Kunst am Bau: Musikalische Morsezeichen aus Stahl

GELSENKIRCHEN, 17.09.2020 – Seit Februar schmückt den Vorplatz eines Kasernengebäudes im bayerischen Pöcking ein Kunstwerk aus Stahl. Die Bildhauerin Jenny Rempel und der Metallbildner Michael Krenz haben ein bekanntes Volkslied in Morsezeichen aus stählernen Baukörpern dargestellt. Eine individuell abgestimmte Duplex-Verzinkung sorgt für den Korrosionsschutz.

Stählerner Morsecode in Pöcking
Stählerner Morsecode in Pöcking: „Kommt ein Vogel geflogen“ – übersetzt ins Morsealphabet und in plastische Formen gebracht. | Foto: Jenny Rempel

Die General-Fellgiebel-Kaserne im bayerischen Pöcking ist zentrale Ausbildungsstätte für Informations- und Kommunikationstechnik der Bundeswehr. Auf dem Vorplatz von Gebäude 200 wurde als Siegerentwurf eines Wettbewerbs das Werk der Künstlerin Jenny Rempel aus Halle/Saale realisiert. Was zunächst wie eine willkürliche Anordnung von Sitzgelegenheiten wirkt, und auch so genutzt wird, ist eine künstlerische Umsetzung von Kommunikation. „Die Idee unserer Arbeit gründet sich auf die historischen Anfänge der Nachrichtenübermittlung“, erläutert die Bildhauerin. „In dem Lied ‚Kommt ein Vogel geflogen‘ ist es ein Vogel, der die Botschaft aus der Heimat überbringt. Da lag die Übersetzung des Textes ins Morsealphabet nahe, schließlich gilt der Morsecode noch heute als Urahne aller Kommunikationstechnik.“

So fanden 22 Morse-Zeilen auf der 18 m x 40,2 m großen Fläche Platz, bestehend aus 156 langen und 308 kurzen stählernen Baukörpern. Sie stehen jeweils für kurze und lange Morsezeichen: kurzen Punkt- und langen Strich-Signalen („ausgesprochen“ kurz: „Dit“, lang: „Dah“). Für die kurzen Punkt oder „Dit“-Baukörpern und den langen Strich-Baukörpern bzw. „Dah“-Komponenten entschieden sich Rempel und Krenz für montierbare Varianten aus 4 mm Stahlblech. Um den Korrosionsschutz und die Optik kümmerte sich der Oberflächenveredler ZINQ am Standort Leipzig.
Einzelteile des Morsecodes im Oberflächenzentrum Leipzig
Einzelkomponenten der Stahlblech-Baukörper im Oberflächenzentrum Leipzig | Foto: ZINQ

Langlebige Nachricht dank Duplex-System

„Die Bauteile wurden zunächst nach Abstimmung und einer Probeverzinkung feuerverzinkungsgerecht gefertigt“, erzählt Michael Böttcher von der Betriebsleitung colorZINQ. „Nachdem die zugeschnittenen Stahlteile von der Firma WBD verschweißt waren, wurden die Komponenten in unserem Oberflächenzentrum zuerst nach DIN EN ISO 1461 feuerverzinkt, danach wurden alle Bauteile feingeputzt und so für den Prozess Pulverbeschichtung vorbereitet. Hier erfolgte dann das Sweepen, die Epoxid-Pulvergrundierung und die Deckbeschichtung mit einem hochwetterfesten Pulverlack HWF im Farbton ‚Orange Sablé 2100 Feinstruktur matt‘ in einem für stückverzinkte Untergründe abgestimmten Prozess.“ Stückverzinken plus Farbe biete die Möglichkeit, Optik und Korrosionsschutz bestmöglich zu vereinen. Besonders bei dem vierteiligen Dah-Baukörper war das eine Herausforderung, die nach Worten der Künstler „hervorragend gemeistert“ worden sei.

Künstler-Team hochzufrieden

„Gerade wenn wir es wie hier mit fertigungsbedingt scharfkantigen Bauteilen zu tun haben, verhält sich die Feuerverzinkung als wirkungsvoller Korrosionsschutz und Primer im Kantenbereich“, so Böttcher. So wurde ein abgestimmtes Duplex-System für höchste Anforderungen an den Korrosionsschutz und höchste Ansprüche an die farbliche Gestaltung appliziert.
„In einer von ZINQ zur Verfügung gestellten Zelthalle konnten wir nach dem Aufbringen des Duplex-Systems die Komplettierungsarbeiten verrichten, die Baukörper montieren und zum Transport vorbereiten“, erzählt Jenny Rempel. „Eine wunderbare Zusammenarbeit war das, mit guten Gesprächen und einer fundierten Beratung bezüglich der Machbarkeit im Vorfeld und letztlich einem klasse Ergebnis.“


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