Kommentar: Klug abwägen beim radonsicheren Bauen und Sanieren

KIEL, 03.08.2020 – Das Problembewusstsein für Radon wächst. Dass durch Radon die Gefahr steigt, an Lungenkrebs zu erkranken, ist eindeutig dokumentiert. Beim Bemühen, radonsicher zu bauen oder zu sanieren, sollten die Kosten beachtet und Nachweise für den Erfolg der Maßnahmen verlangt werden.

von Rudi Grimm

Rudi Grimm, Chefredakteur B_I baumagazin
Rudi Grimm, Chefredakteur B_I baumagazin

Bei Neubau lieber gleich radonsicher bauen

Anhand von Bodenluftmessungen wurden Karten erstellt, die grobe Orientierung geben, in welchen Regionen das Radon-Risiko besonders groß ist. Sie lassen aber keinen Schluss zu auf einzelne Grundstücke, da auch in sogenannten Niedrigrisikogebieten hohe Radonbelastungen vorliegen können.
Daher könnten Bauherren auf die Idee kommen, vor dem Bau freiwillig eine Bodenluftuntersuchung zu beauftragen. Diese ist in keinem Bundesland vorgeschrieben. Erstens ist die Bodenluftuntersuchung recht teuer, zweitens ist sie nur begrenzt aussagefähig, da es in der Radonbelastung erhebliche Schwankungen im Zeitverlauf gibt. Bauherren könnten sich eventuell in einer trügerischen Sicherheit wähnen.
Wenn hohe Radonbelastungen gemessen werden, muss radonsicher gebaut werden. Das verursacht nur geringe Mehrkosten. Zum Beispiel kann eine radondichte Folie unter der Bodenplatte des Gebäudes verlegt werden, die bis über die Oberkante des Erdreichs geführt wird. Die radondichte Folie schützt auch gegen Feuchtigkeit. Da stellt sich die Frage, warum nicht gleich radonsicher bauen und sich teure und im Zweifelsfall nicht zuverlässige Bodenluftmessungen sparen.

Im Sanierungsfall liefert die Bodenluftabsaugung sichere Ergebnisse.

Bei bestehenden Gebäuden kann eine Messung der Radonbelastung in der Raumluft wichtig sein. Die Messgeräte sind preiswert. Mit manchen Modellen kann der Hausbesitzer die Messung selbst durchführen.
Wann liegt eine erhöhte Radonbelastung in der Raumluft vor? In Deutschland ist der Referenzwert 300 Becquerel pro m³. Die WHO empfiehlt maximal 100 Becquerel pro m³.
Wenn eine Sanierung ansteht, haben sich Verfahren am besten bewährt, bei denen unter dem Gebäude die radonhaltige Bodenluft permanent abgesaugt wird. Mit der Unterbodenluftabsaugung wurde es nachweislich bei etlichen hoch belasteten Gebäuden geschafft, die Radonkonzentration in den Innenräumen unter den Referenzwert zu drücken, teilweise sogar auf unter 100 Becquerel zu senken. Das Ganze zu vertretbaren Kosten.
Bei dem Versuch, dem Radonproblem nachträglich mit Abdichtungsmaßnahmen zu begegnen, entstehen wesentlich höhere Kosten. Wenn es denn überhaupt gelingt, mit nachträglichen Abdichtungsmaßnahmen den Referenzwert zu unterschreiten, so ist zu fragen, ob das Problem wirklich auf Dauer gelöst ist.


Ein Kommentar zum Beitrag "Radonbelastung in Deutschland: Neue Randbedingungen für das Bauen", erschienen im B_I baumagazin 6+7/2020.