Nachwuchssorgen: Noch viele Ausbildungsplätze am Bau frei

BERLIN/HAMBURG, 13.08.2020 - Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen. Aber den Bauunternehmen fehlt es vor allem in diesem Sommer an Nachwuchs. Viele Bauunternehmen melden noch freie Ausbildungsplätze. Nach einer Umfrage der Soka-Bau konnte die Hälfte der befragten Ausbildungsbetriebe noch nicht alle Ausbildungsplätze besetzen.

Krane auf einer Hamburger Baustelle
Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen: Wo viel gebaut wird, wie hier in Hamburg, machen sich solche Probleme schmerzhaft bemerkbar. | Foto: B_I/Stoffregen

Über 6.650 junge Menschen wollen ihre Bauausbildung in diesem Jahr beginnen: Bis zum Juli wurden 6,1 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im letzten Jahr zur gleichen Zeit, meldet Soka-Bau. Allerdings zählt die Bundesagentur für Arbeit in den Bereichen Tief-, Aus- und Hochbau noch knapp 15.000 offene Ausbildungsplätze. Neben Maurer/-innen und Fliesenleger/-innen werden vor allem noch Straßenbauer/-innen gesucht.

Dass zurzeit noch so viele Stellen offen sind, liege auch daran, dass viele Ausbildungsverträge erst zwischen August und Oktober abgeschlossen würden, sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Aber es gibt noch weitere Gründe: In diesem Jahr hätten Betriebe und Abschlussschüler coronabedingt weniger als sonst zueinandergefunden, meint Stefan Wulff, geschäftsführender Gesellschafter der Otto Wulff Bauunternehmung aus Hamburg. Sein Betrieb bietet aktuell freie Ausbildungsplätze zum Maurer/in und Beton- und Stahlbetonbauer/in.

„Anpacker“ dringend gesucht

In der Hansestadt konnten laut einer aktuellen Auswertung der Hamburger Bau-Innung erst 140 der 260 gemeldeten Ausbildungsstellen am Bau besetzt werden. Besonders im Maurerhandwerk fehlt der Nachwuchs: Noch 68% der Azubi-Stellen in diesem Bereich sind unbesetzt.
Bei Otto Wulff sucht man „Anpacker, junge Menschen, die etwas bewegen wollen", sagt Ausbildungsleiter Christian Bork. „Und was gibt es Tolleres, als die Ergebnisse seiner Arbeit jeden Tag überall in den Straßen Hamburgs zu sehen?" Außer den hohen Ausbildungsvergütungen für den Bau-Nachwuchs gibt es für die Azubis bei Otto Wulff zum Beispiel kostenlose Sprachkurse, Mathe-Unterricht und ein Dauerticket für den ÖPNV. Nach der Ausbildung können die jungen Talente zum Polier oder Bauleiter aufsteigen.

Wer sich für eine Ausbildung am Bau interessiert, findet hier weitere Informationen: www.bau-dein-ding.de


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