Tuner ABT als e-Caddy auf Basis des Vorgängermodells entsteht. Bald nicht mehr gebaut wird der Streetscooter. Für die Fertigung der kleinen Stromer „Work“ mit 68-kW-Elektromotor, bis zu 1 t Nutzlast und 159 km Reichweite sowie für seine großen Brüder hat die Post einen Käufer gesucht und nicht gefunden. Ende des Jahres läuft die Produktion daher aus. In die Bresche springen mehr und mehr die etablierten Transporter-Hersteller, die sukzessiv mit mehr Elektromodellen auf den Markt drängen.



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