Übergabe des Förderbescheids RecycleMat - v. l. n. r.: ZSW-Vorstand Prof. Dr. Powalla, Leiterin der Batterieforschung Dr. Wohlfahrt-Mehrens und Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut.
Übergabe des Förderbescheids RecycleMat - v. l. n. r.: ZSW-Vorstand Prof. Dr. Powalla, Leiterin der Batterieforschung Dr. Wohlfahrt-Mehrens und Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut. | Foto: ZSW

Projekt zum Recycling kritischer Rohstoffe

ULM, 14.09.2020 – Die Nachfrage an Lithium-Ionen-Batterien steigt und damit auch der Rohstoff-Bedarf. Das Projekt „RecycleMat“ des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg prüft, wie sich Batterieelektroden wiederaufarbeiten lassen, um Materialien möglichst vollständig rückzugewinnen und direkt als Rohstoff für die Herstellung neuer Elektrodenmassen einzusetzen.

Die geplante Machbarkeitsstudie „Kathoden- und Anodenmaterialien aus recycelten Lithium-Ionen-Batterien (RecycleMat)“ soll einen effizienteren Recyclingprozess beschreiben, der unter anderem auch Lithium, Nickel, Kobalt und Naturgrafit aus ausgemusterten Batterieelektroden wiederaufbereitet. Mit dem Projekt untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW), wie Komponenten aus Altbatterien herausgelöst und das Elektrodenmaterial so aufbereitet werden kann, dass es direkt in neuen Lithium-Ionen-Batterien oder als Zwischenprodukt für die Batteriematerialsynthese wiederverwendet werden kann. Hierzu sollen die Komponenten mit geringem Energieaufwand aus gebrauchten Batterien oder aus Produktionsabfällen bei der Zellherstellung mechanisch separiert, gereinigt und die Aktivmaterialien thermochemisch nachbehandelt werden.

Mit den gewonnenen Material- und Prozessdaten soll eine belastbare Grundlage für Re-Synthesen der Materialien geschaffen werden. Entstehende Produkte sollen direkt mit Industriepartnern evaluiert werden. Aufgrund der beim ZSW vorhandenen Expertise sowohl in der Batteriematerialentwicklung als auch in der Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen vom Pilot- bis zum seriennahen Maßstab sind die Spezifikationsprofile sowie Anforderungen an Material und Verarbeitung bekannt.

„Hochwertiges Recycling ist eine Schlüsselkompetenz für den Industriestandort Baden-Württemberg. Nachhaltige und wettbewerbsfähige Wertschöpfungsketten müssen in Zukunft auch eine optimale Verwertung von Produkten am Ende der Nutzungsphase berücksichtigen“, sagte die Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, als sie den Projektverantwortlichen im August einen Förderbescheid des baden-württembergischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau über 870 000 Euro übergab. „Beim Recycling von Batterien gehen wir mit dem Projekt „RecycleMat“ einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.“

Dr. Margret Wohlfahrt-Mehrens, die kommissarische Leiterin der Batterieforschung am
ZSW betonte bei dem Termin die Wichtigkeit der Forschungen zum Recyceln kritischer Rohstoffe. „Der künftige Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge und zur kurzzeitigen Ökostromspeicherung wird enorm sein. Die Entwicklung eines Recyclingkonzepts, mit dem Rohstoffe in ausgedienten Batterien möglichst vollständig rückgewonnen werden, kann entscheidend zu einer nachhaltigen Rohstoffversorgung führen und den Material- und Energiebedarf für neue Zellen erheblich reduzieren.“

Als Kathodenmaterial werden derzeit Übergangsmetall-Schichtoxide eingesetzt, die mehr als zehn Prozent Kobalt enthalten. Kobalt wird in vielen Fällen unter nicht optimalen Arbeits- und Umweltbedingungen abgebaut. Etwa im Kongo, wo sich rund die Hälfte der weltweiten Vorräte befinden. Große Teile der Lithiumvorkommen, rund 75 Prozent, liegen in Südamerika. Diese Stoffe sowie Naturgrafit für die Anoden der Zellen werden in Deutschland als kritische Rohstoffe mit hohen Liefer- und Preisrisiken eingestuft. Durch die Wiedergewinnung der Elektrodenmaterialien aus ausgedienten Batterien, sogenannten End-of-Life-Zellen, können Abhängigkeiten heimischer Zellhersteller von internationalen Rohstoffketten verringert werden.

Für das Recycling von Wertstoffen aus Lithiumbatterien gibt es unterschiedliche Prozesse und Anlagenkonzepte. Stand der Technik für großtechnische Verfahren ist das Einschmelzen kompletter Batterien oder Zellen mit nachfolgender aufwändiger Aufbereitung der Schmelz- und Schlackenprodukte. Recyclingunternehmen nutzen diese Verfahren kommerziell. Die Hochtemperaturprozesse führen jedoch durch die Schlackenbildung zu Verlusten an Wertmetallen wie Kobalt, Nickel und Kupfer. Ebenso werden Komponenten wie Lithium, Mangan oder Aluminium nicht zurückgewonnen. Auch eine Reihe alternativer Verfahren, die über mehrere Hochtemperaturprozesse laufen oder mit hydrometallurgischen Prozessen gekoppelt sind, liefern nur eine relativ geringe Ausbeute an Wertstoffen.