Grauwasser für mehr Grün

STUTTGART, 03.09.2020 – Am 15. Juli wurde das Projekt „Interess-I“ Stuttgart offiziell in Betrieb genommen. Kernstück des Forschungslabors sind dreigeschossige Wohncontainer, von denen Teile mit Vertikalbegrünungssystemen versehen werden. Zum Bewässern wird Regenwasser gespeichert und leicht verschmutztes Grauwasser in einer Pflanzenkläranlage gereinigt und per UV-Licht hygienisiert.

Für die Versorgung der Fassadenbegrünung wird zum einen Regenwasser von der Dachfläche in einer Retentions-Zisterne gespeichert (li.), zum anderen wird auch der Abfluss aus den Duschen der Wohncontainer in einer Pflanzenkläranlage (re.) aufgefangen.
Für die Versorgung der Fassadenbegrünung wird zum einen Regenwasser von der Dachfläche in einer Retentions-Zisterne gespeichert (li.), zum anderen wird auch der Abfluss aus den Duschen der Wohncontainer in einer Pflanzenkläranlage (re.) aufgefangen. | Fotos: Julian Rettig
Im Herzen Stuttgarts entsteht mit dem Rosensteinviertel ein neuer Stadtteil. Durch den Gleisrückbau im Rahmen von Stuttgart 21 wird direkt hinter dem Bahnhof eine Fläche von ca. 85 ha frei, auf der man mehr als 5.000 Wohnungen bauen möchte. Es soll ein Ort mit großer urbaner Lebensqualität und sehr viel Grün werden, obgleich die Integration von zahlreichen Bäumen und anderen Pflanzen in die städtische Bebauung sowohl für Kommunen als auch Privatbesitzer eine Herausforderung darstellt. Nicht zuletzt wegen der großen Mengen Gießwasser, die dafür benötigt werden.

Der Suche nach einer Antwort geht derzeit das Forschungsprojekt „Interess-I“ nach und präsentiert mit dem Impulsprojekt Stuttgart ein offenes Forschungslabor am Rande des zukünftigen Rosensteinviertels. Das Projekt für „Integrierte Strategien zur Stärkung urbaner blau-grüner Infrastrukturen“ und erarbeitet Konzepte und Maßnahmen zur Optimierung der Siedlungs- und Bauwerksstrukturen auf der Basis stadtklimatischer Anforderungen, der Wasserverfügbarkeit und -qualität und der Belange der Freiraumversorgung. Beim Impulsprojekt Stuttgart arbeiten unter der Leitung der Technischen Universität München verschiedene Hochschulen, Kommunen und Unternehmen eng zusammen. In einem offenen Forschungslabor werden Teile dreigeschossiger Wohncontainer, in denen Arbeiter während ihres Einsatzes auf der Großbaustelle untergebracht sind, mit Vertikalbegrünungssystemen aus dem Programm von Helix Pflanzen aus Kornwestheim versehen.

Für die Versorgung der Pflanzen wird zum einen Regenwasser von der Dachfläche gesammelt und in einer Retentions-Zisterne gespeichert, zum anderen wird auch der Abfluss aus den Duschen und Handwaschbecken der Wohncontainer aufgefangen. Dieses nur leicht verschmutzte, sogenannte Grauwasser durchläuft vor seinem Gießeinsatz eine filternde Pflanzenkläranlage, die mit Kies und Sand gefüllt und mit Schilf bewachsen ist. Knapp 400 l/Tag können in dieser direkt vor den Containern aufgebauten Anlage gereinigt werden. Im Anschluss erfolgt eine weitere Hygienisierung mit UV-Lampen. Leistungsfähige Pumpen und eine hochwertige Steuerungsanlage stellen die bedarfsgerechte Bewässerung der Vertikalbegrünungssysteme sicher.
Drei verschiedene Vertikalbegrünungssysteme aus dem Programm der Helix Pflanzen GmbH kommen im offenen Forschungslabor zum Einsatz.
Drei verschiedene Vertikalbegrünungssysteme aus dem Programm der Helix Pflanzen GmbH kommen im offenen Forschungslabor zum Einsatz.
Impulse setzen
In den nächsten Monaten gehen die beteiligten Institutionen nun intensiv verschiedenen Fragestellungen nach. So wird bspw. untersucht, inwieweit sich das gereinigte Duschwasser zur Versorgung der Pflanzen eignet, wie gut die Reinigungsleistung des Bodenfilters bei unterschiedlichem Substrat bzw. bei unterschiedlichem Durchfluss ist und ob die gesammelten Mengen zur Bewässerung der Fassadenbegrünung ausreichen. Bisher ging man davon aus, dass etwa ein Viertel des Bedarfs durch Regenwasser gedeckt werden kann und drei Viertel durch das gereinigte Grauwasser. Das Ziel des Impulsprojekts in Stuttgart ist aber nicht allein, Messwerte zu sammeln. Wie der Name schon vermuten lässt, wünscht man sich, dass davon auch tatsächliche Impulse ausgehen. Das heißt, man will einer möglichst breiten Öffentlichkeit – von Stadtplanern, über Kommunen bis zur Wohnungsbauwirtschaft – demonstrieren, wie zukünftig Bewässerungsbedarf und Abwasserentsorgung zusammen gedacht werden sollten, wie alternative Wasserressourcen zu erschließen sind und eine nachhaltige und innovative Versorgung des Stadtgrüns gewährleistet werden kann. Das Projekt läuft bis Oktober 2021 und ist öffentlich zugänglich. Während der gesamten Zeit finden regelmäßig Führungen vor Ort statt.



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