Aktuelle Umfrage zur Wasserversorgung: Deutsche sehen Staat in der Verantwortung

FRANKFURT A.M., 28.7.2020 – 65% der Deutschen glauben, dass der Staat für die Bereitstellung von sauberem Wasser verantwortlich ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle internationale Verbraucherumfrage – beauftragt von Kemira, einem führenden Anbieter von Wasseraufbereitungschemikalien in Europa.

Kemiras Umfrage, die von einem unabhängigen Forschungspartner durchgeführt wurde, zeigt auch, dass mehr als 50% der befragten Deutschen Dürre für eine große oder sehr große Bedrohung der Wasserressourcen halten. Wissenschaftler haben aufgrund des Klimawandels vor häufigeren Dürren in Deutschland gewarnt. Im Juni dieses Jahres sank der Wasserstand in Rhein, Donau und anderen Flüssen auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten.
Die anhaltende Dürre führt auch zu wirtschaftlichen Bedenken, beispielsweise in der deutschen Landwirtschaft, wo staubtrockene Felder in vielen Regionen zur neuen Realität geworden sind. Die äußerst trockenen Sommer in den Jahren 2018 und 2019 haben an vielen Standorten in Deutschland zu einer deutlichen Verringerung der Bodenwasservorräte, sowie zu einer Beeinträchtigung der Grundwasserneubildung geführt. Insbesondere in weiten Teilen Brandenburgs, Niedersachsens und Nordbayerns besteht ein langfristiges Dürrerisiko.

Sauberes Wasser ist in vielen Ländern die wichtigste heimische Ressource. In Deutschland vertrauen 73 % auf die Qualität des Leitungswassers als Trinkwasser am jeweiligen Wohnort.
Sauberes Wasser ist in vielen Ländern die wichtigste heimische Ressource. In Deutschland vertrauen 73 % auf die Qualität des Leitungswassers als Trinkwasser am jeweiligen Wohnort. | Foto: Kemira

Wasserrückgewinnung

Eine Möglichkeit, den negativen Auswirkungen der klimatischen Veränderungen für die Landwirtschaft zu begegnen, ist die sogenannte Wasserwiederverwendung. Sie wird auch als Wasserrückgewinnung bezeichnet und beschreibt in der Regel den Prozess der Verwendung von gereinigtem kommunalem Abwasser in der landwirtschaftlichen Bewässerung, in industriellen Prozessen oder in sonstigen Anwendungen, in denen kein Trinkwasserstandard erforderlich ist.
In Deutschland wird in vielen Industriebereichen bereits eine Wiederverwendung von Wasser praktiziert. „Zukünftig wird die Wasserwiederverwendung in Deutschland aufgrund der klimatischen Entwicklung eine noch höhere Bedeutung bekommen, insbesondere in der Landwirtschaft. Für die Praxis sind noch verschiedene Fragen offen, insbesondere auch bezüglich der Kosten, speziell der in der Regel nötigen Hygienisierung, die dann von den Nutzern zu tragen wären“, so Johannes Lohaus, Sprecher der Bundesgeschäftsführung der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.).
Eine im Mai verabschiedete EU-Verordnung über „Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwendung“ legt Mindeststandards fest, um die Qualität von wiederverwendetem Wasser zu gewährleisten. Deutschland hat drei Jahre Zeit, die neue Verordnung umzusetzen, wobei die Wiederverwendung als solches nicht zwingend vorgeschrieben wird. Vielmehr werden Reinheits-Standards definiert, die der Gewährleistung von Qualität und Sicherheit – insbesondere in der landwirtschaftlichen Bewässerung – dient. Die Bundesregierung hat bisher noch nicht angedeutet, wie und wann sie handeln wird, um nationales Recht mit der neuen EU-Vorschrift in Einklang zu bringen. Da jedoch laut Umfrage zwei Drittel der Deutschen sagen, die Menschen seien zu sorglos im Umgang mit Wasser, kann die Regierung vermutlich auf öffentliche Unterstützung für entsprechende Maßnahmen hoffen.

Michael Patzke
Michael Patzke

Technisch saubere Lösungen

Laut Kemira, das zahlreiche deutsche Städte in dem Bereich der Trinkwasser- und Abwasserreinigung beliefert, können Wasserversorger bereits bewährte Wasserchemie nutzen, um die neuen Standards sicher zu erfüllen. „Kemira unterstützt eine Strategie zur Klimaanpassung mit einem integrierten Schwerpunkt auf Wasserwiederverwendung“, sagt Michael Patzke, Vertriebsleiter bei Kemira Deutschland. „Unsere Produkte machen eine technische Umsetzung heute schon möglich, und wir hoffen auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft, um sicherzustellen, dass in Deutschland Wasser sicher, kosteneffizient und nachhaltig wiederverwendet werden kann.“
Insgesamt nahmen 1.043 Deutsche an der internationalen Umfrage teil, in der insgesamt 7.963 Verbraucher in sechs Ländern befragt wurden: Großbritannien, Polen, Spanien, Finnland, Deutschland und ausgewählten US-Bundesstaaten. Die von Kemira veröffentlichte Kurzversion kann hier auf Deutsch als PDF heruntergeladen werden, die Langversion auf Englisch.